Angesichts von Gasgroßhandelspreisen von derzeit neun Cent pro Kilowattstunde (kWh) können auch die Gasnetzentgelte schnell zum Politikum werden. Zumindest hier gibt es für viele Verbraucher etwas Entwarnung: Nach teils kräftigen Anstiegen erhöhen sich die Entgelte zum Jahreswechsel im bundesweiten Durchschnitt voraussichtlich nur geringfügig.
Der Datendienstleister Enet hatte Stand Dienstagnachmittag 569 Netzbetreiber erfasst, die das deutsche Gasnetzgebiet fast vollständig abbilden. Demnach müssen Haushalte im Schnitt mit einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem laufenden Jahr rechnen. Zuletzt waren die Entgelte im Durchschnitt noch um mehr als zehn Prozent gestiegen.
Preisfaktor Kanu 2.0
Ein Grund für den abgeflachten Verlauf dürfte sein, dass viele Netzbetreiber die Option Kanu 2.0 bereits nutzen und nicht erst in diesem Jahr einführen. Anwender können einen größeren Teil ihrer Kosten früher auf die Kunden umlegen. Das soll allzu starke Kostensprünge verhindern, wenn nur noch wenige Gaskunden am Netz hängen. Die Umstellung auf Kanu 2.0 war ein wesentlicher Faktor dafür, dass die Preise in einigen Netzgebieten um zweistellige Prozentwerte stiegen.
Bei den nach Erlösobergrenze größten Gasnetzbetreibern ziehen die Preise zum Jahreswechsel tendenziell weiter an. Nur bei den Eon-Netztöchtern Syna und Mitnetz Gas sinken die Gebühren für einen Mehrpersonenhaushalt (20.000 Kilowattstunden, kWh) leicht. Wie viel Netzentgelte für Verbraucher im nächsten Jahr tatsächlich anfallen, hängt von ihren Versorgerverträgen ab.
EWE Netz erhöht um drei Prozent
Beim norddeutschen Flächennetzbetreiber EWE Netz geht es im kommenden Jahr für einen Mehrpersonenhaushalt um drei Prozent nach oben. Das Unternehmen nennt die Netzentgelte und Umlagen der Fernleitungsnetze als preistreibenden Faktor. Noch deutlicher fällt der Anstieg etwa bei der Eon-Tochter Avacon Netz (plus sechs Prozent) und bei den Hamburger Energienetzen (plus sieben Prozent) aus.
Die EnBW-Tochter Netze BW liegt für einen Mehrpersonenhaushalt im nächsten Jahr bei 3,05 Cent pro kWh. Sie führt ihre Entgeltsteigerung von fünf Prozent auf "strukturelle Veränderungen im Gasmarkt" zurück. Tendenziell sinkt die Zahl der Gasnetznutzer, was den Kostendruck auf die verbleibenden Kunden erhöht.
Durchschnittliche Gasnetzgebühr: 2,7 Cent pro kWh
Auf Basis von Enet-Zahlen fällt pro Mehrpersonenhaushalt im kommenden Jahr eine durchschnittliche Gasnetzgebühr von rund 2,8 Cent pro kWh an. Die Entgelte im Netzgebiet der Stadtwerke Neuenhaus in Niedersachsen sind für einen Mehrpersonenhaushalt besonders niedrig (1,35 Cent pro kWh) und im Netzgebiet der Ermstal Energie Dettingen an der Erms in Baden-Württemberg besonders hoch (5,06 Cent pro kWh). Generell gilt die Faustregel: Je mehr Kunden an einem Kilometer Gasnetz hängen, desto günstiger wird es pro Kunde.
Bei den Stadtwerken Elm-Lappwald in Niedersachsen sinken die Gasnetzentgelte laut Enet-Auswertung besonders stark: Für einen Mehrpersonenhaushalt fallen sie um 19 Prozent. Bei den Stadtwerken Norderstedt in Schleswig-Holstein steigen sie dagegen um 48 Prozent.
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Der aktuelle Höchstwert liegt damit allerdings deutlich unter dem der vergangenen Entgeltrunde. Damals erhöhten sich die Gasnetzgebühren für einen Mehrpersonenhaushalt im Netzgebiet der Stadtwerke Balingen in Baden-Württemberg um 100 Prozent.
Hinweis: Bei einem mehrköpfigen Haushalt wird im Artikel durchgehend ein Jahresverbrauch von 20.000 kWh unterstellt. Die dargestellten Netzentgelte sind Mischpreise aus Arbeits- und Grundpreis und wurden von der ZFK berechnet.