Seit dem 1. Februar 2016 ist Jorgo Chatzimarkakis Generalsekretär beim Verband Hydrogen Europe in Brüssel.

Seit dem 1. Februar 2016 ist Jorgo Chatzimarkakis Generalsekretär beim Verband Hydrogen Europe in Brüssel.

Bild: © Hydrogen Europe

Was bedeutet das Wahlergebnis für den Green Deal?

Chatzimarkakis: Das Wahlergebnis bedeutet, dass die neue EU-Kommission den „Green Deal“ und insbesondere den Ausbau von Wasserstoff mit neuem legislativem Schwung vorantreiben sollte. Dabei sollten lokale Stakeholder, wie kommunale Energieversorger, intensiv eingebunden werden. Europa benötigt nämlich dringend eine umfassende Infrastruktur für die Produktion und den Transport von Wasserstoff – einschließlich der Verbindungen zu unseren Partnerstaaten. Besonders EU-Beitrittskandidaten und Nachbarländer spielen eine entscheidende Rolle beim Aufbau eines nachhaltigen Wasserstoff-Ökosystems. Konkret brauchen wir einen mehrjährigen Haushaltsrahmen zur Unterstützung des Wasserstoffausbaus.

Rechnen Sie mit einem Rückschlag für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft bzw. Wasserstoffinfrastruktur?

Der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft bleibt entscheidend für die Dekarbonisierung: Während die vollständige Elektrifizierung auf erhebliche infrastrukturelle und ressourcenbezogene Herausforderungen stößt, bietet Wasserstoff eine vielseitige sowie pragmatische Lösung. Denn er ist nicht nur Energieträger: In der Molekülwirtschaft ist Wasserstoff unverzichtbar für chemische Prozesse, industrielle Wärme und Schwerlasttransport. Hier bietet Elektrizität oft keine praktikable Alternative. 

Die neue Zusammensetzung des EU-Parlaments deutet darauf hin, dass eine Umkehr der bisherigen Klima- und Umweltpolitik unwahrscheinlich ist. Der Schwerpunkt wird auf Vereinfachung von Regulierungen und Verlangsamung der Einführung neuer Maßnahmen liegen. Ein Rückschlag für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft bzw. Wasserstoffinfrastruktur sollte nicht gegeben sein.

Ist der Rechtsruck bei der Wahl so zu verstehen, dass viele Bürger sich vom Thema Klimaschutz überfordert fühlen? Was kann die Politik, was können Energieversorger tun, um die Menschen besser mitzunehmen?

Viele Bürger könnten von der aktuellen Klimaschutzpolitik überfordert oder enttäuscht sein. Um diese Bedenken zu adressieren, sollten Politik und Energieversorger mehrere Strategien verfolgen.

Die Politik muss transparent kommunizieren, wie Klimaschutzmaßnahmen zu wirtschaftlichem Nutzen und Beschäftigung führen können. Daneben sollten gezielte Subventionen und Förderprogramme die finanziellen Belastungen für Haushalte sowie Unternehmen gemildert werden. Energieversorger und politische Akteure sollten Bürger ferner aktiv in die Entscheidungsprozesse einbinden – in Form lokaler Bürgerforen, Beteiligungsverfahren und Pilotprojekte. Programme zur Aufklärung und Bildung über erneuerbare Energien und Klimaschutz tragen zudem dazu bei, Wissen zu verbreiten und Akzeptanz zu steigern.

Daneben ist es wichtig, Technologien zu fördern, die wirtschaftlich tragfähig sind, uns geopolitisch unabhängiger und damit weniger abhängig von knappen Ressourcen machen. Wasserstoff spielt hier eine entscheidende Rolle, da er überschüssigen Strom integriert, speichert und die bestehende Infrastruktur nutzt, wodurch der Bedarf an teuren neuen Stromnetzen reduziert wird.

Schließlich sollte die Politik langfristige, aber flexible Klimapläne entwickeln, die wirtschaftliche und technologische Entwicklungen berücksichtigen sowie Raum für Anpassungen lassen. Hier muss die Politik klar identifizieren und definieren, welche Industrien, Sektoren und Unternehmen essenziell für Deutschland sowie Europa sind. So können Unsicherheiten minimiert und eine nachhaltige Transformation gewährleistet werden.

(Die Fragen stellte Ariane Mohl.)

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