Der US-Geheimdienst CIA soll bereits drei Monate vor Sprengung von drei der vier Nord-Stream-Pipelinestränge über Angriffspläne des ukrainischen Militärs Bescheid gewusst haben. Das berichtet die renommierte US-Zeitung "Washington Post".
Ein nicht näher genannter europäischer Geheimdienst soll demnach bereits im Juni 2022 Details einer vorbereiteten Sabotageaktion in den Tiefen der Ostsee mit der CIA geteilt haben. Die Explosionen ereigneten sich am 26. September 2022.
Geheimdokumente auf Chatplattform
Das mit den Plänen befasste Taucherteam habe demnach direkt an den Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte berichtet, schreibt die Zeitung. Die Informationen sollen von einem ukrainischen Verantwortlichen stammen.
Der mit der CIA geteilte Geheimdienstbericht landete nach "Washington Post"-Angaben auf der Chatplattform Discord, auf die der damalige US-Nationalgardist Jack Teixeira eine Reihe von Geheimdokumenten hochgeladen haben soll. Teixeira war im Frühjahr verhaftet und wegen "unbefugter Entfernung, Aufbewahrung und Übermittlung von Verschlusssachen" angeklagt worden.
Selenskyjs Rolle unklar
Offiziell schweigen sich westliche Regierungen über die Hinterleute der Nord-Stream-Explosionen weiter aus. Die schwedische Staatsanwaltschaft war im November lediglich zu dem Schluss gekommen, dass es sich um schwere Sabotage gehandelt habe. Sie hatte Sprengstoffspuren an den Explosionsorten entdeckt.
Im März dieses Jahres hatten mehrere Medien, darunter die "New York Times" berichtet, dass hinter dem Anschlag vermutlich Unterstützer der Ukraine stecken könnten. Damals hieß es, dass es keine Beweise für eine Involvierung der ukrainischen Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj gebe.
Die "Washington Post" schreibt nun, dass Selenskyj bewusst nicht über die Operation in Kenntnis gesetzt worden sei, um im Nachhinein sein Mitwissen gegenüber westlichen Unterstützern plausibel zu verneinen. Stattdessen habe Walerij Saluschnyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, die Letztverantwortung gehabt.
Übereinstimmungen bei Details
Entscheidende Details wie die Zahl der am Anschlag Beteiligten stimmten mit den bisherigen Ermittlungsergebnissen überein, schreibt die "Washington Post", andere Elemente hingegen nicht. Demnach sollen die Verantwortlichen in ihren Plänen von einer Attacke auf die damals noch im Betrieb befindliche Pipeline Nord Stream 1 gesprochen haben, die noch nicht in Betrieb gegangene und von der Bundesregierung auf Eis gelegte Doppelröhre Nord Stream 2 wurde hingegen nicht erwähnt.
Noch vor wenigen Tagen hatte Bruno Kahl, Chef des deutschen Bundesnachrichtendiensts BND, Hoffnungen auf eine schnelle Klärung der Nord-Stream-Causa gedämpft. Es gebe Hinweise "in alle möglichen Richtungen", sagte er. Ukraines Präsident Selenskyj wiederum wies eine Beteiligung seines Landes am Nord-Stream-Anschlag scharf zurück. "Nichts Derartiges hat die Ukraine getan", sagte er den Zeitungen "Bild", "Welt" und "Politico".



