"Enttäuschend", "zahlreiche strukturell-methodische Verschlechterungen gegenüber dem Status quo", "nicht nachvollziehbar": Die Kritik des größten deutschen Energiewirtschaftsverbands BDEW an der Reform der Anreizregulierung im Strom- und Gasnetzbereich, kurz Nest, bleibt auch nach Veröffentlichung der finalen Festlegungen groß.
Im ZfK-Interview erläutert Verbandschefin Kerstin Andreae, inwiefern schon jetzt Auswirkungen der Reform spürbar sind, welche Themen Netzbetreibern nach wie vor erhebliche Sorgen bereiten und wie hoch der künftige Eigenkapitalzinssatz sein muss.
Frau Andreae, die Bundesnetzagentur hat die finalen Festlegungen im Nest-Prozess veröffentlichen. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Wir müssen leider konstatieren, dass die Bundesnetzagentur den Rahmen falsch setzt. Schon jetzt sehen wir Auswirkungen bei der Investitionsbereitschaft von Netzbetreibern.
Können Sie das konkretisieren?
Unternehmen korrigieren ihre Investitionsprogramme. Pflichtinvestitionen werden zwar vorgenommen. Gleichzeitig gibt es aber eine große Sorge, was die eigene Investitions- und Leistungsfähigkeit betrifft. Dem steht eine Politik gegenüber, die enorm hohe Anforderungen an den Ausbau und die Modernisierung der Netze stellt. Das passt nicht zusammen.
Dabei ist die Bundesnetzagentur auf den letzten Metern noch auf die Netzbetreiber zugegangen.
Es ist ein Erfolg, dass der Betriebskostenaufschlag auch auf Stromverteilnetzbetreiber im vereinfachten Verfahren ausgeweitet wurde. Allerdings wird der Aufschlag nur für die nächste Regulierungsperiode gewährt. Warum Gasnetzbetreiber nicht berücksichtigt wurden, ist auch nicht nachvollziehbar. Das Gesamtpaket bleibt enttäuschend und ist international nicht wettbewerbsfähig.
Aber hat die Bundesnetzagentur beim nicht gewährten Betriebskostenaufschlag für Gasnetzbetreiber nicht einen Punkt? Schließlich ist die Situation der Gasnetzbetreiber eine andere als die der Stromnetzbetreiber. Hier geht es nicht um den Aufwuchs des Netzes, sondern vielmehr um Umwidmung und Stilllegung.
Auch der Weiterbetrieb der Gasnetze und deren Transformation muss finanziert werden. Vor allem fehlt es an einer belastbaren Folgenabschätzung. Wir weisen seit langem auf diesen offenen Punkt hin. Gasnetze werden uns noch sehr lange erhalten bleiben.
Wie geht es jetzt weiter?
Drei Themen machen uns erhebliche Sorgen: die Fremdkapitalverzinsung, der Effizienzvergleich und der Produktivitätsfaktor Xgen. Wichtig ist: Für uns ist die Arbeit noch nicht beendet. Der Rahmen muss stimmen.
Eine entscheidende Rolle wird auch der künftige Eigenkapitalzinssatz spielen. Dieser soll laut Bundesnetzagentur spürbar angehoben werden. Machen Sie doch mal einen Vorschlag!
Neun Prozent nach Steuern. Das sagt unsere Investorenbefragung. Mit der aktuellen Verzinsung sind wir europaweit fast Schlusslicht. Wir wollen aber ein attraktiver Investitionsstandort sein. Deshalb muss auch die Rendite stimmen.



