Die Bundesnetzagentur veröffentlichte am Donnerstag eine Liste mit 683 Gasverteilnetzbetreibern.

Die Bundesnetzagentur veröffentlichte am Donnerstag eine Liste mit 683 Gasverteilnetzbetreibern.

Bild: © Sina Schuldt/dpa

Mit Veröffentlichung neuer Kennzahlen für die fünfte Regulierungsperiode hat die Bundesnetzagentur spannende Einblicke in die derzeitige Struktur der Gasnetzbetreiber geliefert. Insgesamt tauchen 683 Gasverteilnetzbetreiber auf. Die mit Abstand größte bereinigte Erlösobergrenze weist die Eon-Netztochter Westnetz auf. Die Erlösobergrenze ist so etwas wie das Jahresbudget, das einem Unternehmen für den Betrieb seines Gasnetzes zusteht. Sie wird vor Beginn einer Regulierungsperiode festgelegt.

Die demnach kleinste bereinigte Erlösobergrenze stand im vergangenen Jahr dem Gasnetzbetreiber Getec Net zu. Weniger als 45.000 Euro sind es. Immerhin: Getec Net versorgt nach eigenen Angaben auch lediglich fünf Kunden.

Gasag-Tochter größter städtischer Gasnetzbetreiber

Doch zurück zu den ganz Großen. Hier dominieren wenig überraschend die großen Eon-Netztöchter. Neben Westenergie landen auch die schwerpunktmäßig in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt tätige Avacon Netz (Platz vier), Schleswig-Holstein Netz (Platz sechs) und Mitgas (Platz sieben) vorn.

Der größte, überwiegend kommunale Netzbetreiber ist der Oldenburger Energieriese EWE Netz, der große Teile Niedersachsens und Brandenburgs abdeckt. Auch Rügen versorgt EWE mit Gas. Es folgen die Kölner Rheinnetz, eine Tochter der Rheinenergie (Platz fünf) und die Hamburger Energienetze, die mit einer bereinigten Erlösobergrenze Rang neun einnehmen.

Der größte städtische Gasnetzbetreiber ist übrigens die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Gasag. Die Gasag ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Eon, Engie und Vattenfall.

Der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg wurde im vergangenen Jahr eine bereinigte Erlösobergrenze von 276 Millionen Euro zugewiesen. Davon können die meisten anderen kommunalen Unternehmen nur träumen. Sie liegen unter der Schwelle von 5,9 Millionen Euro, die zur Teilnahme am Effizienzvergleich verpflichtet.

Stadtwerke Flensburg mit lediglich zwei Gasnetzanschlüssen

Beispiel Stadtwerke Schwabach (Bayern), an deren Gasnetz rund 5300 Kunden hängen: Sie verfügten im vergangenen Jahr über eine bereinigte Erlösobergrenze von 2,7 Millionen Euro. Vergleichbar viele Kunden beliefern die Stadtwerke Zittau in Sachsen, mit einer Erlösobergrenze von 2,6 Millionen Euro.

Spannend geht es auch ganz unten zu. Auf den ersten Blick mag überraschen, dass sich dort die Stadtwerke Flensburg einsortieren, obwohl dort knapp 100.000 Einwohner leben. Der Grund: Flensburgs Haushalte sind fast zu 100 Prozent an die örtliche Fernwärme angeschlossen. Das Gasnetz der Stadtwerke zählt lediglich zwei Kunden aus dem Industriebereich. Das ist überschaubar. Entsprechend überschaubar fällt die bereinigte Erlösobergrenze von 280.000 Euro aus.

Auf fast 500 Ausspeisepunkte kommt das Unternehmen Erdgas Burgbernheim im bayerischen Mittelfranken. "Die Energieversorgung Burgbernheims wäre ohne Erdgas heute nicht mehr denkbar", heißt es auf der Website der Stadt. Das Unternehmen ist fünftkleinster Gasnetzbetreiber Deutschlands – zumindest, wenn man die bereinigte Erlösobergrenze als Maßstab nimmt.

Anschlusspunkte: EWE vor Westnetz

Tatsächlich würde sich das Ranking etwas anders darstellen, wenn die Ausspeisepunkte als Bezugsgröße herangezogen werden würden. Auf Basis aktuell verfügbarer Netzstrukturdaten haben wir hierfür die Top 10 erstellt. Ganz vorn würden Westnetz und EWE Netz die Plätze tauschen. Die Oldenburger distanzieren den größten Netzbetreiber Westdeutschlands mit insgesamt mehr als 800.000 Ausspeisepunkten deutlich. 

Die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg und Avacon Netz würden dagegen die Plätze drei und vier behaupten. Sie haben als einzige Netzbetreiber zwischen 300.000 und 400.000 Ausspeisepunkte.

Aus den Top 10 würden mit Mitgas und Sachsennetze die beiden größten sächsischen Gasnetzbetreiber fallen. Ins Spitzenfeld vorrücken würden an ihrer Stelle die Energienetze Bayern sowie Gelsenwasser Energienetze. Ein Hinweis zum Schluss: Die Zahlen zu den Anschlusspunkten stammen von den Netzbetreibern selbst und beziehen sich in der Regel auf den Stichtag 31. Dezember 2024.

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