Thomas Schmidt, Sprecher des Großkraftwerks Mannheim (GKM), weist darauf hin, dass alle süddeutschen Steinkohlekraftwerke von der Teilnahme an der ersten Ausschreibungsrunde der Stilllegungs-Auktionen ausgeschlossen waren und bei den in diesem Jahr durchgeführten Auktionen massiv benachteiligt würden.
"Die Ergebnisse der zweiten Ausschreibung haben gezeigt, dass wir als süddeutsches Kraftwerk wegen der Benachteiligung durch sogenannte Netzfaktoren selbst bei einem vollständigen Verzicht auf Auktionserlöse chancenlos gewesen wären", sagte Schmidt gegenüber der ZfK.
Netzfaktor belastet als systemrelevant eingestufte Kraftwerke
Durch den Netzfaktor werden nämlich die Steinkohlekraftwerke im Land bei den Ausschreibungen mit einem Malus belastet. Dieser bemisst sich an der Einstufung der Systemrelevanz der Kraftwerke für die Versorgungssicherheit durch die Bundesnetzagentur.
Ein Zuschlag sei allerdings unter anderem eine Voraussetzung für den Erhalt von Anpassungsgeld für die Beschäftigten, betont Schmidt. Ob und wann das GKM an den kommenden Ausschreibungen teilnehmen werde, müsse noch entschieden werden. "Für systemrelevante Steinkohlekraftwerksstandorte wird durch diese gesetzlichen Benachteiligungen eine Transformation zu erneuerbaren Energien extrem erschwert", konstatiert Schmidt.
UM: Wettbwerb bei Auktionen weiter geschwächt
In eine ähnliche Kerbe stößt Ralf Heineken, Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums. Steinkohlekraftwerke in Baden-Württemberg würden bei den Ausschreibungen benachteiligt und de facto davon ausgeschlossen. "Dies führt zu einer weiteren Verringerung des Wettbewerbs und begünstigt strategisches Verhalten der verbliebenen Kraftwerksbetreiber", so Heineken gegenüber der ZfK.
Zudem kritisierte Heineken erneut die mit den Betreibern von Braunkohlekraftwerken in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag geregelte Abschaltreihenfolge mit Laufzeiten bis in das Jahr 2038. Dies benachteilige effizientere Steinkohlekraftwerke und lasse emissionsintensivere Braunkohlekraftwerke mit allen Nachteilen länger in Betrieb. Doch baut Heineken darauf, dass der Kohleausstieg nun aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts und der verschärften Klimaziele ambitionierter geregelt wird. (hcn)
