Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Willen der Bundesregierung bekräftigt, durch den Aufbau neuer Lieferketten für verflüssigtes Erdgas (LNG) die Versorgungssicherheit sicherzustellen. Dieser Weg sei deutlich berechenbarer als in einen permanenten Verdrängungswettbewerb am Weltmarkt einzusteigen, sagte Scholz am Mittwoch auf dem BDEW-Kongress in Berlin. Scholz nannte als jüngstes Beispiel seine Afrika-Reise und die Bemühungen, mit dem Senegal eine Zusammenarbeit bei der Gasförderung aufzubauen. Bei den dafür notwendigen Investitionen werde die Europäische Investitionsbank (EIB) Finanzmittel bereitstellen.
„Erdgas bleibt die zentrale Brücke in die klimaneutrale Zukunft“, sagte der Regierungschef. Klar sei aber, dass die neu aufzubauende LNG-Infrastruktur wie Terminals und Leitungen für den Einsatz von Wasserstoff ausgerüstet sein müsse. Deutschland habe sich zu lange und zu einseitig auf Energielieferungen aus Russland verlassen, bekräftigte Scholz. Nunmehr gehe es darum, sich „so schnell wie möglich und so sicher wie nötig“ unabhängiger von den russischen Energieimporten zu machen. Bei der Kohle sei der Lieferstopp ab Herbst bereits beschlossene Sache.
„Viele Bremsklötze werden wir lösen“
„Im Kern ist die energiepolitische Zeitenwende eine Beschleunigung“, erklärte Scholz mit Blick auf die anstehende Transformation. Für das Ziel, bis zum Jahr 2030 rund 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren zu beziehen, müsse der Ausbau massiv beschleunigt werden. „Viele Bremsklötze, die sich angesammelt haben, werden wir lösen“, so der Bundeskanzler.
So würden Planungs- und Genehmigungszeiten beschleunigt sowie zwei Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen reserviert. Der Ausbau der Windkraft müsse eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen werden. Bei dem Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur setze die Bundesregierung vor allem auf einen marktgetriebenen Ausbau.
Schub durch Offshore-Windkraft-Kooperation
Eine tragende Rolle komme zudem der Offshore-Windkraft zu. Allein der Standort Ludwigshafen des Chemiekonzerns BASF benötige die Kapazität von acht bis neun Offshore-Windparks, um emissionsfrei produzieren zu können, betonte der Kanzler. Scholz verwies auf die jüngste Vereinbarung, gemeinsam mit Dänemark, Belgien und den Niederlanden den Ausbau von Offshore-Windenergie deutlich anzukurbeln und enger zusammenarbeiten.
Danach wollen die vier Nordsee-Staaten bis zum Jahr 2030 ihre Offshore-Kapazität vervierfachen - auf gemeinsam mindestens 65 Gigawatt. Bis 2050 soll die Kapazität auf 150 Gigawatt ausgebaut und damit im Vergleich zu heute verzehnfacht werden. (hil)



