Derzeit seien die Gasspeicher in Deutschland zu 71,8 Prozent gefüllt, ein doppelt so hohes Niveau wir vor einem Jahr, sagte Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller am Montag auf dem „Führungstreffen Energie“ zum Auftakt der Energiemesse E-World in Essen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr würden die Gasmengen derzeit zu „marktbasierten Preisen“ beschafft.
Doch dürften angesichts des dauerhaften Wegfalls des russischen Pipelinegases die Sparbemühungen nicht aus dem Auge verloren werden. „Der Winter ist nicht so weit entfernt, irgendwann ist fast übermorgen“, sagte Müller. Deshalb dürfe man nicht „in einen Dornröschenschlaf verfallen“.
Zudem müsse der Ausbau der LNG-Infrastruktur weiter vorangetrieben werden. Als Beispiel nannte der Behördenchef das geplante, aber vor Ort höchst umstrittene LNG-Terminal in Mukran. Das Projekt sei vor allem für die Versorgungssicherheit in Süddeutschland wichtig. Derzeit belaufe sich der Import des verflüssigten Erdgases auf insgesamt 0,2 Terawattstunden (TWh) pro Tag. Das entspreche sieben Prozent der gesamten Importmenge. Der Anteil der LNG-Importe an der Gesamtmenge solle in den kommenden Jahren sukzessive hochgefahren werden. Von geplanten 40 Prozent im kommenden Jahr auf 60 Prozent im Jahr 2026.
Weitere Nord-Süd-Trassen werden benötigt
Auch beim Strom sei die Netzstabilität im kommenden Winter gesichert, allerdings müsse nach wie vor eine Netzreserve vorgehalten werden. „Wir brauchen weiterhin die Netzreservekraftwerke, vor allem auch für den Redispatch“, erklärte Müller. Zudem bekräftigte der Bundesnetzagentur-Präsident den Bedarf neuer flexibler Kraftwerke in einem Volumen von 21 Gigawatt (GW) bis zum Jahr 2031. „Längerfristig könnte der Bedarf an steuerbaren Lasten noch größer sein“, so Müller. Um den Bau dieser wasserstofffähigen oder für den Einsatz von Biomasse geeigneten Kraftwerke anzureizen, müsse ein passender Investitionsrahmen geschaffen werden.
Mit Blick auf den Ausbaubedarf bei den Übertragungsnetzen verwies Müller auf den jüngst von den Betreibern vorgelegten Entwurf des aktuellen Netzentwicklungsplans 2037/2045. Darin seien unter anderem fünf weitere HGÜ-Verbindungen und drei weitere Nord-Süd-Trassen genannt. „Das macht klar, wohin die Reise geht“, betonte der Behördenchef. Von den bisher geplanten Übertragungsnetzen seien nach aktuellem Stand 3.500 Kilometer geplant oder gebaut, 6.100 Kilometer im Genehmigungsverfahren und 4.500 Kilometer noch vor dem Genehmigungsverfahren.
Neue Verteilnetze anhand von Regionalszenarien
Bei den Verteilnetzen sei der Ausbaubedarf mit „mehreren 10.000 Kilometern“ allein bei der Hoch- und Mittelspannung noch sehr viel größer. Hier sei die Netzausbauplanung neu aufgestellt worden, indem sie künftig auf Regionalszenarien beruhe. Dabei werde auch der Gebäude- und Verkehrssektor einbezogen. „Aufgrund dieser Grundlagen müssen die Verteilnetzbetreiber den Ausbau vorausschauend planen“, erklärte Müller. Diese Pflicht habe schon immer bestanden, sei aber mit der jüngsten EnWG-Novelle nochmal klargestellt worden. (hil)



