Erneuerbare Energien erwiesen sich die widerstandsfähigste Form der Stromerzeugung während des Corona-Lockdowns, jedoch sind dringend zusätzliche Investitionen erforderlich, um die Technologien weiter hochzusklarieren und Stromnetze zu digitalisieren und so Klimaschutzziele zu erreichen. Dies fordert der jüngste Bericht „Energy Transition Outlook – Power Supply and Use“ von DNV GL.
Das Beratungsunternehmen unterstreicht in einer Pressemitteilung, dass sich die erneuerbaren Energien während der bisherigen COVID-19-Pandemie mit der Folge einer geringeren Stromnachfrage als weniger volatil erwiesen hätten als fossile Energien. Verwiesen wird auf den erhöhten Anteil des Ökostroms, von bis zu 70 Prozent in Deutschland sowie in Großbritannien, das mehr als 60 Tage Kohlestrom frei gewesen sei.
2.690 GW Photovoltaik und Wind in 2025 weltweit
Der Bericht von DNV GL prognostiziert, dass erneuerbare Energien die Stromerzeugung zunehmend dominieren werden. Die installierte Kapazität von Sonne und Wind werde sich von 1.250 Gigawatt im Jahr 2019 auf 2.690 GW im Jahr 2025 mehr als verdoppeln und bis 2050 62% der Elektrizität erzeugen.
Ein Wachstum der erneuerbaren Energien wird für alle Regionen der Welt prognostiziert, mit einer erheblichen Ausweitung in China, Europa, dem indischen Subkontinent und Nordamerika. Die Windenergieerzeugung erfolge weitgehend an Land, aber der Beitrag der Offshore-Windenergie werde weiter zunehmen und bis Mitte des Jahrhunderts etwa 28% der gesamten Windproduktion erreichen.
Wachstum der Erneuerbaren reicht längst noch nicht aus
Durch technologische Verbesserungen, Größenvorteile und niedrigere Kapitalkosten für neue Anlagen könnten neue erneuerbare Kapazitäten schneller installiert werden, was aus Investitionsperspektive immer attraktiver werde.
DNV GL warnt jedoch davor, dass das bisherige Wachstum der Erneuerbaren immer noch nicht ausreiche, die Klimaziele zu erreichen. Der vorgelegte Bericht prognostiziert, dass die Kohlenstoffemissionen im Jahr 2019 ihren Höchststand erreicht haben, jedoch bis 2050 nicht ausreichend sinken werden, um das Ziel des Pariser Abkommens von 2°C globaler Erwärmung zu erreichen, geschweige denn 1,5°C. Tatsächlich schätzt DNV GL einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen um 2,3°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau.
Verdoppelung der globalen Stromnachfrage bis 2050
„Wir brauchen dringend höhere Preise für Kohlenstoff, erneuerbare Technologien, die schnell in großem Maßstab eingesetzt werden, eine erweiterte digitalisierte globale Netzinfrastruktur und größere Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz“, betonte Ditlev Engel, CEO von DNV GL - Energy:
Der Bericht prognostiziert eine Verdoppelung der Stromnachfrage von 24 PWh/Jahr im Jahr 2019 auf 48 PWh/Jahr im Jahr 2050 aufgrund des höheren Lebensstandards für einen Großteil der Weltbevölkerung. In Verbindung mit der Elektrifizierung des Energieverbrauchs - angetrieben durch den massiven Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung - signalisiert er die Notwendigkeit einer enormen Kapazitätssteigerung der Elektrizitätsinfrastruktur. Solar- und Windenergie sowie andere fossilienfreie Erzeugungsquellen würden bis Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich mehr als 83% der Elektrizität liefern, gegenüber 36% heute.
Flexiblere digitale Stromnetze
Da Elektrizität im Jahr 2034 zum dominierenden Energieträger werde mit Öl an zweiter Stelle, würden die Stromnetze und die Systemintegration mit neuen Technologien, einschließlich Hochspannungs-Gleichstrom- und Hybridnetzen, komplexer werden, so DNV GL.
Ein intelligenterer Netzbetrieb, echtzeitnähere Energiemärkte und die umfassende Nutzung von Flexibilitätsoptionen seien erforderlich. Die Netzflexibilität werde durch Batteriespeicherung, stärkere Netzkopplung, nachfrageseitige Reaktion und flexible Erzeugung gewährleistet.
Bifaciale Solarmodule und schwimmende Solar- und Windparks immer wichtiger
Neue Technologien wie bifaciale Solarmodule, größere Windturbinen, schwimmende Solar- und Windparks würden in den nächsten fünf Jahren eine zunehmende Rolle spielen. Die Kombination dieser Innovationen mit einer intelligenteren Verwaltung und Analyse von Daten, der zunehmenden Verbreitung digitaler Technologien und einer intelligenten Steuerung werden laut DNV GL zu effizienteren und kostengünstigeren Wind- und Solarkraftwerken führen, was die Investitionsmöglichkeiten noch attraktiver machen dürfte.
Im Kombipack mit neuen Energiespeicherlösungen, einschließlich Wasserstoff, werde so ein sauberes und zuverlässiges Energiesystem entstehen, so Engel. (hcn)



