Christoph Müller, CEO von Amprion, hier 2025 beim Spatenstich für eine neue Erdkabeltrasse in Nordrhein-Westfahlen.

Christoph Müller, CEO von Amprion, hier 2025 beim Spatenstich für eine neue Erdkabeltrasse in Nordrhein-Westfahlen.

Bild: © Fabian Strauch/dpa

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion will Wind- und Solaranlagen künftig an den Kosten des Netzausbaus beteiligen. Amprion-Chef Christoph Müller sprach sich bei einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf für einen Baukostenzuschuss für Einspeiser aus.

Bisher zahlen den Baukostenzuschuss nur Stromabnehmer. Hintergrund ist der Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums für ein sogenanntes Netzpaket, der Anfang Februar bekannt wurde.

Netzkapazitäten vielerorts erschöpft

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Immer mehr Netzanschlussanfragen zwingen Betreiber vielerorts zum Ausbau des Stromnetzes – und verursachen entsprechende Kosten. Bislang kommen allerdings ausschließlich Stromverbraucher für die Kosten des Netzausbaus auf; Batteriespeicher sind zudem bis 2029 befreit.

Amprion-Chef Müller begründet seinen Vorschlag daher so: Auch Anlagen, die Strom ins Netz einspeisen, nutzen die bestehende Infrastruktur – ebenso wie die Abnehmer, die den Zuschuss bislang tragen. Eine Beteiligung der Einspeiser würde diese strukturelle Schieflage beheben.

Zudem plädiert Müller für eine regionale Staffelung: In Regionen mit knapper Kapazität – etwa im Süden Deutschlands – solle der Zuschuss höher ausfallen. Das könnte Investoren gezielt in Regionen lenken, in denen noch Spielräume bestehen.

Eine ähnliche Position vertrat Anfang März auch 50Hertz-Chef Stefan Kapferer. Baukostenzuschüsse könnten Investitionen gezielt dorthin lenken, wo noch ausreichend Netzkapazität vorhanden ist, sagte er bei der Jahrespressekonferenz seines Unternehmens.

Müller räumt ein, dass der Zuschuss Anlagenbetreiber belastet: "Das tut weh, das sehe ich." Zugleich würden die Einnahmen die Netzentgelte senken – und damit die Kunden entlasten.

Gegenwind aus dem eigenen Lager

Politisch ist der Vorschlag umstritten. CDU-Fraktions- und Landesvorsitzende aus fünf norddeutschen Bundesländern warnten Mitte März in einem Beschlussvorschlag zur Nordkonferenz: Ein Baukostenzuschuss für Erzeugungsanlagen verlagere Kostenrisiken einseitig auf Anlagenbetreiber und bremse Investitionen. Sie fordern eine "investitionsfreundliche und systemdienliche" Ausgestaltung. Das Papier richtet sich direkt an Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) – und kommt aus den eigenen Reihen.

Auch die SPD-Energiespitze hat das Netzpaket in einem internen Schreiben grundsätzlich kritisiert. Bei einem weiteren Streitpunkt des Entwurfs – dem Schwellenwert für kapazitätslimitierte Netzgebiete – liegen Nord-CDU und SPD dabei erstaunlich nah beieinander.

Regelwerk noch offen

Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Baukostenzuschuss im Referentenentwurf zum Netzpaket verankert, parallel diskutiert die Bundesnetzagentur eigene Regelungen. Für die Branche bedeutet das vorerst fehlende Planungssicherheit: Weder das finale Regelwerk noch die konkreten Höhen stehen bislang fest.

Appell für mehr Vertrauen in der Debatte

Amprion-Chef Müller nutzte seinen Auftritt auch für einen Appell über das Fachthema hinaus. Er warb für einen "energiewirtschaftlichen Konsens" – und dafür, dem Gegenüber gute Absichten zu unterstellen: "Nicht jeder, dem Klimaneutralität wichtig ist, will dafür auch die deutsche Wirtschaft ruinieren. Und nicht jeder, der die deutsche Wirtschaft in seinen Sorgen an erster Stelle hat, will dafür auch das Klima über die Wupper gehen lassen."

Amprion ist neben Tennet, 50Hertz und TransnetBW einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Die Unternehmen betreiben das Höchstspannungsnetz mit Spannungen ab 220.000 Volt. (Mit Material der Deutschen Presse-Agentur)

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