Von Lucas Maier
Der Druck auf die Bundesnetzagentur (BNetzA), die geplante Reform der Anreizregulierung noch einmal anzupassen, steigt. Am Montag veröffentlichte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) eine Umfrage unter Investoren zum sogenannten Nest-Prozess. Ähnlich wie die Netzbetreiber sehen diese "erheblichen Verbesserungsbedarf". Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst.
Nest-Umfrage: die Ergebnisse in Grafiken
Investoren beschäftigen sich intensiv mit Nest-Prozess
Der BDEW hat insgesamt 33 Kapitalgeber, Analysten und Finanzberater befragt. 50 Prozent der Befragten stellen Eigenkapitalgebende dar. Fremdkapitalgebende haben einen Anteil von 29 Prozent.
28 der 33 Befragten beschäftigen sich intensiv (15) oder sehr intensiv (13) mit der "Entwicklung der deutschen Anreizregulierung". Das entspricht 85 Prozent der Befragten.
Internationaler Infrastruktur-Fonds
Nur drei Befragte bewerten die seit 2025 geltende Renditevorgabe über den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz (Wacc) negativ; wie es in der BDEW-Veröffentlichung heißt. Rund 42 Prozent (14) sehen in der Umstellung eher eine Verbesserung beziehungsweise eine eindeutige Verbesserung.
Bernstein (Übers. d. Verf.)
EK-Zins-Berechnung vielen Dorn im Auge
Rund 90 Prozent der Befragten bewerten es eher negativ (8), negativ (16) oder sehr negativ (5), dass die Eigenkapitalverzinsung (EK-Zins), also die maximale Rendite für eingesetztes Eigenkapital, nur auf historischen Daten basiert. Nach Auffassung von 27 Prozent der Befragten muss der EK-Zins nach Abzug aller Steuern noch acht Prozent betragen, wenn "Investitionen in deutsche Netze attraktiv bleiben sollen". Der Einschätzung, dass der Betrag noch höher liegen muss, folgen rund 15 Prozent, 18 Prozent gehen von weniger aus.
In der Nest-Debatte wird diskutiert, ob die Fremdkapitalverzinsung auf einem historischen Durchschnitt beruhen oder auf einen rollierenden Durchschnitt umgestellt werden soll. Letzterer passt sich dynamischer dem Markt an, indem er beispielsweise das aktuelle Jahr einbezieht und ältere Werte entfernt.
In der BDEW-Umfrage befürworten rund 55 Prozent der Befragten einen rollierenden Durchschnitt. Der BDEW sprach sich in der Vergangenheit immer wieder für die Änderung des Verfahrens aus; ähnliche Stimmen kamen bereits aus der Branche. Unter anderem sprachen sich im Sommer fünf Netzbetreiber, darunter Netze BW und Netze Südwest, für ein solches System aus.
Kostendeckende Anerkennung halten alle für wichtig
Ganze 100 Prozent der Befragten halten eine kostendeckende Anerkennung der Fremdkapitalkosten bei der Entgeltberechnung für wichtig. 90 Prozent stufen sie als sehr wichtig ein.
Rund 21 Prozent der Befragten halten eine Neufinanzierung bestehender Netzanlagen für unmöglich, wenn der regulierte Fremdkapitalzins dauerhaft unter den tatsächlichen Marktzinssätzen liegt. 45 Prozent schätzen sie als "eher nicht möglich" ein, 9 Prozent als "eher möglich", keiner als "sicher möglich".
Rund 90 Prozent der Befragten (22) hält eine regelmäßige, also rollierende Anpassung des durchschnittlichen Zinssatzes für bestehende Netzanlagen für sinnvoll, da die Marktzinsen schwanken.
Die Bundesnetzagentur plant, Gewinne, die über die normale Kapitalkostenvergütung hinaus entstehen, zu begrenzen. So sollen Übergewinne verhindert werden. Über 70 Prozent der befragten Investoren halten das für relevant. 15 Prozent hingegen stufen es als "überhaupt nicht relevant" ein.
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Eckdaten der Umfrage |
Investoren halten Bundesnetzagentur-Pläne nicht für zielführend
Insgesamt kommt der geplante Regulierungsrahmen der Bundesnetzagentur bei den befragten Investoren nicht gut an. 12 Prozent (4) gehen davon aus, dass er "eindeutig" ungeeignet ist, um die gestiegenen Finanzierungsbedarfe der Energiewende decken zu können. Für "eindeutig" geeignet hält ihn keiner der Befragten.
15 Prozent halten ihn für "eher" geeignet. Mit knapp 52 Prozent (17) hält ihn die Mehrheit der Befragten für "eher" ungeeignet.
- Kapitalgeber aus dem kommunalen Umfeld (Zitate aus BDEW-Studie)



