Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Nicht nur wegen des kühleren Wetters haben die Heizkosten in Deutschland im Abrechnungsjahr 2019 angezogen.

Bild: © Sina Schuldt/dpa

Die Bundesregierung hat heute den Gesetzentwurf zum Gebäudeenergiegesetz veröffentlicht. Dabei sind ursprünglich strenge Vorgaben zur Wärmewende aufgeweicht worden. So dürfen etwa sogenannte H2-Ready-Gasheizungen, die komplett auf Wasserstoff umrüstbar sind, eingebaut werden.

Allerdings muss es dafür einen verbindlichen Investitions- und Transformationsplan für Wasserstoffnetze geben und die Heizungen müssen schon 2030 mit mindestens 50 Prozent Biomethan und spätestens ab 2036 mit mindestens 65 Prozent Wasserstoff betrieben werden. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) sieht die Regelung dennoch kritisch: "H2-Readyness für Heizungen ist ein Worst-Case-Szenario, da so Gaskessel über viele weitere Jahre schlicht mit Erdgas betrieben werden können", lässt sich Robert Busch, Geschäftsführer des Verbandes, in einer Pressemitteilung zitieren.

Kein reines H2-Verteilnetz

Grund dafür sei die zu erwartende Knappheit von Wasserstoff. "Hier drohen nun massive Fehlinvestitionen in Geräte, die in wenigen Jahren wieder ausgetauscht werden müssen", erklärt Busch weiter. "Dem Klimaschutz ist keinen Deut damit geholfen, wenn zwar auf dem Papier Transformationspläne vorgelegt werden müssen, der Wasserstoff aber de facto nie in dem Maße kommen kann."

Bei der Fernwärme hält der Verband die Pläne bereits für "sehr optimistisch". Bei Gasnetzen sei dies schlicht ein "Etikettenschwindel". "Wir werden für die Gasheizungen kein 100 Prozent H2-Gasverteilnetz sehen", so Busch.

Investitionen konzentrieren

Ein weiteres "Schlupfloch" bestehe zudem bei Wärmenetzen. "Bis 2030 sind lediglich 50 Prozent Erneuerbare in der Fernwärme vorgeschrieben. Der Transformationsprozess der Fernwärme, wo oft Erdgas-KWK eingesetzt wird, muss viel schneller vorangebracht werden", so der bne-Chef weiter.

Auch für KWK-Anlagen müsse der Einsatz von mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien zur Pflicht werden. "Neue KWK-Anlagen, die dieses Kriterium nicht erfüllen, sollten nicht zugelassen werden", fordert der Verbandsvertreter und fordert, künftige Investitionen auf Wärmepumpen und grüne Wärmenetze zu konzentrieren.

Wärmepumpe deutlich effizienter

Die Ergebnisse einer neuen Studie des Forscherteams des Competence Center für Erneuerbare Energien und EnergieEffizienz (CC4E) der HAW Hamburg zeigen zudem, dass die Wärmepumpe auch in puncto Effizienz dem grünen Wasserstoff deutlich überlegen ist, wenn es darum geht, Privathaushalte zu beheizen. "Der Strombedarf zur Herstellung des grünen Wasserstoffs ist deutlich höher als die bereitgestellte Wärme", lässt sich Studienleiter Felix Doucet von "kreiszeitung.de" zitieren.

Im Rahmen des Verbundprojekts "Norddeutsches Reallabor" verglichen die Forscher dabei den Energieaufwand, ein unsaniertes Einfamilienhaus mit grünem Wasserstoff zu heizen, mit dem einer modernen Wärmepumpe. Dabei wurde ein jährlicher Bedarf von 40.000 Kilowattstunden angenommen. Das Ergebnis: Für die Gewinnung der zum Heizen notwendigen Menge grünen Wasserstoffes entstand ein Strombedarf von 67.000 Kilowattstunden, während eine moderne Wärmepumpe nur 12.000 Kilowattstunden für die Bereitstellung der Wärme benötigte.

Ausnahmen im Wärmenetz

Die Wärmepumpe sei in der Energiebilanz "praktisch nicht zu schlagen", so Doucet weiter. Die Herstellung von Wasserstoff mittels Elektrolyse sei zwar ein gängiges Verfahren, jedoch äußerst energieaufwendig. "Aus Effizienzgründen ist der Einsatz von Wasserstoff für die Beheizung von Privathaushalten also keine konkurrenzfähige Option, da hier ein Vielfaches an grüner elektrischer Energie für die Elektrolyse im Vergleich zu Wärmepumpen notwendig wäre", resümiert der Forscher.

Jedoch könne der Wasserstoff als Ergänzung zur Wärmeversorgung durch Wärmenetze genutzt werden. So könne die Abwärme von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen, die zur Herstellung von grünem Wasserstoff an anderer Stelle notwendig seien, beispielsweise eingespeist werden. "So kann bei hohem Angebot erneuerbarer Energien und damit bei günstigen Strompreisen eine Wärmepumpe betrieben werden, bei hohen Strompreisen kann mit Kraft-Wärmekopplung Strom und Wärme aus einem Brennstoff erzeugt werden, zum Beispiel grünem Wasserstoff", erklärt Doucet. (jk)

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