Angesichts der Preisexplosion bei Energie fordert der Deutsche Mieterbund die Bundesregierung zu einem Entlastungspaket für Mieterinnen und Mieter auf. So verlangt der Verband ein Kündigungsmoratorium. Es müsse sichergestellt werden, dass niemandem gekündigt werden dürfe, der wegen stark gestiegener Heizkosten seine Nebenkostenabrechnung oder hohe Preisanpassungen nicht fristgerecht bezahlen könne.
Außerdem müsse es für alle einkommensschwachen Haushalte einen dauerhaften Heizkostenzuschuss geben. Das Wohngeld solle erhöht werden. Durch einen Gaspreisdeckel könne gesetzgeberisch ausgeschlossen werden, dass die Endkundenpreise ins Unermessliche stiegen. Zudem fordert der Mieterbund, dass Strom- und Gassperren verhindert und Mieterhöhungen stärker begrenzt werden.
Viele Energieversorger hätten ihre Tarife in der ersten Jahreshälfte deutlich erhöht, argumentierte der Mieterbund. Mit der Ausrufung der Alarmstufe des Gas-Notfallplans durch die Bundesregierung drohten weitere Erhöhungen - insbesondere wenn der Preisanpassungsmechanismus des Energiesicherungsgesetzes umgesetzt werden sollte. Dann könnten die Preissprünge am Gasmarkt direkt an die Endverbraucher durchgereicht werden.
Wohnungsunternehmer rechnen mit massivem Anstieg der Heizkosten
Die absolute Mehrheit der Mieter beziehe Gas als Heizenergie und wäre von den Tariferhöhungen direkt betroffen, so der Mieterbund. Dies würde entweder über eine sofortige Vertragsanpassung bei Gas-Etagenheizungen passieren oder im Rahmen der Nebenkostenabrechnung durch erhöhte Voraus- beziehungsweise Nachzahlungen an den Vermieter. Dieses Szenario drohe, wenn die Bundesnetzagentur eine erhebliche Reduzierung der Gasimportmenge feststelle.
In diesem Jahr erwartet etwa der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen wegen der hohen Gaspreise um die Hälfte höhere Kosten für Heizung und Warmwasser, wie Vorstand Maren Kern am Donnerstag sagte. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung entspreche das Mehrkosten von 410 Euro. Im nächsten Jahr werde es noch mehr sein, sogar das Doppelte sei möglich.
Es wird empfohlen, die Mindesttemperatur in den Wohnungen zu senken
«Deshalb geht der Appell an die Mieter, Energie einzusparen», sagte Kern. Zudem sei schnelle und unbürokratische staatliche Hilfe für Härtefälle notwendig. «Wir empfehlen die Temperaturen insgesamt zu senken», sagte Kern. Der BBU-Dachverband GdW hatte gefordert, die Mindesttemperatur tagsüber von 20 auf 18 Grad zu senken.
Russland hatte Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream gedrosselt. Am 11. Juli beginnt eine jährliche, zehntägige Wartung der Pipeline. Fraglich ist, ob Russland den Gashahn danach wieder aufdreht.
Der Mieterbund warnt, die Folgen einer sofortigen Marktpreisanpassung seien unabsehbar und müssten rechtlich geregelt und sozial abgefedert werden. Im Falle einer Preisanpassungsklausel müssten weitergegebene Kosten reguliert werden. Ansonsten drohten soziale Verwerfungen. (dpa/hoe)



