Die EU-Kommission stellt für das Programm 30 Mio. Euro zur Verfügung.

Die EU-Kommission stellt für das Programm 30 Mio. Euro zur Verfügung.

Bild: © Andrey Kuzmin/AdobeStock

Das ukrainische und das moldawische Stromnetz sind seit vergangenem Donnerstag, dem Tag der Invasion, nicht mehr an das russische Stromnetz angeschlossen, und laufen nur noch im Inselbetrieb. Fieberhaft arbeite deshalb derzeit der Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) an einer möglichst zeitnahen Synchronisierung der Netze sowie einer Einbindung der beiden Länder in den europäischen Stromnetzverbund, berichte EU-Energiekommissarin Kadri Simson am Montagabend im Anschluss an eine Sondersitzung der EU-Energieminister.

Hierbei seien allerdings noch etliche technische Hürden zu überwinden. Ursprünglich sei die Synchronisierung der Netze für das kommende Jahr geplant gewesen. Just an dem Tag der Invasion Russlands am vergangenen Donnerstag sei mit einem ersten Testlauf der Sychronisierung der Netze begonnen worden, der dann jedoch abgebrochen werden musste, so Simson.

Nötige Erdgas-, Diesel-, Benzin- und Kerosinlieferungen in die Ukraine

Auch im Bereich Erdgas sei die Ukraine kurz- und mittelfristig dringend auf die Unterstützung Europas angewiesen. Ungarn habe schon in diesem Winter mit ersten Erdgaslieferungen in die Ukraine begonnen und die Kapazitäten zwischen der Slowakei und der Ukraine wurden ausgebaut. Derzeit liefen Gespräche, die Erdgaslieferungen auf die kommende Heizperiode auszudehnen.

Zudem habe die Ukraine dringend um die Lieferung von Diesel, Benzin, Kerosin und Generatoren gebeten. Konkrete Lieferungen seien nun u.a. von Polen, Litauen und der Tschechischen Republik geplant und viele weitere Mitgliedsstaaten hätten ihre Hilfe zugesagt, berichtet Simson. Zudem hätten die Energieminister bei ihrer Sondersitzung am Montag beschlossen, auch die Sicherheit der Kernkraftwerke in der Ukraine im Auge zu behalten und hierzu die Kooperation auszuweiten.

10 Mrd. Kubikmeter LNG-Lieferung monatlich

"Gleichzeitig wird dieser Krieg schwerwiegende Auswirkungen auf unser eigenes Energiesystem haben“, betonte Simson. Doch die Energieversorgung der EU über diesen Winter sei gesichert, zudem liefen zumindest derzeit noch die Gaslieferungen von Ost nach West. Derzeit seien die Erdgasspeicher EU-weit noch zu rund 40 Prozent gefüllt und die nationalen Notfallpläne der Mitgliedsstaaten seien vorbereitet und auf dem neuesten Stand.

Eine volle Unterbrechung des Energiehandels, insbesondere von Gas, mit Russland wäre gleichwohl "eine Herausforderung für uns", sagte Simson. Nötig sei, zusätzliche oder alternative Gasquellen zu nutzen, entsprechend habe sie Kontakt mit Pipeline- und Energieanbietern aufgenommen. Schon in den vergangenen Wochen hätten die LNG-Lieferungen nach Europa deutlich zugenommen, mit einer Lieferung von aktuell 10 Milliarden Kubikmetern Flüssiggas monatlich, der bisher höchste Wert in der Geschichte der EU.

Füllstand der Erdgasspeicher zum Winterende voraussichtlich nur noch 18 %

Um dies weiter aufzustocken, brauche es eine bessere Koordinierung auf EU-Ebene unterstrich Simson, "um dafür zu sorgen, dass das Gas auch dort landet, wo es am dringendsten benötigt wird“. Hier habe die EU-Kommission eine Plattform mit einer Kontaktgruppe der betroffenen Mitgliedsstaaten und LNG-Betreibern geschaffen. Jedenfalls würden die Gasbestände zum Ende dieses Winters EU-weit voraussichtlich nur bei 18 Prozent statt wie im bisherigen Jahresdurchschnitt bei 30 Prozent liegen. Umso wichtiger sei es schon jetzt, Pläne und Maßnahmen zu ergreifen, um ausreichend Gaslagerbestände für die kommende Heizsaison aufzubauen. Deshalb müssten die Mitgliedsstaaten über Risiko-Koordinierungsgruppen rechtzeitig untersuchen, wie sie gemeinsam dafür sorgen können, dass in ihren Regionen ausreichend Gas gespeichert ist.

Allerdings hätten nicht alle Mitgliedsstaaten ausreichend Lagerkapazitäten für Erdgas im eigenen Hohheitsgebiet, weshalb die regionale Koordinierung extrem wichtig sei. Einige Mitgliedsstaaten hätten hier schon Mindestanforderungen festgelegt, andere noch nicht. In diesem Bereich sei noch mehr Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten nötig. "Hier fehlt noch ein wichtiges Instrument unserer Sicherheitsstruktur, das können wir uns nicht erlauben", sagte Simson.

Aktualisierte EU-Toolbox soll kommende Woche vorgestellt werden

"Wir können nicht zulassen, dass ein Drittstaat unsere Energiemärkte beeinflusst oder unsere energiepolitischen Entscheidungen", unterstrich Simson im Hinblick auf Russland. Letztlich sei die "beste und einzig dauerhafte Lösung“, sich bei der Energieversorgung sicherer und unabhängiger zu machen, der Green Deal, also ein möglichst rascher Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der Energieeffizienz.

Zudem arbeite die EU-Kommission an einem Follow-up ihrer im Oktober vorgestellten ersten Vorschläge einer Toolbox zur Stärkung der kurz- und mittelfristigen Maßnahmen gegen Preisvolatilität und für die Sicherheit der Energieversorgung. Simson gab sich zuversichtlich, dass bereits kommende Woche entsprechend aktualisierte und konkretisierte Planungen vorgestellt werden können.

Mitgliedsstaaten sollten einen Teil ihrer strategischen Ölreserve freigeben

Zur Sicherung der Ölversorgung befürwortet Simson Überlegungen, dass alle EU-Mitgliedsstaaten einen Teil ihrer strategischen Reserven koordiniert zur Stabilisierungen der Märkte freigeben müssen. Die EU-Energieminister hätten heute betont, sie seien bereit, zum richtigen Zeitpunkt entsprechend zu handeln, so Simson. Hierzu führe sie in nächster Zeit auch Gespräche mit den USA sowie dem IEA-Präsidium. (hcn)

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