Die Bundesnetzagentur hat die Einkaufsstrategie von Trading Hub Europe zur Befüllung der Gasspeicher in Deutschland im vergangenen Jahr verteidigt. Der Gashändler war vom Bund beauftragt worden, die zur Erreichung der Füllstandsziele benötigten Gasmengen zu beschaffen, um die Versorgungssicherheit für die vergangene Heizperiode sicherzustellen.
Es ging dabei um eine Menge von circa 49 Terawattstunden. Im Anschluss hatte es Kritik an der Einkaufsstrategie der THE gegeben. Ein Vorwurf lautete: Das Unternehmen habe bei der Beschaffung ausschließlich auf den Spotmarkt gesetzt, dies habe zu überhöhten Kosten geführt. Zudem habe das Unternehmen durch seine Nachfrage die Preise in die Höhe getrieben.
Das am Freitag von der Bundesnetzagentur veröffentlichte Gutachten von BET und Professor Justus Haucap kommt zu einem anderen Ergebnis. Die THE habe bei der Bewirtschaftung der Gasspeicher im vergangenen Jahr kaum Spielraum gehabt, heißt es.
Gutachten: "THE musste schnell handeln"
Dies wird zum einen auf die gesetzlichen Vorgaben und die physischen Restriktionen der Speicher zurückgeführt. Zum anderen wird in dem Gutachten darauf hingewiesen, dass es notwendig war, schnell zu handeln, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dadurch hätten der THE zu Beginn der Speicherbewirtschaftung nicht alle Vermarktungsmöglichkeiten zur Verfügung gestanden.
Außerdem kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass die THE die Gasmarktpreise nicht auf marktunübliche Weise beeinflusst hat. Prinzipiell sei es zwar richtig, dass jede zusätzliche Nachfrage auf einem Markt mit einem knappen Angebot tendenziell preissteigernd wirke.
Der starke Preisanstieg im Sommer 2022 sei jedoch nicht allein und ausschließlich auf das Einspeicherverhalten der THE zurückzuführen, sondern wahrscheinlich insbesondere dadurch getrieben, dass europaweit zu diesem Zeitpunkt die Speicher befüllt wurden und zeitgleich erhebliche russische Gaslieferungen weggefallen seien.
BNetzA-Präsident Müller: "Haben auch von milden Temperaturen profitiert"
„Es war richtig, dass wir im vergangenen Sommer schnell gehandelt haben und alles darangesetzt haben, die Gasspeicher für den Winter zu füllen. Dass wir dann so gut über den Winter gekommen sind, lag auch an den vergleichsweise milden Temperaturen“, erklärt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.
Für diesen Sommer deute im Moment vieles darauf hin, dass es ausreichend Anreize gebe für eine marktliche Befüllung der Speicher. Gleichwohl würden bei einer staatlich veranlassten Einspeicherung heute weitere Optimierungsmöglichkeiten im Umgang mit den Speichermengen zur Verfügung stehen.
Ausspeicherstrategie kann künftig noch optimiert werden
Im Hinblick auf zukünftige Einspeicherungen zeigt das Gutachten, dass aufgrund der gesetzlichen Vorgaben weiterhin ein eingeschränkter Spielraum bestehen wird. Große Änderungsmöglichkeiten bei der Einspeicherstrategie werden daher nicht aufgezeigt.
In Bezug auf die Ausspeicherstrategie wird in dem Gutachten empfohlen, dass die von der THE eingespeicherten Mengen zukünftig zeitgleich auf Termin weitervermarktet werden. Auf diese Weise könne das Risiko sich in der Zukunft ändernder Gaspreise minimiert und dadurch die Planungssicherheit hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gasspeicherumlage erhöht werden, heißt es. (hoe)



