Strom- und Gaskunden müssen im kommenden Jahr mit deutlichen Kostensteigerungen rechnen.

Strom- und Gaskunden müssen im kommenden Jahr mit deutlichen Kostensteigerungen rechnen.

Bild: © dermauber/AdoeStock

Von Hans-Peter Hoeren

Über 10.000 Beschäftigte aus der Energiewirtschaft aus dem gesamten Bundesgebiet haben Ende vergangener Woche vor dem Hauptgebäude der Bundesnetzagentur in Bonn gegen die geplanten Änderungen der Anreizregulierung im Bereich Strom/Gas ab 2029 protestiert. Zu der Kundgebung hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. "Das, was die BNetzA hier plant, ist staatlich verordneter Sparzwang beim Personal", kritisierte Christoph Schmitz-Dethlefsen, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand in einer Pressemitteilung.

Betriebsräte, Jugendvertreter und Beschäftigte aus Stadtwerken und privaten Energieversorgern sprachen sich laut Pressemitteilung vehement gegen die geplante Einbeziehung der Personalkosten in den Effizienzvergleich zwischen ihren Unternehmen aus. Sie befürchteten, dass der entstehende Kostendruck dazu führt, dass viele Leistungen gestrichen werden müssen und die Arbeitgeber-Attraktivität dadurch deutlich beeinträchtigt wird. Dabei geht es beispielsweise um Sonderzahlungen, Prämien, Boni, Zulagen, aber auch Betriebskitas. Auch Kürzungen bei der Ausbildung neuer Fachkräfte oder der Weiterbildung im Unternehmen stünden dann zur Debatte, wenn diese zur besseren Bewertung durch die BNetzA führen und als Stellschrauben für Einsparungen eingestuft würden, schreibt die Gewerkschaft weiter.
 

"Effizienzdruck auf Sozialleistungen widerspricht Energiewende-Zielen"

An der Großveranstaltung nahmen knapp 40 Mitarbeitende des E-Werks Mittelbaden teil. Der Betriebsratsvorsitzende Dirk Munz betonte, dass man die drohenden Lohnkostensenkungen für das Überlandwerk Mittelbaden nicht hinnehmen werde.

"Im Arbeitsmarkt stehen wir im Wettbewerb, wenn es darum geht, gut ausgebildete Mitarbeitende zu finden. Doch dazu gehören auch vernünftige Gehälter, mit denen wir beispielsweise Mitarbeitende durch betriebliche Altersversorgung unterstützen können. Leistung muss belohnt werden“, so Munz weiter. 

Für die Umsetzung der Energiewende sei ein leistungsfähiges, Stromnetz essenziell. Dafür benötige man Fachpersonal. Ohne Bindung von Mitarbeitenden könnten Netzbetreiber jedoch ihre gesamtgesellschaftlichen Anforderungen an ein digitales, effizientes und nachhaltiges Netz nicht gerecht werden. Der Effizienzdruck auf Sozialleistungen widerspreche deshalb dem gesamtgesellschaftlichen Ziel, die Energiewende zu beschleunigen.

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