Blick auf das alte Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern. Die Kühltürme sind inzwischen gesprengt. Gut möglich, dass RWE hier bald neue Gaskraftwerke baut.

Blick auf das alte Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern. Die Kühltürme sind inzwischen gesprengt. Gut möglich, dass RWE hier bald neue Gaskraftwerke baut.

Bild: © dpa

An diesem Dienstag gibt die Bundesnetzagentur bekannt, wer sich in der ersten Ausschreibung zu Langzeitkapazitäten im Rahmen des Kraftwerksgesetzes (Strom VKG) durchgesetzt hat. Ausgeschrieben waren 4,5 Gigawatt (GW) reduzierte Leistung, was rund 5 GW Gaskraftwerksleistung entspricht. Die Bundesnetzagentur gab bekannt, dass deutlich mehr Gebotsmengen eingingen.

Wer genau an der Ausschreibung teilgenommen hat, ist nicht öffentlich einsehbar. Nicht jedes Unternehmen gibt zudem preis, ob und mit wie viel Leistung es sich beworben hat.

Allerdings hilft bei der Recherche das Marktstammdatenregister. Bewerber mussten ihre Projekte vor der Teilnahme an der Ausschreibung dort registrieren. Unter Betriebsstatus "in Planung" findet sich zwischen dem 1. Juli und dem 8. September eine Reihe neuer Gaskraftwerksvorhaben. Am 1. Juli befand sich der Gesetzgebungsprozess in den letzten Zügen. Am 8. September endete die Frist für die Einreichung von Geboten.

Die Vermutung liegt nahe, dass die meisten Betreiber in diesem Zeitraum ihre Vorhaben mit Blick auf die erste Kraftwerksausschreibung eintrugen. Das heißt nicht, dass auch jedes Projekt tatsächlich an der ersten Ausschreibung teilnahm.

Die ZFK hat grafisch ausgewertet, was sich aus den Daten im Marktstammdatenregister herauslesen lässt. Ein Überblick über mögliche Bewerber, Standorte, regionale Verteilung und kommunale Kandidaten.

1. Große Stromkonzerne dominieren das Feld

Eine der großen Fragen ist: Machen die größten Stromerzeuger Deutschlands im konventionellen Bereich das Rennen unter sich aus? Der Essener Energiekonzern RWE hat allein 4,3 Gigawatt (GW) im Marktstammdatenregister eingetragen. Es folgt der ostdeutsche Kraftwerksbetreiber Leag mit 3,9 GW.

Sollten alle Ausschreibungsmengen an sie gehen, würde das die Marktmacht auf dem Stromerzeugungsmarkt zementieren. Laut Marktmachtbericht des Bundeskartellamts lagen sowohl RWE als auch Leag über der Schwelle zur Marktbeherrschung. Eine marktbeherrschende Stellung liegt demnach vor, wenn ein Stromerzeuger öfter als in fünf Prozent der Jahresstunden auf dem deutschen Stromerzeugungsmarkt unverzichtbar war.

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Allerdings finden sich im Marktstammdatenregister auch vergleichsweise kleine Akteure. Die Stromspitzen GmbH zum Beispiel trug rund neun Megawatt (MW) ein. Das Unternehmen wurde 2021 gegründet, um nach eigenen Angaben regenerative Energieanlagen, insbesondere Biomethan-Blockheizkraftwerke zu errichten und zu betreiben. Eigentümer ist die Jörg Bürger GmbH, ein Bioenergiespezialist aus Anröchte (Nordrhein-Westfalen).

Die Spitzenleistung Heek Verwaltungs GmbH registrierte im Untersuchungszeitraum rund 23 MW. Das Unternehmen mit Sitz in Heek (Nordrhein-Westfalen) wurde 2024 ins Handelsregister aufgenommen und plant ein Gasmotorenkraftwerk. Als Gesellschafter fungieren Christoph Wischemann und Manfred Niehues.

2. Alte Kohlestandorte am beliebtesten

Die größte Menge an Gaskraftwerksleistung wurde am alten Braunkohlestandort Jänschwalde in Brandenburg registriert. Vier Gaskraftwerke mit einer Leistung von jeweils 535 MW sind laut Marktstammdatenregister in Planung. Betreiber des Kraftwerksparks ist die Leag.

In Jänschwalde gingen in den 1980er-Jahren insgesamt sechs Blöcke in Betrieb. Bis 2028 sollen alle Meiler stillgelegt werden.

Auch beim Standort mit der zweitgrößten registrierten Menge, Schkopau in Sachsen-Anhalt, handelt es sich um einen Braunkohlestandort. Der Betreiber Saale Energie hat insgesamt 913 MW eingetragen. Die Saale Energie zählt genauso wie die Leag zur EPH-Gruppe, die mehrheitlich dem tschechischen Milliardär Daniel Křetínský gehört. Dazu kommt ein Kraftwerksprojekt der GKS GmbH.

Große Pläne hat RWE offenbar für seinen Kraftwerksstandort im bayerischen Gundremmingen. Geplant sind hier 956 MW Gaskraftwerksleistung. In Gundremmingen stand einst Deutschlands größtes Kernkraftwerk.

3. Großteil der Projekte aus dem netztechnischen Süden

Südbonus, ja oder nein? Diese Debatte prägte das Kraftwerksgesetz. Der Südbonus sollte die industriestarken Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg stärken, weil dort nach dem Atomausstieg und wegen einer vergleichsweise geringeren Dichte großer konventioneller Kraftwerke gesicherte Leistung fehlt. Zugleich musste viel Windstrom aus dem Norden in den Süden transportiert werden; zusätzliche flexible Kraftwerke vor Ort sollten in Dunkelflauten einspringen, Nord-Süd-Engpässe entlasten und die Netzstabilität sichern.

In den parlamentarischen Verhandlungen wurde der ursprünglich geplante Mechanismus noch einmal gedreht. Pro Ausschreibung gelten so lange gleiche Bedingungen für alle Regionen, bis ein Drittel im sogenannten netztechnischen Norden zugeschlagen wurde. Als netztechnischer Norden gelten alle ostdeutschen Bundesländer sowie Niedersachsen, Schleswig-Holstein und die Stadtstaaten. Erst danach werden Gebote aus dem Rest der Republik, dem netztechnischen Süden, mithilfe eines Südbonus begünstigt.

Eine Auswertung der registrierten Mengen im Marktstammdatenregister zeigt: Gut 60 Prozent der Mengen befinden sich im sogenannten netztechnischen Süden und knapp 40 Prozent im netztechnischen Norden. Ein kleiner Anteil konnte mangels angekündigten Standorts nicht zugewiesen werden.

4. Nordrhein-Westfalen führt deutlich

Die mit Abstand meisten registrierten neuen Kraftwerksvorhaben entfallen auf Nordrhein-Westfalen. Fast ein Drittel der eingetragenen Leistung wird hier geplant. Es folgt Brandenburg, wo die beiden Kohlestandorte Jänschwalde und Schwarze Pumpe liegen.

Bayern (15 Prozent) und Baden-Württemberg (6 Prozent) fallen demgegenüber zurück. Keine neuen Gaskraftwerkspläne wurden im Untersuchungszeitraum für Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Rheinland-Pfalz, das Saarland sowie die Stadtstaaten Hamburg und Bremen registriert.

5. Kommunale Unternehmen mit Nebenrolle

Im Untersuchungszeitraum registrierten lediglich drei mehrheitlich kommunale Unternehmen Gaskraftwerksprojekte. Der badische Regionalversorger Elektrizitätswerk Mittelbaden bestätigte auf ZFK-Anfrage, an der ersten Kraftwerksausschreibung teilgenommen zu haben. Mit insgesamt 10 MW zählt er zu den kleinen Bewerbern.

Auch die Stadtwerke Karlsruhe (53 MW) und Westfalen Weser (48 MW) trugen im Zeitraum neue Vorhaben ein. Die ZFK konnte bislang nicht in Erfahrung bringen, ob die Unternehmen sich auch für die erste Kraftwerksausschreibung beworben haben.

Hinweis: Wenn nicht anders angegeben, handelt es sich bei den Leistungswerten um Nettonennleistung.

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