Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat mehreren Erdgasexporteuren überhöhte Preise vorgeworfen. "Einige Länder, auch befreundete, erzielen teils Mondpreise. Das bringt natürlich Probleme mit sich, über die wir sprechen müssen", sagte der Grünenpolitiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er setze darauf, dass die EU-Kommission darüber auch mit den befreundeten Staaten rede.
Habeck nannte in diesem Zusammenhang die Vereinigten Staaten. "Die USA haben sich an uns gewandt, als die Ölpreise hochgeschossen sind, daraufhin wurden auch in Europa die nationalen Ölreserven angezapft. Ich denke, eine solche Solidarität wäre auch zur Dämpfung der Gaspreise gut."
Krisenprofiteur USA
Tatsächlich zählen die USA zu den großen Profiteuren der europäischen Gasnotlage. Es war vor allem der nordamerikanische Gasriese, der in den vergangenen Monaten zusätzliches Flüssigerdgas nach Europa verschiffte und wegbrechendes russisches Gas kompensierte. Mittlerweile ist er wichtigster LNG-Importeur auch für Deutschland.
Allerdings kam so viel US-Erdgas nur nach Europa, weil die Preise hier höher lagen als etwa in Asien, der europäische Markt in der Folge attraktiver wurde als andere Weltregionen.
Habeck: "EU-Marktmacht bündeln"
Zuletzt gingen die Großhandelspreise an Europas wichtigstem Handelspunkt TTF jedoch deutlich nach unten. Nach einem Rekordhoch von 350 Euro pro MWh Ende August sackte der Frontmonat am Dienstag auf noch immer hohe 161 Euro pro MWh ab. Am Mittwoch notierte der Kurs wieder etwas höher.
Geht es nach Habeck, sollte die EU sollte "ihre Marktmacht bündeln und ein kluges und synchronisiertes Einkaufsverhalten der EU-Staaten orchestrieren, damit sich einzelne EU-Länder nicht gegenseitig überbieten und die Weltmarktpreise hochtreiben". Die europäische Marktmacht sei "gewaltig" und müsse nur genutzt werden. (dpa/aba)
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