Bild: © Petra Schmidt/Pixelio

Das Europaparlament hat sich zur Erreichung der Klimaziele für den Aufbau einer europäischen Wasserstoffwirtschaft ausgesprochen. Es sei dringend erforderlich, die Infrastruktur für die Produktion, Speicherung und den Transport von Wasserstoff zu schaffen, hieß es in einem am Mittwoch angenommenen Bericht. Als wichtigste Leitmärkte gelten demnach die Industrie sowie Luft-, See- und Schwerlastverkehr.

Mit der Nutzung von Wasserstoff sollen die CO2-Emissionen in der EU gesenkt werden. Dem Bericht zufolge könnten mit der Technologie bis 2050 pro Jahr etwa 560 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Grün, grau oder türkis?

Strittig ist zwischen den Fraktionen aber, welcher Wasserstoff zum Einsatz kommen soll. Im Bericht heißt es, fossiler Wasserstoff solle möglichst bald vom Markt genommen werden. Die Präferenz liegt aber bei grünem Wasserstoff. Angelika Niebler von der CSU betonte, man habe schnell einen Markt für bezahlbaren Wasserstoff schaffen wollen. Dies gelinge nur mit der Ergänzung um Wasserstoff aus kohlenstoffarmer Erzeugung als Übergangslösung.

Der SPD-Abgeordnete Jens Geier mahnte, Wasserstoff aus klimaneutralem Erdgas dürfe keine Dauerlösung oder gleichwertige Alternative sein. Es sei zentral, dass langfristig nur der erneuerbare, sogenannte grüne Wasserstoff eine nachhaltige Lösung darstelle. "Ausreichende Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Wasser ist die Voraussetzung dafür." Der Einsatz fossiler Energieträger wie Erdgas dürfe nicht länger als unbedingt nötig in die Länge gezogen werden.

Zertifizierungssysteme schaffen

Geier fordert transparente Zertifizierungssysteme für Wasserstoff und den Aufbau der nötigen Infrastruktur. "Die EU muss wirtschaftliche Anreize schaffen, damit Industrie-Unternehmen, vornehmlich in der Glas-, Zement- und Stahlindustrie, sowie Luft- und Seeverkehr auf den flexiblen Energieträger umsteigen. Die Europäische Union sollte außerdem internationale Partnerschaften im Bereich Wasserstoff entwickeln, um ihren Markt für Wasserstoff aufzubauen und ausreichend sauberen Wasserstoff gewinnen zu können." Die EU-Kommission müsse nun mit konkreten Gesetzesvorschlägen im Rahmen des "Fit for 55"-Pakets nachlegen.

Michael Bloss von den Grünen nannte die Förderung fossiler Energieträger für Wasserstoff absurd. "Die Konservativen hofieren die Forderungen der Öl- und Gasindustrie und öffnen damit die Tür für eine Milliardenschwemme in klimaschädliche Fehlinvestitionen." Auch Cornelia Ernst von der Linken befürwortete, nur in grünen Wasserstoff zu investieren.

Gasverteilnetze nutzen

Um einen Wasserstoffmarkt handelbar aufzubauen, forderte Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, ein einheitliches, EU-weites Zertifizierungssystem auf der Basis des CO2-Gehalts von Wasserstoff. Der Chef des Verbands der Kommunalen Unternehmen, Ingbert Liebing, sagte, von kommunalen Unternehmen betriebene Gasverteilnetze stünden bereit, die Transformation zu unterstützen.

Der BDEW begrüßt, dass sich das EU-Parlament bei der Erzeugung von Wasserstoff für einen "breiten Ansatz" entschieden hat. "Ein solch breiter Ansatz wäre allerdings nicht nur mit Blick auf Erzeugungstechnologien, sondern auch hinsichtlich der Anwendungsfelder wünschenswert. Neben dem vom EU-Parlament vorrangig betonten Einsatz von Wasserstoff in Industrie und Verkehr ermöglicht Wasserstoff auch im Wärmemarkt sinkende Treibhausgasemissionen und bezahlbaren Klimaschutz. Ein genereller Ausschluss von Anwendungsfeldern behindert den Hochlauf eines Wasserstoffmarktes", warnt Kerstin Andreae, die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. 

Keine neue Wasserstoff-Infrastruktur aufbauen

Wie Liebing begrüßt auch sie, dass das EU-Parlament die Mitgliedsstaaten auffordert, die Möglichkeit für eine Umwidmung von Erdgasnetzen und die Nutzung von Wasserstoffspeichern zu prüfen. "Die bestehende, ausgebaute und werthaltige Gasinfrastruktur bietet eine optimale Grundlage für eine flächendeckende Versorgung aller potenziellen Nutzer und den raschen Hochlauf eines Wasserstoffmarktes. Ihre Weiternutzung und Transformation ist sinnvoller und kosteneffizienter als der Aufbau einer komplett neuen reinen Wasserstoff-Infrastruktur.“ (amo/mit dpa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper