Zur Vorbeugung von Wasserknappheit in manchen Regionen Deutschlands will das Bundesumweltministerium das Wassermanagement bis 2030 deutlich verbessern. Nach den Plänen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) soll dafür die Datenlage verbessert sowie die Versorgungsnetze zwischen Regionen mit unterschiedlicher Wasserverfügbarkeit ausgebaut werden. Insgesamt sei Deutschland ein wasserreiches Land, aber in einigen Gegenden werde angesichts der Folgen des Klimawandels das Wasser knapp, sagte Schulze am Dienstag bei der Vorstellung des Entwurfs für eine Nationale Wasserstrategie. «Wir müssen jetzt Vorsorge ergreifen», sagte Schulze.
«Mein Ziel ist, dass auch in 30 Jahren sauberes Wasser immer und überall in Deutschland ausreichend verfügbar ist», sagte Schulze, die zugleich betonte, dass es sich bei der Strategie um einen Entwurf ihres Hauses handele, der von einer künftigen Bundesregierung noch verbindlich verabschiedet werden müsse.
Bessere Datenlage
Zur Modernisierung des Wassersektors und zur Anpassung der Gewässer an den Klimawandel schlägt Schulze ein Sofortprogramm in Höhe von einer Milliarde Euro vor, die in den kommenden zehn Jahren investiert werden sollen. Der Entwurf, den das Ministerium nach zwei Jahren Beratung mit Unternehmen, Verbänden, Ländern und Kommunen erarbeitet hat, wird ergänzt durch ein Programm mit 57 Maßnahmen.
Die Behörden von Bund und Ländern sollen demnach künftig genauer vorhersagen können, wo Wasser gebraucht wird. Das Ministerium geht davon aus, dass zusätzliche Verbundnetze und Fernleitungen nötig sein werden, um regionale Unterschiede bei der Wasserverfügbarkeit auszugleichen. Im Fall von Knappheiten sollten sogenannte «Wassernutzungshierarchien» greifen: Die Versorgung mit Trinkwasser und der Wassermindestbedarf für Tiere und Pflanzen sollen dann dem Plan zufolge Vorrang haben. Auch Bürger sollen einen Teil beitragen.
Smarte Wassertarife
Über «smarte Wassertarife» könnten sie künftig Anreize bekommen, ihren Wasserverbrauch an die Verfügbarkeit anzupassen. So könnte das Wasser günstiger werden in Zeiten, in denen die Nachfrage gering ist. Auch Unternehmen, die mit ihren Produkten das Wasser belasten, will Schulze stärker in die Pflicht nehmen. So sollen sie sich nach dem Plan etwa an der Finanzierung von neuen Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen beteiligen.
Gesamtgesellschaftliches Umdenken nötig
„Wasser ist endlich wieder ein Thema: gut so“, kommentierte Karsten Specht, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), die Wasserstrategie 2030. Die Wasserwirtschaft in Deutschland stehe vor zahlreichen Herausforderungen. "Und daraus folgend alle, die Wasser nutzen: Wir sollten wissen, dass wir im Umgang mit der Ressource Wasser gesamtgesellschaftlich umdenken und sorgsam mit ihr umgehen müssen. Qualität und Quantität von Wasserressourcen müssen besser geschützt werden."
Bei allen künftigen politischen Entscheidungen müsse jedoch eines klar sein: „Wir sollten bei unseren bewährten Grundsätzen bleiben. Die Wasserversorgung ist auf Ebene der Kommunen sehr gut aufgehoben. Hier kann am besten entschieden werden, wie Wasserver- und Abwasserentsorgung aussehen muss, um den Bedürfnissen der Bürger und der örtlichen Wirtschaft zu entsprechen", so Specht weiter. Und hier könne auch schnell auf lokale Versorgungsengpässe reagiert werden. Einheitliche Vorgaben aus Berlin seien dazu nicht nötig.
Rasche Umsetzung angemahnt
„Die Wasserstrategie des Bundesumweltministeriums enthält viele wichtige Ansätze, um die Wasserqualität zu schützen und die Trinkwasserversorgung trotz der Folgen des Klimawandels langfristig in der gewohnt hohen Qualität sicherzustellen“, stellte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, fest. „Entscheidend ist, dass nun schnell aus den Plänen konkrete Maßnahmen werden, die in der Praxis umgesetzt werden.“
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) befürwortet die Ziele und die auf Vorsorge gerichteten Handlungsansätze der Nationalen Wasserstrategie. Mit der Vorlage mache das Bundesumweltministerium deutlich, „dass es einen hohen Handlungsbedarf zur künftigen Sicherung der Trinkwasserversorgung in Deutschland gibt. Die heute schon spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wasserressourcen, aber auch die Schadstoffeinträge in die Gewässer sind ernst zu nehmende Gefahren, denen wir uns dringend stellen müssen“, sagte Wolf Merkel, DVGW-Vorstand Wasser.
DUH fordert Kurswechsel in der Agrarpolitik
Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßte die Ziele der Wasserstrategie, insbesondere um Wasserknappheit vorzubeugen und die Wasserinfrastruktur an die menschengemachten Klimaveränderungen anzupassen. Die DUH mahnte aber an, dass diese ohne einen Kurswechsel in der Agrarpolitik nicht zu erreichen sind. Dafür müssten die Flussauen als zentraler Beitrag zum Klima-, Biodiversitäts- und Gewässerschutz besser geschützt werden. (dpa/hp)



