Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Bild: © Peterschreiber.media/AdobeStock

Die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) Gas kritisieren das „Änderungsverlangen“ der Bundesnetzagentur (BNetzA) zum Netzentwicklungsplan (NEP) Gas 2020-2030.  Dass die BNetzA alle Maßnahmen zur Umstellung auf Wasserstoff und zum Neubau von Wasserstoffinfrastruktur abgelehnt habe, bestätige die schlimmsten Befürchtungen. „Die Übergangsregulierung macht das Wasserstoffnetz zum Flickenteppich. Das darf nicht zum Dauerzustand werden. Nur eine integrierte Netzplanung garantiert den Aufbau eines überregionalen Wasserstoffnetzes als Rückgrat für eine wettbewerbliche Wasserstoffwirtschaft“, lässt sich der FNB Gas Vorstandsvorsitzende Thomas Gößmann in einer Pressemitteilung zitieren.

Die BNetzA versuche zwar Brücken zu bauen, um mit der Umstellung erster Erdgasleitungen auf Wasserstoff beginnen zu können. Realisiert werden könnten damit aber lediglich Einzelprojekte.

Aufbau eines überregionalen Wasserstoffnetzes in Gefahr

Was jedoch erschwert werde, sei der zügige Aufbau eines überregionalen Netzes für die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Wasserstoffmarktes, wie das von den FNB im NEP-Entwurf vorgeschlagene, bedarfsgerecht geplante H2-Startnetz 2030. „Wir sehen zusätzlichen Mehraufwand für alle Beteiligten und befürchten Verzögerungen und Risiken für die Nutzer und die Betreiber des zukünftigen Wasserstoffnetzes“, betont Inga Posch, FNB Gas Geschäftsführerin, in der Mitteilung.

Die FNB führen ihre Marktabfrage im Rahmen der Erstellung des Szenariorahmens für den neuen NEP Gas 2022-2032 weiter. Sie läuft noch bis zum 16. April. „Wir bitten die Marktteilnehmer sich weiterhin aktiv daran zu beteiligen!“, unterstreicht Posch. 

Ingetrierte Betrachtung als Schlüssel

Die FNB bleiben überzeugt, dass der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur im Wesentlichen durch die Umstellung von Erdgasleitungen auf Wasserstoff erfolgen muss. Die wechselseitigen Abhängigkeiten seien komplex und erforderten eine integrierte Planung. „Eine volkswirtschaftlich sinnvolle Umstellung von Leitungen für den Wasserstofftransport aus dem bestehenden Erdgasnetz funktioniert nur bei einer integrierten Betrachtung.“ Deutschland verpasse hier nicht nur eine große Chance, sondern gerate auch im europäischen Vergleich zunehmend ins Hintertreffen. Nachbarländer, wie die Niederlande, die den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft mit Nachdruck angehen, verschafften sich deutliche Wettbewerbsvorteile. „Wir appellieren daher noch einmal an die Politik, spätestens im Anschluss an die Übergangsregulierung eine integrierte Netzentwicklungsplanung Gas und Wasserstoff einzuführen“, fordert Gößmann.

Zu einer völlig anderen Einschätzung kommt Sebastian Bleschke, Geschäftsführer der Initiative Erdgasspeicher (INES).Mit dem Änderungsverlangen gebe die Bundesnetzagentur den Startschuss für den weiteren Aufbau der Wasserstoffnetze in Deutschland. „Auf Basis der bereits vorliegenden Vorschläge zur Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes könnten die Fernleitungsnetzbetreiber jetzt unmittelbar eine Ad-hoc-Bedarfsprüfung in Gang setzen. Der Bundestag hat es nun in der Hand, den Weg für die Wasserstoffnetze und damit einen schnellen Hochlauf des Wasserstoffmarktes zu ebnen“, heißt es in einer Mitteilung der INES. (amo)

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