Die Pläne der Politik zum Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur sorgen nach wie vor für kontroverse Diskussionen. „Mit dem von der Bundesregierung vorgeschlagenen Gesetzentwurf, der eine Sonderregulierung für Wasserstoffnetze schaffen würde, lassen wir ohne Not die vorhandenen Potenziale der Gasinfrastruktur ungenutzt“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing bei einer Anhörung des Bundestags-Ausschusses für Wirtschaft und Energie. Besser wäre es, den bestehenden Gasbegriff im Energiewirtschaftsrecht auch auf Wasserstoff auszuweiten und diese Regulierung verpflichtend auf Wasserstoffnetzbetreiber zu übertragen. „Mit einer einheitlichen Anwendung der für Gasnetzbetreiber geltenden Regulierungsvorgaben auch bei Wasserstoffnetzen, würde auf bekannte und bewährte Prozesse gesetzt werden. Die Komplexität der gesamten Regulierung von Wasserstoffnetzen würde dadurch für alle betroffenen Marktakteure möglichst niedrig gehalten“, betonte Liebing.
Der Weg in die Wasserstoffwirtschaft müsse über die Transformation der bestehenden Gasnetzinfrastruktur laufen. „Bei der Schaffung einer parallelen Wasserstoffinfrastruktur handelt es sich um einen teuren Irrweg. Durch den Gesetzentwurf der Bundesregierung besteht die Gefahr, dass wir genau diesen Irrweg einschlagen und in eine Pfadabhängigkeit geraten, von der aus wir nicht mehr zurückkehren können. Wir sollten hier keine unnötigen Experimente wagen, mit denen wir wertvolle Zeit verlieren“, machte der Verbandschef deutlich.
Linke: Pläne der Bundesregierung führen in die Sackgasse
Ähnlich argumentierte Gerald Linke, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches. Es sei ein Schritt in eine Sackgasse, dass der Gesetzentwurf eine von den Gasinfrastrukturen getrennte Regulierung von Wasserstoffnetzen vorschlägt. Um die bestehenden Erdgasleitungen für Wasserstoff zu ertüchtigen, seien Kosten von rund sieben Milliarden Euro bis 2050 zu erwarten – im Vergleich zu 2,3 Milliarden Euro jährlichen Investitionen in Neubau, Erhalt und Wartung. Die Umrüstung sei daher günstiger.
Die von der Bundesregierung vorgesehene strikte Trennung von Erdgas- und Wasserstoffinfrastruktur überzeugt auch die Fernleitungsnetzbetreiber Gas nicht. Thomas Gößmann wies darauf hin, dass es eine gemeinsame Netzplanung brauche, in die auch das Stromnetz einbezogen werden müsse.
Busch: Wasserstoff nicht verschwenden
Anders argumentierte Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft. Er ist strikt dagegen, den knappen und teuren Wasserstoff in Gasnetzen beizumischen. Er sei nicht dafür da, Gasnetzen ein zweites Leben zu verschaffen.
Das findet auch Thomas Engelke von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Eine anteilige Querfinanzierung der Wasserstoffnetze durch private Gaskunden müsse vermieden werden.
Andreae: Wasserstoff als Gas definieren
In die Debatte im Bundestag schaltete sich auch BDEW-Chefin Kerstin Andreae mit einer Stellungnahme ein. Es sei „unverständlich“, dass die Bundesregierung zumindest vorerst eine getrennte Regulierung von Gas- und Wasserstoffnetzen plane, anstatt Wasserstoffnetze in den bewährten Regulierungsrahmen für das Gasnetz zu integrieren. „Um eine integrierte Systemplanung aller Infrastrukturen zu ermöglichen und die vorhandene Gasinfrastruktur künftig für den Einsatz von klimaneutralen Gasen in allen Sektoren nutzen zu können, sollte Wasserstoff im EnWG als Gas definiert werden. (amo)



