Bei Videobewerbungen sind Microsoft Teams, Skype und Zoom die meist genutzten Tools.

Bei Videobewerbungen sind Microsoft Teams, Skype und Zoom die meist genutzten Tools.

Bild: © Studio Romantic/AdobeStock

Führungskräfte müssen einen stimmigen Eindruck vermitteln, um Mitarbeiter*innen zu motivieren und zu inspirieren – für die Kommunikation per Video gilt das noch mehr als für andere digitale Kanäle. Dies zeigt eine Studie von Forschenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Darin haben die Wissenschaftler*innen untersucht, welchen Einfluss charismatische Führungstechniken in den Kommunikationskanälen Text, Audio und Video auf die Leistung der Beschäftigten haben. Im Fokus standen dabei mobiles Arbeiten sowie die Gig Economy, in der Aufträge über Online-Plattformen flexibel an Freischaffende vergeben werden.

Führungstechniken lassen sich verändern

Demnach spricht die Forschung von charismatischen Führungstechniken oder -taktiken (engl.: charismatic leadership tactics, CLTs). Dazu gehören verbale, paraverbale und nonverbale Mittel wie Metaphern, Anekdoten, Kontraste und rhetorische Fragen, Stimmlage, Tonfall, Mimik und Gestik. CLTs lassen sich objektiv beobachten und messen. Sie lassen sich in randomisiert kontrollierten Studien gezielt verändern.

"Im persönlichen Gespräch können Führungskräfte das ganze Spektrum der CLTs einsetzen. Die digitale Kommunikation reduziert die Möglichkeiten, Charisma zu signalisieren", erklärt Petra Nieken, Professorin für Human Resource Management am Institut für Unternehmensführung des KIT. "Je nach Kommunikationskanal fehlen visuelle und/oder akustische Signale. Die Frage ist, ob die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darunter leidet oder ob diese ihre Erwartungen an den gewählten Kanal anpassen."

Stimmiger Eindruck zählt

Im ersten Teil der Studie führte Nieken ein Feldexperiment mit den drei Kommunikationskanälen Text, Audio und Video einerseits sowie einer neutral vorgetragenen Aufgabenbeschreibung und einer mit dem Einsatz möglichst vieler CLTs andererseits vorgetragenen Aufgabenbeschreibung durch. In den neutralen Set-ups führten Videobotschaften zu geringeren Leistungen als Audio- und Textbotschaften.

In den charismatischen Set-ups hingegen unterschieden sich die Leistungen nicht wesentlich. "Die Ergebnisse zeigen eine positive Wechselwirkung zwischen Videokommunikation und charismatischer Kommunikation – das charismatische Video führte zu besseren Ergebnissen als das neutrale Video", erläutert Nieken. "Daraus lässt sich schließen, dass Führungskräfte vor allem dann einen stimmigen Eindruck vermitteln müssen, wenn sie den Videokanal nutzen."

Traditionelle Fragebögen

Im zweiten Teil ihrer Studie ließ die Forscherin die verschiedenen Set-ups mit traditionellen Fragebogen zu Charisma und Führungsstil, wie dem Multifactor Leadership Questionnaire (MLQ), bewerten und verglich die Ergebnisse mit den Ergebnissen des ersten Teils. In den Fragebogen festgestelltes Charisma korrelierte zwar mit dem Einsatz von CLTs, aber nicht mit dem Verhalten der Mitarbeiter*innen.

"Traditionelle Fragebogen wie der MLQ eignen sich daher nicht zur Vorhersage der Leistung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei mobilem Arbeiten, im Homeoffice oder in der Gig Economy", schließt Nieken daraus. (jk)

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