Von den Geschäftsführungen der 42 Abwasserzweckverbände in Sachsen-Anhalt sind sieben ehrenamtlich tätig, neun sind verbeamtet und 26 sind leitende Angestellte. Diese Statistik und die Beamten-Besoldungsstufe jeder Chefetage pro ländlichem Abwasserentsorger hat die Landesregierung Sachsen-Anhalt am Dienstag veröffentlicht. Sie beantwortete damit eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Hannes Loth. Die Fraktion greift die Abwasserzweckverbände und ihre Aufsichtsbehörden immer wieder wegen verschiedenster Themen an.
Aus der Antwort geht hervor: Alle Geschäftsführungen bleiben, solange sie nicht mehr als drei Kinder haben sollten, unterhalb von sechsstelligen Bruttogehältern. Die Chefs von je neun Abwasserzweckverbänden werden analog der Besoldungsstufen A13, A14 oder A16 eingruppiert. Sieben Geschäftsführer erhalten entsprechend der Besoldungsstufe A15. Die Landesregierung gab auch bei angestellten Chefs kein anderes Tarifwerk an.
Von 65.000 bis 91.000 Euro
Die Besoldungsstufen entsprechen in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr folgenden Bruttojahresgehältern oder durchschnittlichen Bruttomonatsgehältern inklusive "Jahressonderzuwendung", ohne Kinderzuschläge und gestaffelt nach acht Dienstalterstufen, so ZfK-Stichproben auf dem Gehaltsrechner oeffentlicher-dienst.info:
- A13 jährlich von 50.670 bis 65.339 Euro oder im Monatsmittel 4222 bis 5445 Euro,
- A14 jährlich von 53.276 bis 72.298 Euro oder im Monatsdurchschnitt 4440 bis 6025 Euro,
- A15 jährlich von 65.064 bis 81.575 Euro oder im Monatsmittel 5422 bis knapp 7000 Euro und
- A16 jährlich von 71.727 bis 90.822 Euro oder monatlich im Schnitt knapp 6000 bis 7569 Euro.
Die konkreten Dienstalterstufen sind der ZfK nicht bekannt, es dürfte aber in dieser Branche eher selten vorkommen, dass ein Geschäftsführer gleichzeitig Berufseinsteiger ist oder als solcher eingruppiert wird.
Der Ausreißer nach unten: A10
Unter den bezahlten Chefs in der Branche gibt es einen Ausreißer, und zwar nach unten: Die Geschäftsführung des Trink- und Abwasserzweckverbandes Wahlitz-Menz-Gübs verdient nur analog A10. Das sind – je nach Dienstalter – im Jahr zwischen 36.700 und 47.941 Euro brutto, inklusive "allgemeine Stellenzulage" und "Jahressonderzuwendung", aber ohne Familienzulage. Letztere reicht hier bis zu 23.551 Euro im Jahr bei sechs Kindern für Verheiratete. Die in A16 eingruppierten Chefs würden auch nur mit Familienzulage ab vier Kindern und in der höchsten Stufe sechsstellige Jahresbruttogehälter erreichen.
Das Beamtentarifwerk ist nur bedingt vergleichbar mit der Bezahlung von Tarifangestellten, aber auch von angestellten Geschäftsführern: Beamte müssen vor allem nicht aus ihren Bruttobezügen in eine Rentenversicherung einzahlen. In einer Kienbaum-Umfrage, deren Ergebnisse zuerst in der ZfK einem größeren Leserkreis zugänglich wurden, gaben 2019 je nach Branche noch zwischen 70 und 90 Prozent der befragten Chefs öffentlicher Unternehmen an, dass ihr Arbeitgeber für sie noch klassische unternehmensfinanzierte Altersversorgungszusagen abgibt (hier für Abonnenten zur betreffenden E-Paper-Seite). (geo)
Hier externer Link zur Gehaltsaufstellung der Landesregierung Sachsen-Anhalt



