Den vergangenen Winter hat Frankreichs Strommarkt am Ende ohne größere Blessuren überstanden. Mit einem durchschnittlichen Day-Ahead-Börsenstrompreis von 130 Euro pro MWh bewegte sich das Land im ersten Quartal im europäischen Mittelfeld. Zudem fielen die Stromexporte leicht höher aus als die -importe.
Was den kommenden Winter betrifft, ist die Stimmung unter Händlern jedoch deutlich getrübter. So wurde das Lieferprodukt für das erste Quartal 2024 am Mittwoch zwischendurch für 445 Euro pro MWh gehandelt. Zum Vergleich: Auf dem deutschen Strommarkt wurden für denselben Zeitraum lediglich 170 Euro pro MWh aufgerufen.
Risse bringen Unsicherheit
Sorgen bereitet vor allem die Verfügbarkeit des französischen Kernkraftwerksparks. Im ersten Quartal produzierten die Meiler mit 85 TWh so wenig Strom wie seit vielen Jahren nicht mehr. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 91 TWh gewesen, im ersten Quartal 2015 sogar noch 118 TWh.
Unsicherheit lösten vor wenigen Wochen entdeckte neue Risse an einzelnen, bereits vom Netz genommenen Kernkraftwerken aus. Die Furcht: Die Anlagen könnten länger als geplant außer Betrieb bleiben.
Ministerin macht Druck
Noch jedoch hält Kraftwerkbetreiber EDF an seinem Ziel fest, bis zum Jahresende 300 bis 330 TWh Strom erzeugen zu wollen. Im Jahr darauf sollen es dann 315 bis 345 TWh werden.
Dabei müsse der Energiekonzern bereits dieses Jahr deutlich mehr Strom produzieren, um den wachsenden Bedarf im Land zu decken, sagte Ministerin Agnes Pannier-Runacher der französischen Tageszeitung "Le Monde", nämlich 350 bis 380 TWh. Sie habe EDF deshalb gebeten, Möglichkeiten für eine Leistungssteigerung im bestehenden Kraftwerkspark auszuloten.
Deutsche Hilfe
Der Konzern antwortete dem Blatt, dass ein Produktionsplus von vier bis fünf Prozent machbar sei, jedoch noch technische und wirtschaftliche Fragen zu klären seien. Auch die französische Behörde für nukleare Sicherheit, ASN, müsste dem wohl zustimmen.
Sollte Frankreichs Strommarkt in eine Engpasssituation geraten, wären es unter anderem deutsche Kraftwerke, die aushelfen würden. Die Folge dürften steigende Strompreise auch hierzulande sein. Noch aber scheint der deutsche Strommarkt mit Blick auf den kommenden Winter vergleichsweise gelassen zu sein. Der höchste Abrechnungspreis für das erste Quartal 2024 in den vergangenen Tagen lag bei 180 Euro pro MWh – am 3. April. (aba)



