Die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) sorgt auf Verbandsebene für viel Kritik. Im Vorfeld der Verbändeanhörung im Bundeswirtschaftsministerium sprach VKU-Chef Ingbert Liebing davon, dass man bei diesem wichtigen Thema mit „angezogener Handbremse“ unterwegs sei. „Das Fördervolumen reicht bei weitem nicht aus, um durch Umbau und Erweiterung der Netze ausreichend erneuerbare Wärme für die Erreichung der Klimaneutralität im Gebäudesektor zu gewinnen.“ Im Strombereich haben die erneuerbaren Energien laut Liebing einen Anteil von ca. 45 Prozent. Im Wärmebereich seien es gerade einmal 15 Prozent.
Mit der Richtlinie soll bis 2030 die Installation von 400 Megawatt (0,4 Gigawatt) erneuerbarer Wärme pro Jahr gefördert werden. Nach Angaben von Liebing beträgt aktuell allein die installierte Leistung aus Kraft-Wärme-Kopplungen rund 30 Gigawatt. Diese müsse vollständig dekarbonisiert werden. „Mit den Ausbauplänen kommen wir also rein rechnerisch nicht hin. Das Volumen muss aus unserer Sicht mindestens vervierfacht werden, um die Fernwärme bis 2045 schrittweise klimaneutral umzubauen“, mahnt der Verbandschef.
Volumina zu gering
Auch die Investitionsvolumina sieht der VKU-Chef kritisch. Liebing: „Mit der jetzt angepeilten Förderung von unter 300 Millionen Euro kommen wir nicht weit. Zum Vergleich: Schon allein in einer deutschen Großstadt muss man über den Daumen gepeilt eine dreistellige Millionensumme mittlerer Höhe in die Hand nehmen, damit die Stadt ihr Wärmenetzsystem bis 2030 fit für Klimaneutralität machen kann. Ab 2023 müssen wir daher bundesweit jährlich mindestens eine Milliarde Fördermittel investieren, um die Transformation der Wärmenetze hin zur Klimaneutralität zu schaffen.“
Ein weiterer Knackpunkt ist aus VKU-Sicht die sogenannte Verbindlichkeit der Transformationspläne, die die Unternehmen erarbeiten müssen, um eine Förderung zu bekommen. „Die Unternehmen müssen Entwicklungspfade ihrer Netze bis zum Dekarbonisierungsziel konkret darstellen. Das gestaltet sich allerdings schwierig“, so Liebing, „weil heute beispielsweise noch nicht abzusehen ist, wie technische Entwicklungen, etwa bei Großwärmepumpen verlaufen. Bei der Wärmewende gelte nicht „Je konkreter, desto besser“, sondern „Je flexibler, desto besser“. „Damit man neue Technologien nutzen kann, sollte man die Anforderungen an den Konkretisierungsgrad daran orientieren, wie weit man heute realistisch in die nähere Zukunft schauen kann. Je später der Zeitpunkt, desto geringer sollte der Konkretisierungsgrad sein.“
Bioenergie nicht angemessen im Blick
Unzufrieden ist auch Sandra Rostek, die Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB). Sie moniert eine aus ihrer Sicht allzu starke Reglementierung des Einsatzes von Bioenergie im Wärmebereich. „Eine Begrenzung des Biomasseeinsatzes, auch durch eine Begrenzung der Volllast- oder Betriebsstunden, hindert Projektierer daran, die Biomasse dort einzusetzen, wo andere Klimaschutztechnologien an ihre Grenzen stoßen – zu Lasten sowohl der Effektivität als auch der Effizienz des gesamten Fördersystems.“
Insgesamt enthalte der BEW-Entwurf noch allzu viele Lücken, verpasste Chancen und handwerkliche Unsauberkeiten, die dringend noch der Nachbesserung bedürfen, so Rostek. Besorgniserregend sei zudem die drohende Förderlücke im Bereich der Kleinstnetze, wenn weniger als 16 Gebäude angeschlossen werden. Insbesondere Wärmewende im ländlichen Raum drohe eine Förderlücke, warnt sie.
Kleine Wärmenetze nicht vergessen
Anfang der Woche hatte sich bereits Simone Peter, die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), in die Debatte eingeschaltet. Die zu geringe Mittelausstattung verringere die notwendige Planungssicherheit und stehe dem Investitionswillen der kommunalen und privatwirtschaftlichen Investoren entgegen, so ihre Kritik. „Die Haushaltsmittel sind zeitnah durch den Bundestag aufzustocken und ein Rechtsanspruch auf die Gewährung der Förderung einzuführen“, fordert sie. Wie Rostek macht auch sie sich für die Förderung kleiner Wärmenetze stark. „Für die Energiewende im Wärmebereich sind jetzt alle Hebel umzulegen. Es braucht konsequentes Handeln für den Klimaschutz und Innovationen auf allen Ebenen, gerade auch im Rahmen der Förderprogramme“, so Peter abschließend. (amo)



