In der Corona-Pandemie verläuft auch das Onboarding in den Unternehmen zunehmend digital. (Symbolbild)

In der Corona-Pandemie verläuft auch das Onboarding in den Unternehmen zunehmend digital. (Symbolbild)

Bild: © olezzo/AdobeStock

Auf der VKU-Verbandstagung 2021 diskutierten die Teilnehmer über Unternehmenskulturen im Wandel. Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie langfristig auf mobiles Arbeiten in der Kommunalwirtschaft?

Magdalena Weigel, Vorständin und Arbeitsdirektorin bei N-Ergie hielt zunächst fest, dass sich derzeit etwa 1000 der 2600 Mitarbeiter des Kommunalversorgers im Home-Office befänden. Ein Verbot, ins Büro zu kommen, gebe es nicht.

Arbeit als soziales Umfeld

Letztes Jahr hat die N-Ergie eine Umfrage gemacht. Dabei kam heraus, dass die Mitarbeiter mehr "mobil", das heißt "ortsunabhängig" arbeiten wollen. Der Wunsch lag dabei im Durchschnitt bei 2 bis 3 Tagen mobilen Arbeitens in der Woche.

Niklas Benrath, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) bestätigte, dass mobiles Arbeiten nachhaltig bleiben werde. Allerdings ist für ihn Arbeit auch ein wichtiges soziales Umfeld. "Auch Tarifpolitisch muss man sich das Thema anschauen."

Kommt der Home-Office-Tarifvertrag?

Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) plädiert beim Thema digitales Arbeiten für klare Regeln. "In manchen Branchen sieht man den Drang, mehr mobil zu arbeiten, um Arbeitsflächen einzusparen", mahnte er. Verdi verhandelt aktuell mit dem Bund über einen Digitalisierungs-Tarifvertrag. Dieser soll dann eine Leitwirkung entfalten.

Benrath widersprach dieser Ansicht vehement. "Die Gewerkschaften wollen alles Regeln. Wir dagegen lehnen einen Tarifvertrag ab", sagte er. Die Diskussionen müssten vor Ort mit den jeweiligen Parteien geführt werden. "Mobiles Arbeiten ist kein Thema für einen flächendeckenden Tarifvertrag."

Wie wichtig Präsenz ist

Auch beim VKA ist mobiles Arbeiten ein wichtiges Thema. Derzeit werden beim Verband alle Besprechungen digital durchgeführt. Es sei eine Aufgabe für die Führungskräfte, dass die Mitarbeiter sich dennoch mit der Aufgabe identifizieren könnten, erklärte Benrath.

Werneke wiederholte, dass er sich zwischen Beschäftigten und Arbeitnehmern einen Kontrakt auf Augenhöhe gibt, der mobiles Arbeiten regelt. Weder im Betriebsverfassungsgesetz noch im Personalvertretungsgesetz sei das Thema ausreichend geregelt. Aus Sicht von Verdi sollen dabei weiterhin auch persönliche Zusammentreffen gewährleistet werden. "Nur wenn man sich kennt, kann man auch Zwischentöne einschätzen", war sich Werneke sicher.

Home Office und Home Schooling treffen zusammen

"Auch vor dem Ausbruch der Pandemie gab es viele Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Home Office und mobilen Arbeiten gemacht haben", so Werneke weiter. Dabei habe es auch positive Betriebsvereinbarungen gegeben. Viele Beschäftigte schätzten die höhere Flexibilität.

Während der Corona-Pandemie kam es oft zu der Kombination zwischen Home Office und Home Schooling, was als sehr belastend empfunden wurde. "Auch die faire Aufteilung der Erziehungsarbeit zwischen den Partnern funktionierte nicht immer", erklärte Werneke. Auch Verdi habe eine Umfrage zu "Home-Office" durchgeführt. "Die überwiegende Antwort war 20-25 Prozent im häuslichen Umfeld als Zielvorstellung."

Digital im Unternehmen ankommen

In vielen der Unternehmen ist durch die Pandemie auch das Recruiting digitaler geworden, so auch bei N-Ergie. "Das wird noch weiter so gehen", ist sich Weigel sicher. "Beim Onboarding hören wir vielfach, dass das Kennenlernen des Arbeitsumfelds rein digital schwierig ist."

Die Effizienz zuhause misst die N-Ergie dabei bislang nicht. "Wir sehen nur die Ergebnisse." Beim Kommunalversorger ist man auf die Antworten des Gesetzgebers zum Thema "Arbeitszeit" gespannt. Weigel ergänzte: "Ich bin dafür, den Mitarbeitern Freiheit in der Arbeitszeit zu lassen. Mitarbeiter sind mündige Menschen." (jk)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper