Geht er im Rubel-Konflikt All-in? Russlands Präsident Wladimir Putin.

Geht er im Rubel-Konflikt All-in? Russlands Präsident Wladimir Putin.

Bild: © Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Kremlsprecher Dmitri Peskow hat auf der russischen Forderung beharrt, Gaszahlungen von "unfreundlichen" Staaten, darunter Deutschland, von 1. April an nur noch in Rubel akzeptieren zu wollen.

"Keine Zahlung, kein Gas", betonte der langjährige Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Interview mit dem US-Sender PBS. Auf die Frage, ob Russland den Gashahn zudrehen werde, wenn der Westen weiter in Euro und US-Dollar zahlen würde, antwortete er zudem: "Wir werden definitiv keine Spende daraus machen und kostenlos Gas [nach Europa] liefern." Zugleich erklärte Peskow, dass Russland noch keine finale Entscheidung getroffen habe.

"Zahlung in Rubel nicht akzeptabel"

Zuvor hatten sich die G7-Staaten geweigert, der Rubel-Forderung Russlands nachzukommen. Geschlossene Verträge gälten, sagte Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck. Betroffene Unternehmen müssten vertragstreu sein. "Das heißt also, dass eine Zahlung in Rubel nicht akzeptabel ist." (Die ZfK berichtete.)

Am Dienstag trieben die Gaspreise am liquidesten europäischen Handelspunkt TTF nach oben. Eine Megawattstunde für Liefermonat April kostete in der Spitze bis zu 114 Euro. An den Terminmärkten notierte erst das Winterprodukt unter der 100-Euro-Marke. Für das zweite Quartal 2023 wurde Gas dann noch für 61 Euro gehandelt.

Stabile Gasflüsse

Die russischen Gasflüsse wiesen in den vergangenen Tagen wieder höhere Werte auf, wie Gasversorger GVS in seinem Wochenbericht schreibt.

Zudem fielen die Mengen aus Norwegen nach wie vor hoch aus. Derzeit würden rund 1650 GWh pro Tag allein nach Deutschland geliefert, heißt es in dem Report.

"Vorkehrungen auf allen Ebenen"

Vor den Folgen möglicher Gasengpässe warnte derweil SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert. "Natürlich überlegen sich Unternehmen auch, wenn sie hier auf mittlere Sicht keine Produktionsperspektive haben, ob sie nicht woanders hingehen", sagte er im Sender RTL. Man müsse diese Debatte "offen" führen, forderte er: "Immer in dem Wissen, dass wir wirklich über die industrielle Substanz unserer Volkswirtschaft sprechen."

Sollte der russische Präsident Wladimir Putin das Gas für Deutschland abdrehen, könne die deutsche Industrie aber noch versorgt werden. "Nach meinem Kenntnisstand ist dafür genug vorhanden", sagte Kühnert. Der Blick richte sich deswegen auf die nächste Winterperiode: "Dafür müssen Vorkehrungen auf allen Ebenen getroffen werden".

Folgen eines Gasembargos

Strittig bleibt, wie hart ein Stopp russischer Gasflüsse Deutschland wirklich treffen würde. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung würde die deutsche Wirtschaftsleistung bei einem Embargo auf russisches Öl, Gas oder Kohle um bis zu drei Prozent einbrechen.

Müsste sich die Wirtschaft dauerhaft darauf einstellen, kein Öl und Gas mehr aus Russland zu beziehen, würde der entsprechende Umbau demnach bis zu zehn Jahren in Anspruchen nehmen. "Gleichzeitig würde ein Importstopp zu einem Anstieg der Inflation um bis zu 2,3 Prozent führen", heißt es weiter. (aba/dpa)

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