Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Bedingungen, um Investitionen in Gaskraftwerke als klimafreundlich einzustufen, stoßen auf Skepsis in der Branche. "Die Taxonomiekriterien für neue Gaskraftwerke erschweren das Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele bis 2030, zumindest werden sie die Zielerreichung erheblich verteuern", sagte der Vorstand des Branchenverbands Zukunft Gas, Timm Kehler.
Ein weiteres Risiko sei, dass die Auflagen nur eingehalten werden könnten, wenn bis 2030 erhebliche Wasserstoffmengen bereitgestellt werden könnten und ein Wasserstoffmarkt geschaffen würde. Auch dafür fehlten bislang die Voraussetzungen, so Kehler.
100 Gramm CO2 pro kWh
Nach einem Vorschlag der EU-Kommission können Investitionen in neue Gaskraftwerke - insbesondere auf Wunsch Deutschlands - übergangsweise als grün eingestuft werden. Dabei soll zum Beispiel relevant sein, wie viel Treibhausgase ausgestoßen werden.
Für Anlagen, die nach 2030 genehmigt werden, wären nur noch bis zu 100 Gramm sogenannte CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde Energie erlaubt - gerechnet auf den Lebenszyklus. Auch vor allem in Frankreich geplante Investitionen in neue Atomkraftwerke sollen unter bestimmten Bedingungen als grün klassifiziert werden können.
Kehler: Brauchen neue Gaskraftwerke
"Deutschland braucht mehr Gaskraftwerke, weil wir aus Kohle und Atom aussteigen", erklärte Kehler. Um die Versorgung zu sichern und die Klimaziele zu erreichen, brauche es bis 2030 rund 30 Mrd. Euro Investitionen in neue Gaskraftwerke.
Dazu seien stabile Investitionsbedingungen nötig. Aktuell sei nur ein Bruchteil der erforderlichen Gaskraftwerke in Planung, die Politik müsse mehr Anreize für den den Bau nur Kraftwerke schaffen.
Erdgas als Brückentechnologie
Derweil sieht die Bundesregierung die Pläne der EU-Kommission positiv. Die vorgeschlagenen Kriterien der Brüsseler Behörde zur Einstufung von Gaskraftwerken als klimafreundlich seien "im Einklang mit der Position der Bundesregierung", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit.
"Als Industrieland wird Deutschland in absehbarer Zeit deutlich mehr Strom als bislang brauchen, um seinen Bedarf zu decken", sagte Hebestreit. Erdgas sei nötig als Brückentechnologie, um Schwankungen bei der Erzeugung von erneuerbarer Energie aus Sonne und Wind auszugleichen. Diese müssten auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt werden können, wenn die Technologie soweit sei.
Rückmeldung bis Mitte Januar
Die Bundesregierung werde den Vorschlag nun prüfen und zu einer abgestimmten Position kommen, sagte Hebestreit. Die EU-Mitgliedstaaten haben nun bis zum 12. Januar Zeit, den Entwurf zu kommentieren. Die Hürden, eine Umsetzung zu verhindern, sind dabei hoch. (dpa/jk)



