Auf der Fachmesse "Heatexpo" in Dortmund sind über 200 Aussteller vertreten.

Auf der Fachmesse "Heatexpo" in Dortmund sind über 200 Aussteller vertreten.

Bild: @ Messe Dortmund GmbH

Von Artjom Maksimenko

Die Deutschen schauen kritisch auf die kommenden finanziellen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Wärmeversorgung der Zukunft. 82 Prozent trauen der Politik nicht zu, den Umstieg auf klimaneutrales Heizen sozial gerecht zu gestalten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Civey-Umfrage im Auftrag des VKU. "Die Wärmewende braucht Akzeptanz. Das setzt voraus, dass die Wärmewende für alle machbar ist", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse beim Auftakt der Fachmesse. Die Zweifel der Deutschen seien "ein Weckruf für die Politik".

Von den 5000 befragten Bürgern haben 48 Prozent (Mehrfachantworten möglich) weniger Bürokratie in Bezug auf die Umsetzung der Wärmewende gewünscht. 43 Prozent sprachen sich für klare und verlässliche Vorgaben aus, 40 Prozent forderten realistischere Ziele, 30 Prozent eine höhere finanzielle Förderung und 29 Prozent eine bessere Kommunikation.

Forderungen an die Bundesregierung

"Als Erstes brauchen wir Eckpunkte für eine Reform des Heizungsgesetzes, das der Vielfalt der Heiz-Optionen Rechnung trägt und pragmatischer als bisher ist", zählte Liebing auf. Zweitens sollte die Bundesregierung das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) vorlegen, das den Ausbau der Fernwärme unterstützt. Die über das KWKG geförderten, hocheffizienten KWK-Anlagen würden nicht nur den Fernwärmehochlauf absichern, sondern auch die Stromversorgung.

Abschließend forderte Liebing ein Fernwärmepaket aus AVB FernwärmeV und Wärmelieferverordnung. Letztere sollte den klugen Kompromiss einer gedeckelten Mieterhöhung von 50 Cent pro Quadratmeter und Monat bei der Wärmepumpe auch auf die Fernwärme ausweiten. "So kann die Bundesregierung verhindern, dass Mieter entweder unnötig lange in Gas und Öl gefangen sind oder in jenen Gebieten zur Wärmepumpe gedrängt werden, in denen Fernwärme wirtschaftlich sinnvoller wäre", so Liebing.

Prozesswärme in der Industrie

Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, verwies in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Prozesswärme. Ihr Potenzial liegt bei etwa 411 Terawattstunden, davon 72 Prozent fossilen Ursprungs. "Wenn wir das defossilisieren würden, würden wir über 100 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen", betonte er. Das Thema bleibe jedoch "politisch unterbelichtet". Auch der Monitoringbericht der Bundesregierung zur Energiewende habe die Prozesswärme nur unzureichend berücksichtigt.

Rendschmidt fordert eine klare politische Strategie. Technologisch sieht er zwei Hauptoptionen: Elektrifizierung und klimaneutrale Gase wie grüner Wasserstoff. Ein großer Teil der industriellen Prozesswärme könne effizient elektrifiziert werden. Zwar könne Strom verschiedene Temperaturniveaus abdecken, doch unsichere Preisentwicklungen für Strom und Gas bremsten die Transformation aus. "Das Angebot ist größer als die Bedarfe, insbesondere bis zu 200 Grad haben wir wenig Probleme auf der technischen Seite." Die Herausforderung liege vor allem in der Wirtschaftlichkeit, dem Verhältnis von Strom- und Gaspreis sowie den hohen Investitionskosten für Unternehmen.

Darüber hinaus kritisierte Rendschmidt die infrastrukturellen Hürden: Netzanschlüsse für hohe Stromverbräuche seien limitiert und konkurrierten mit anderen Sektoren wie Speicher und Rechenzentren. Er forderte politische Maßnahmen zur Beschleunigung von Genehmigungen und Planung: "Wir brauchen das Thema Netzanschlüsse auch auf der politischen Agenda, damit wir hier noch schneller vorwärtskommen."

Heat Expo mit über 200 Ausstellern

Die Fachmesse für Wärme- und Kälteversorgung der Zukunft Heat Expo findet in diesen Tagen zum dritten Mal in Dortmund statt. Laut Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen-Unternehmensgruppe, nehmen über 200 Aussteller teil, etwa 50 davon aus dem Ausland. Sie präsentieren Technologien, Produkte und Dienstleistungen rund um die Wärmeversorgung der Zukunft.

Neuheiten, Trends und Premieren in den Bereichen Fern- und Nahwärme, industrielle Prozesswärme, Speicherlösungen, Abwärmenutzung, Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle stehen im Mittelpunkt. Auf dem "Heatexpo"-Forum diskutieren die Teilnehmer über zentrale Leitlinien der Wärmewende. Auf dem kommunalen Campus geht es um die Herausforderungen der kommunalen Wärmeplanung. Bei der Bundesabwärmetagung trifft sich die Abwärme-Community, und die Start-up-Area bietet einen Überblick über Innovationen im Wärmesektor, etwa intelligente Steuerung, Effizienzsteigerung, Datenauswertung und neue Services.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper