Percy Hamer ist Vorstand der Business Technology Consulting (BTC). Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Oldenburger EWE.

Percy Hamer ist Vorstand der Business Technology Consulting (BTC). Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Oldenburger EWE.

Bild: © BTC AG

Digitalisierung bedeutet den Einsatz neuer Technologien. Was löst das bei den Beschäftigten aus?
Das Entscheidende sind nicht die Technologien, sondern deren Einfluss auf das Arbeitsumfeld der Beschäftigten. Nach einer ersten großen Automatisierungswelle in der Produktion gibt es nun eine starke Digitalisierungswelle von Tätigkeiten in der Verwaltung, allgemeinen Bürotätigkeiten und kaufmännischen Prozessen. Das verursacht, wie bei Veränderungen üblich, bei einzelnen Mitarbeitenden erst mal Verunsicherungen.

Welche Sorgen verursacht das in der Belegschaft?
Das sind Fragen wie: Wie verändern sich meine Tätigkeitsfelder? Kann ich mithalten? Ist das zu kompliziert für mich? Diese Sorgen müssen in einem Veränderungsprozess aktiv von Führungskräften adressiert werden. Betroffen sind aber insbesondere auch die Vorgesetzten selbst, weil sich ihr Verantwortungsbereich ebenfalls ändert und weil viele Mitarbeitende ein zunehmendes Bedürfnis haben, Verantwortung zu übernehmen und ihr digitalisiertes Arbeitsumfeld mitzugestalten.

Was heißt das konkret für das Management?
Für die Digitalisierung muss ein Unternehmen ganz neue Führungskonzepte etablieren. Dazu gehört es, dem Team mehr Freiheit zu geben – also mehr Delegation und Vertrauen, dafür weniger Überwachung und Kontrolle. So etwas kann in bestimmten Führungsbereichen eine große Veränderung zum Status Quo sein.

Einer der Schrecken der Digitalisierung sind wegfallende Arbeitsplätze. Wie geht man damit um?
Grundsätzlich gibt es in der Energiewirtschaft zum Glück genug zu tun, der Fachkräftemangel tut sein Übriges hinzu. Bei der Digitalisierung der Verwaltung beispielsweise können zeitintensive und fehleranfällige Tätigkeiten – wie Dateneingabe – automatisiert werden. Die resultierende Zeitersparnis gibt den Sachbearbeitenden Kapazitäten für neue Aufgaben in  wertschöpfenderen Bereichen. Das erlaubt den Mitarbeitenden natürlich auch Überlegungen wie: Was kann, was möchte ich tun in der neuen Arbeitswelt? Benötige ich dafür eine Aus- oder Weiterbildung? Das Management hat hier die Aufgabe die Mitarbeitenden dort abzuholen, wo sie fachlich und emotional stehen. Wichtig ist, ihnen die Möglichkeiten und die nächsten Schritte zu erklären, damit sie erkennen, wohin sie sich entwickeln können. Wenn jemand Ängste hat, dann ist er nicht offen für Veränderungen – mit aktiver Veränderungsbegleitung (Change Management) lassen sich solche Bedenken frühzeitig aufnehmen und klären.

Wie erreicht man das?
Am besten ist es, wenn man nicht radikale, sondern kleinere Veränderungen durchführt, entweder in Projektschritten oder in abgegrenzten Bereichen. Mitarbeitende probieren die Veränderung in ihrem Arbeitsalltag aus und gewinnen Vertrauen über Erfolgserlebnisse. Sie erleben, dass die Neuerungen funktionieren, dass die Technik sie in ihrer Arbeit unterstützt. Allerdings – und das ist das Schwierige: Manche Aufgaben werden sich grundlegend verändern. In diesem Fall haben Führungskräfte die wichtige Verantwortung zu prüfen, wie sie ihren Mitarbeitenden Perspektiven aufzeigen und sie bei der Neuorientierung bestmöglich begleiten können.

Wie viel Prozent der Jobs werden gestrichen?
Das ist nicht das Ziel von Digitalisierung und in der Regel auch nicht das Resultat. Es geht zunächst um die Frage, um welchen Aufgabenbereich es sich handelt. Bei Tätigkeiten mit direktem Kundenkontakt zum Beispiel wird sich wenig ändern. Bei Backoffice-Aufgaben wird das anders sein, wobei die fachliche Expertise von Mitarbeitenden für Einzelfallbetrachtungen auch hier weiterhin unerlässlich sein wird. Zugleich werden Jobs in anderen Bereichen und ganz neue Geschäftsmodelle entstehen.

Welche Art von Stadtwerken suchen Ihren Rat, große oder kleine?
Von der Digitalisierung profitieren grundsätzlich alle Unternehmen, dabei sind sie unterschiedlich weit in der Umsetzung. Mittelgroße und kleine Unternehmen sehen vermehrt den Bedarf zu automatisieren und entscheiden sich dann für den Kauf von Software und den Einsatz eines Beraters. Sie adressieren damit zwar die technischen Anforderungen, unterschätzen aber die großen Veränderungen in der Mitarbeiterschaft.
Strategisch geplant und mit den Anwendern im Fokus bietet Digitalisierung und auch Automatisierung für jede Unternehmensgröße enorme Potentiale die Resilienz zu erhöhen, sich konkurrenzfähig aufzustellen, für Mitarbeitende und Bewerber attraktiv zu sein sowie zukunftsweisende Marktangänge und Angebote zu schaffen. Große Stadtwerke und große Energieversorger beschäftigen sich schon länger mit Digitalisierungsthemen, aber auch hier tauchen Herausforderungen auf.

Zum Beispiel?
Wir arbeiten hier mit Unternehmen zusammen, die mit der Digitalisierung technisch schon recht weit sind, dann aber auf interne Widerstände stoßen. Wir helfen dann bei der Beantwortung der Frage: Wie transformieren wir das Unternehmen mit all seinen Mitarbeitenden , und nicht nur die technischen Prozesse? Hier braucht es einen ganzheitlichen Ansatz, der Menschen, Technologie und Prozesse adressiert. Digitalisierungsthemen, die nachhaltig im Unternehmen verankert sind, werden dann zum Erfolg, wenn Nutzerakzeptanz und Mehrwerte für die Organisation klar sind. In Digitalisierungsprojekten, die durch Change Management begleitet worden sind, stellen wir einen starken positiven Einfluss auf Umsetzungsdauer, Projekterfolg und Zufriedenheit für unsere Kunden und deren Mitarbeitende fest.

Das Interview führte Elwine Happ-Frank

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