Diskussion um längere AKW-Laufzeiten: Powercloud-CEO Marco Beicht (2.v.l.), BDEW-Chefin Kerstin Andreae, NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (2.v.r.). Ganz links: Conenergy-CEO Niels Ellwanger

Diskussion um längere AKW-Laufzeiten: Powercloud-CEO Marco Beicht (2.v.l.), BDEW-Chefin Kerstin Andreae, NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (2.v.r.). Ganz links: Conenergy-CEO Niels Ellwanger

Bild: © André Kraß/MESSE ESSEN GmbH

Das altbekannte energiewirtschaftliche Dreieck aus Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltverträglichkeit ist derzeit erheblich beschädigt, für Powercloud-CEO Marco Beicht ergeben sich daraus aber durchaus Chancen. „Wir befinden uns im Krisenmodus. Krisen sind aber nicht schlecht, sondern ermöglichen unkonventionelles Handeln“, erklärte der Chef des auf die Energiewirtschaft spezialisierten Softwareunternehmens auf der Eröffnungspressekonferenz der E-World am Dienstag in Essen.

Zu den „unbequemen Entscheidungen“ angesichts der angespannten Versorgungslage gehören für den Unternehmensgründer sowohl die Kohleverstromung als auch die Verlängerung der Laufzeit der drei noch bis Jahresende laufenden Kernkraftwerke. Das sei keine Dauerlösung, aber momentan notwendig, um „diese Krisensituation in den Griff zu bekommen“, so Beicht.

Speicher von E-Autos "unlimitiert große Chance"

Gleichzeitig forderte Beicht die Politik auf, beim Ausbau der Erneuerbaren endlich Wort zu halten. „Es kann nicht sein, dass wir ewig auf den Bau von Windrädern im Süden von Deutschland oder die Errichtung von Solarfeldern warten müssen“, erklärte der Powercloud-CEO. Zudem müsse massiv in Speichertechnologien investiert werden.

Hier habe die Energiebranche mit dem Vorpreschen der Automobilwirtschaft eine „nahezu unlimitiert große Chance“, da sich durch das rasante Wachstum der Elektromobilität bis zum Jahr 2030 Speicher „in einem unvorstellbaren Ausmaß“ auf dem Markt befinden würden. Für die Fahrer von E-Fahrzeugen müssten aber noch mehr Anreize geschaffen werden, um das E-Auto an der Ladesäule zu lassen. Erst dann lasse sich das Potenzial technologisch heben.

Explodierende Energiepreise sind Sprengstoff

Nachdrücklich warnte der Powercloud-Chef davor, die Herausforderungen kontinuierlich steigender Energiepreise zu unterschätzen. Das ist Sprengstoff. „Wenn uns das entgleitet, werden wir das lange Zeit nicht mehr in den Griff bekommen“, so Beicht. „Wir haben eine soziale Verantwortung gegenüber den Bürgern, dass sich jeder Energie noch leisten kann.“

Zustimmung zu längeren AKW-Laufzeiten kam von NRW-Energieminister Andreas Pinkwart. „Wir haben ein mittelfristiges Problem. Kohlekraftwerke werden länger an den Markt zurückgeführt. Das geht zu Lasten des Klimaschutzes“, sagte der FDP-Politiker. Pinkwart plädiert deshalb dafür, die drei verbliebenen Kernkraftwerke bis Ende der 20er Jahre am Netz zu lassen. Die drei KKW Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 seien auch regional gut verteilt, was der Netzstabilisierung zugutekomme.

BDEW-Chefin: Kernkraft ist und bleibt Hochrisikotechnologie

Die Lösung sei allerdings „kein Ruhekissen“, um den Ausbau der Erneuerbaren zu vernachlässigen. Kurzfristig könnten die Atommeiler zumindest bis Mitte März kommenden Jahres weiterlaufen, um angesichts eines möglichen Gasnotstandes „gut durch den Winter“ zu kommen.

Widerspruch kam von BDEW-Chefin Kerstin Andreae. „Kernkraft ist eine Hochrisikotechnologie“, bekräftigte Andreae ihren Standpunkt. Ein Weiterlaufen der verbliebenen Kernkraftwerke sei deshalb mit erheblichen „technologischen, organisatorischen und personellen Herausforderungen“ verbunden. Nicht zuletzt deshalb hätten die Betreiber in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) entschieden, die genannten Blöcke nicht weiterlaufen zu lassen.

CO2-Reduktionen im Rahmen des EU-ETS

Zudem sei der Beitrag zur Stromerzeugung überschaubar. „Wir sprechen hier von sechs Prozent der Bruttostrommenge“, sagte die Verbandschefin. Stattdessen sollten im Rahmen des Europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS) an anderer Stelle nach Einsparungen zur CO2-Reduktion gesucht werden. (hil)            

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