So hoch war die Gebotsmenge noch nie. Über fünfhundert Gebote mit rund 6100 Megawatt (MW) Leistung waren für die Ausschreibung für Windanlagen an Land im November eingereicht worden, wie die Bundesnetzagentur mitteilt. Bei einer ausgeschriebenen Menge von rund 4100 MW. Damit war die Ausschreibung eineinhalbfach überzeichnet ‒ und viele Bieter erhielten keinen Zuschlag.
"Die eingereichte Gebotsmenge übertraf um mehr als das Doppelte die bisherige Höchstmarke aus der vorherigen Ausschreibung", lässt sich Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, in einer Mitteilung zitiert. Es seien fast so viele Gebote eingereicht worden wie in allen Ausschreibungsrunden aus dem Vorjahr zusammen.
Anders als in den Ausschreibungen zuvor hatte die Bundesnetzagentur zudem das Ausschreibungsvolumen im Vorfeld nicht reduziert, da sich durch die sehr hohe Anzahl an neu gemeldeten Genehmigungen eine Überzeichnung angedeutet hatte. Erstmals seit Februar 2022 übertraf die eingereichte Gebotsmenge damit das ungekürzte Ausschreibungsvolumen.
Steigerung auch im Süden
Auch auf die Zuschlagswerte wirkten sich die vielen Gebote aus. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert sank gegenüber der Vorrunde von 7,33 Cent auf 7,15 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Trotzdem lag er nur knapp unterhalb des höchsten möglichen Wertes von 7,35 Cent pro kWh.
Das mit weitem Abstand größte Zuschlagsvolumen entfiel wie in den vorherigen Ausschreibungsrunden auch auf Gebote für Standorte in Nordrhein-Westfalen (1256 MW,) gefolgt von Standorten in Niedersachsen (606 MW), Mecklenburg-Vorpommern (429 MW) und Brandenburg (380 MW). Aber auch die meisten anderen Bundesländer steigerten sich ‒ sogar in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg (281 MW).
Deutlicher Zubau in 2025
In der Windbrache wurden die Zahlen positiv aufgenommen. "Für die Windenergie an Land war 2024 ein absolutes Erfolgsjahr mit nun mehr als 10.000 Megawatt bei Zuschlägen und absehbar gut 12.000 Megawatt an Neugenehmigungen", lässt sich Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Windverbandes BWE, in einer Mitteilung zitieren.
Insgesamt wurden im Jahr 2024 in den vier Ausschreibungsrunden Gebote mit einem Volumen von rund 11.000 MW bezuschlagt. Während die ersten beiden Ausschreibungen noch unterzeichnet waren, kam es im August und im November zu einem Wettbewerb.
"Die deutliche Überzeichnung des verfügbaren Ausschreibungsvolumens unterstreicht kurz vor Jahresende erneut, wie stark sich die Reformen der scheidenden Bundesregierung bemerkbar machen", so Heidebroek weiter. Damit sei klar, dass ab dem vierten Quartal 2025 mit einem deutlich gestiegenen Zubauvolumen zu rechnen sei.
Regulatorische Brüche
Auch Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des Windanlagenherstellerverbandes VDMA Power Systems nannte die Zahlen "eine gute Nachricht". Der Ausbau der Windenergie sei wichtig für die Senkung der Stromkosten, die Verminderung von Emissionen und die Wertschöpfungsketten in der europäischen Windindustrie.
Allerdings gebe es weiterhin eine Lücke zwischen tatsächlichem Windausbau und den Ausbauzielen. Er rief die kommende Bundesregierung dazu auf, an den Genehmigungs- und Zuschlagszahlen anknüpfen und nicht durch "regulatorische Brüche" die Erfolge im Zubau zu gefährden. Entscheidend seien unter anderem einheitlichere Anforderungen an Großraum- und Schwerlasttransporte und schnellere Netzanschlüsse. (jk)




