Durch die Niederschläge erholt sich der Grundwasserpegel langsam.

Durch die Niederschläge erholt sich der Grundwasserpegel langsam.

Bild: © JackStock/AdobeStock

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs Baden-Württemberg e.V. (DVGW), der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e.V. (VfEW) und der Verband kommunaler Unternehmen Baden-Württemberg e.V. (VKU) fordern von der baden-württembergischen Landesregierung endlich entschlossenes Handeln gegen die Grenzwertüberschreitungen beim Nitrat im Grundwasser – vor allem in den „roten“, also besonders belasteten Gebieten und in Wasserschutzgebieten. Dieses Anliegen unterstützen die Wasserversorgungsunternehmen in den betroffenen Regionen.
 
Grundlage dafür ist eine aktuelle Analyse der Grundwasserdatenbank Wasserversorgung, die seit 30 Jahren die Entwicklung der Wasserqualität misst. „Seit Beginn der Erhebung können wir einige Verbesserungen erkennen, jedoch nicht ausreichend“, sagt Frieder Haakh, Vorsitzender der Grundwasserdatenbank Wasserversorgung.

"Großer Handlungsbedarf"

„Die Nitratbelastung des Grundwassers heute bestimmt die Trinkwasserqualität unserer Enkel, es ist unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt und kommenden Generationen, heute die Einträge deutlich zu reduzieren“, so Haakh. Die im vergangenen Jahr verabschiedete Düngeverordnung sieht zwar verschärfte Regelungen für Landwirte vor, erziele aber nicht ihren Zweck.
 
Zum letzten Stichtag am 31. Januar 2020 waren in Baden-Württemberg rund 1854 Quadratkilometer als Nitratproblemgebiet und 197 Quadratkilometer als Nitratsanierungsgebiet ausgewiesen. Damit gibt es auf rund 5,7 Prozent der Landesfläche einen großen Handlungsbedarf zur Reduzierung der Nitratbelastung des Grundwassers. Das in der Düngeverordnung angewandte AGRUM-Modell dagegen sieht lediglich auf einer Fläche von 536 Quadratkilometer (1,5 Prozent der Landesfläche) Handlungsbedarf.

EU wird wohl aktiv werden

„Am Erfolg der neuen Düngegesetzgebung bestehen also weiterhin erhebliche Zweifel“, sagt Haakh. Es sei davon auszugehen, dass die EU-Kommission das zweite Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen Nichtumsetzung der Nitratrichtlinie wiederaufleben lassen könnte.
 
Die Wasserversorgungsunternehmen in den betroffenen Regionen und die Verbände fordern im Rahmen der Verschärfung des Düngerechts endlich einen besseren und vor allem konsequenteren Schutz der für die Trinkwasserversorgung genutzten Wasservorkommen. Johannes Übelhör, Technischer Leiter der Stadtwerke Bad Saulgau, bestätigt dies aus der Praxis. Im Versorgungsgebiet der Stadtwerke liegt ein Gebiet mit ständig hohen Nitratwerten.

Im Sommer werden alle Ressourcen gebraucht

„Letztlich ist es eine Frage der Versorgungssicherheit für die Menschen, die in diesen Gebieten leben, auch im Hinblick auf den Klimawandel. In Zukunft wird es darauf ankommen, dass in Trockenperioden bei Spitzenabgaben in den Sommermonaten auf alle verfügbaren Wasserressourcen zugegriffen werden kann“, sagt Übelhör.      
 
„Unsere weiteren Forderungen sind die Ausweitung der ,roten Gebiete’ entsprechend den vorhandenen Nitratmessdaten, eine spürbare Extensivierung der Landwirtschaft in den ,roten Gebieten’ und in den Nitratproblem- und Nitratsanierungsgebieten, die zügige Umstellung von landwirtschaftlichen Betrieben auf Biolandwirtschaft und die Offenlegung von Zahlen, Daten und Fakten aller landwirtschaftlichen Betriebe zur Stickstoffdüngung der bewirtschafteten Flächen“, sagt Tobias Bringmann, Geschäftsführer des VKU. (hp)

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