Die Hängepartie beim Wasserstoff hat ein Ende. In ihrem am gestrigen Mittwoch beschlossenen Konjunkturpaket kündigt die schwarz-rote Koalition an, "kurzfristig" eine Wasserstoffstrategie vorlegen zu wollen. Ziel der Nationalen Wasserstoff solle es sein, Deutschland bei modernster Wasserstofftechnik zum "Ausrüster der Welt" zu machen.
Konkret sieht das 15-seitige Papier der Großen Koalition vor, die Entwicklung von Produktionsanlagen für Wasserstoff zu fördern. Um den Einsatz der Technologie auch in Deutschland im Industriemaßstab zu demonstrieren, sollen bis zum Jahr 2030 bis zu 5 Gigawatt Gesamtleistung erreicht werden. Bis zum Jahr 2035 sollen dann "nach Möglichkeit", wie es im Koalitionsbeschluss vielsagend heißt, weitere 5 Gigawatt zugebaut werden.
Vieles noch in Prüfung
Geprüft werden soll nun, ob eine staatliche Förderung über die Ausschreibung von Elektrolyseleistungen möglich ist. Profitieren soll offenbar in erster Linie die Industrie, die ihre Produktionsprozesse dekarbonisieren muss.
In Aussicht stellen die Koalitionsspitzen die Befreiung der Produktion von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage sowie eine verpflichtende PtL-Quote für Flugbenzin. Auch hier seien allerdings noch Prüfungen notwendig. Das gilt auch für eine Nachfragequote nach klimafreundlichem Stahl sowie die staatliche Förderung von "Wasserstoff-ready" Anlagen über das KWK-Gesetz.
RED II ambitioniert umsetzen
Zügig schaffen will die Bundesregierung hingegen die regulatorischen Grundlagen, die für den Ausbau einer Wasserstoffinfrastruktur nötig sind. Bei der RED-II-Umsetzung kündigte die Große Koalition an, ambitioniert vorzugehen und über die Vorgaben der EU hinauszugehen.
Zum Einsatz kommen soll grüner Wasserstoff nach dem Willen der Bundesregierung auch im Schwerlastverkehr. Dazu werde man das Wasserstoff-Tankstellennetz zügig ausbauen.
Importe aus anderen Ländern
Da Deutschland den Wasserstoffbedarf nicht aus eigener Kraft wird decken können, sind "außenwirtschaftliche Partnerschaften" mit Ländern geplant, in denen Wasserstoff effizient produziert werden kann. Diese Länder seien zugleich Absatzmärkte für deutsche Wasserstofftechnologie, heißt es in dem Papier weiter.
9 Milliarden Euro will die Große Koalition nach jetzigem Stand insgesamt in die Hand nehmen, um den Weg in die Wasserstoffwirtschaft zu ebnen. Davon sollen 2 Milliarden Euro in den Aufbau des internationalen Netzwerks für Wasserstoff fließen.
VCI: "Positive Perspektive"
In einer ersten Reaktion auf die Wasserstoffpläne der Bundesregierung zeigte sich der Verband der chemischen Industrie zufrieden. Das Modul für die Förderung von Forschung und Innovation, zu dem auch die Wasserstoffwirtschaft gehört, eröffnen den Unternehmen "eine positive Perspektive".
Die Ankündigung, dieNationale Wasserstoffstrategie nun kurzfristig zu beschließen, sei ein überfälliger Schritt, kommentiert der VDMA. Hier hätte sich der Maschinenbau allerdings mehr gewünscht. "3 bis 5 Gigawatt wären bei richtig gesetzten Rahmenbedingungen schon bis zur Mitte dieses Jahrzehnts erreichbar", so der Verband. Ähnlich sieht es der DVGW.
BDEW: Richtiges Signal
Die Bundesregierung gehe beim Wasserstoff den richtigen Weg, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. "Dass hier erhebliche Mittel in die Hand genommen werden, um Wasserstoff zum Durchbruch zu verhelfen, ist das richtige Signal zur richtigen Zeit. Wasserstoff ist ein unverzichtbarer Baustein für eine CO2-freie Wirtschaft der Zukunft. Es ist erfreulich, dass die Regierung hier einen Gang hoch schaltet."
Zwiespältig fällt das Urteil der Deutschen Umwelthilfe (DUH) aus. "Die Entscheidung der Großen Koalition, eine Erzeugung von grünem Wasserstoff aufzubauen, weist in die richtige Richtung. Zwar wäre bis 2030 der Aufbau einer größeren Elektrolyseleistung von 10 Gigawatt wünschenswert, aber diese Entscheidung beendet endlich die monatelange Hängepartie um die dringend überfällige nationale Wasserstoffstrategie als zentralem Bestandteil der Energiewende", erklärte Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer.
VKU: KWK-Förderung zügig umsetzen
Der VKU geht hingegen davon aus, dass das Konjunkturprogramm der lang erwarteten nationalen Wasserstoffstrategie noch einmal Schub verleihen werde. "Für die Stadtwerke, die maßgeblich für die Wärmeversorgung vor Ort sorgen, ist dabei besonders interessant, dass das Konjunkturprogramm die Prüfung einer Förderung für Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen vorsieht, die ,Wasserstoff-ready' sind. Dies sollte nun kurzfristig erfolgen und bereits im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes mit geregelt werden", sagt der Verband.
Als "nicht so schlimm wie befürchtet, aber noch lange nicht ausreichend" bezeichnet Ingrid Nestle, Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen, die nun vorgelegten Wasserstoffpläne. Die Bundesregierung bleibe die Antwort auf die Frage schuldig, woher der benötigte grüne Strom kommen solle. "Es muss deshalb zügig geklärt werden, wie der Ausbau von Windkraftanlagen an Land wieder in Schwung gebracht werden kann." Ohne einen engagierten Vorstoß für den Ausbau der erneuerbaren Energien werde diese Regelung zum Einfallstor für grauen Wasserstoff aus Kohlestrom. (amo)



