Michael Ebling wechselt in die Landespolitik. Am Donnerstag wurde der Mainzer Oberbürgermeister als Innenminister von Rheinland-Pfalz vereidigt. Er folgt auf Roger Lewentz, der am Tag zuvor zurückgetreten war.
Damit endet auch Eblings Zeit als Präsident des Stadtwerkeverbands VKU, die 2016 begann. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing würdigte den Politiker als "Mister Daseinsvorsorge", der sich für die kommunale Sache "mit großem persönlichen Einsatz und viel Sachkenntnis" eingesetzt habe. Er habe mehr als verinnerlicht, dass "nichts passiert, wenn es nicht vor Ort geschieht".
4,1 Mio. statt 220.000 Menschen
Sowohl Lewentz als auch Ebling gehören der SPD an, allerdings mit unterschiedlich starker Parteibindung. Während Lewentz als Landesvorsitzender tief in der Partei verwurzelt ist, frotzelt Ebling in kleinem Kreis auch gern mal über seine Sozialdemokraten.
Als Stadtoberhaupt hat er immer betont, über Parteigrenzen hinweg für alle rund 220.000 Menschen in der Stadt da zu sein. Künftig erstrecken sich seine Aufgaben auf 4,1 Millionen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer.
2021 als VKU-Präsident bestätigt
An der Spitze des VKU wurde Ebling nach damals mehr als fünfjähriger Amtszeit im Juni 2021 bestätigt. Er hatte sich insbesondere die Herausforderungen Klimawandel, Demografie und Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. Der Anspruch kommunaler Unternehmen sei es, "Daseinsvorsorge verlässlich heute und morgen zum Wohle aller zu erbringen", betonte der Kommunalpolitiker bei seiner Wiederwahl als VKU-Präsident.
Das Herz für die Kommunen kann Ebling auch im dafür zuständigen Innenministerium schlagen lassen - zuletzt war er auch Vorsitzender des Städtetags Rheinland-Pfalz. Mehr Zeit zum Einarbeiten dürfte er bei anderen Abteilungen wie Polizei, Katastrophenschutz oder Verfassungsschutz brauchen. Eblings offene, auf andere Menschen zugehende Art wird ihn dabei unterstützen, schnell im eigenen Haus wie im Kabinett heimisch zu werden. Tipps könnte ihm seine ehemalige Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) geben, die mit dem Sprung ins Klimaschutzministerium einen ähnlichen Weg gegangen ist.
Seit 2012 OB der Stadt Mainz
"Ich bin Mainzer und nach wie vor beseelt von dieser tollen Stadt" – mit diesem Bekenntnis trat Ebling 2019 zu seiner zweiten OB-Wahl an. Er gewann damals in der Stichwahl mit 55,2 Prozent der Stimmen gegen den von der CDU aufgestellten parteilosen Kandidaten Nino Haase. Die SPD stellt seit mehr als 70 Jahren den Oberbürgermeister der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Ebling war seit 2012 OB von Mainz. Damals gewann er mit 58,2 Prozent gegen den Grünen-Kandidaten Günter Beck.
Ebling wurde im Januar 1967 im Mainzer Stadtteil Mombach geboren, wo er auch heute noch lebt – mit Lebenspartner und Hund. Das Gymnasium besuchte er im Nachbarstadtteil Gonsenheim. Die Anfänge seines politischen Engagements verortet Ebling in der Friedensbewegung der 1980er Jahre. Das Motto "Schwerter zu Pflugscharen" habe ihn sowohl zur SPD als auch zur evangelischen Kirche geführt. Nach einem Jurastudium in Mainz arbeitete er zunächst im Büro eines SPD-Landtagsabgeordneten, dann als Referent im Wissenschaftsministerium.
Ein Mann mit Humor
Zu den Eigenschaften des künftigen Innenministers gehört ein erfrischender Humor. Als OB ließ er es sich nicht nehmen, bei Fastnachtssitzungen in die Bütt zu steigen und als "Chef vom Protokoll" über die Zeitläufte in Stadt und Land zu spotten. Es wird sich zeigen, ob dafür künftig noch Zeit bleibt. In den nächsten Wochen ist Ebling gleich bei der Neuaufstellung des Katastrophenschutzes gefordert.
In der Landeshaupstadt Mainz wird Bürgermeister Günter Beck (Grüne) bis zur Neuwahl die Amtsgeschäfte übernehmen. Laut Gemeindeordnung müssen die Neuwahlen spätestens im kommenden Januar stattfinden. (amo/mit dpa)



