Der ehemalige kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke Münster, Henning Müller-Tengelmann, hat gegen seine Entlassung im September Zivilklage eingereicht. Ein Unternehmenssprecher bestätigte den "Westfälischen Nachrichten" und der ZfK den Eingang der Klage. Man prüfe nun "die nächsten Schritte", hieß es. Auf weitere Details wollte der Sprecher wegen des laufenden Verfahrens nicht eingehen.
Klage auf "Unwirksamkeit" der Entlassung
Müller-Tengelmann klagt auf die gerichtliche Feststellung, dass seine Kündigung "unwirksam" sei. Das teilte ein Sprecher des Landgerichts Münster der ZfK mit. Zuständig sei die Kammer für Handelssachen. Ihr Vorsitzender erwäge, den Parteien eine Mediation vorzuschlagen. Parallel läuft keine Klage beim Arbeitsgericht, bestätigte Direktorin Ines Koch der ZfK.
Aufsichtsratschef und Kämmerer Alfons Reinkemeier (CDU) wollte der ZfK zu arbeitsrechtlichen Angelegenheiten nichts sagen. Dafür berichtete er aus der Ratssitzung am Mittwochabend, dass das Kommunalparlament einen Vorschlag der Personalberatung LAB & Company zur künftigen Führungsstruktur der Stadtwerke angenommen hat, den sich Reinkemeier und seine Aufsichtsratskollegen zu Eigen gemacht hatten.
Münster Netz soll weiteren Chef bekommen
Das Konzept sieht die Rückkehr zu einer Doppelspitze vor, deren Ressorts aber nicht mehr zwischen Kaufmännischem und Technik voneinander abgegrenzt sind, sondern zwischen "Energie" und "Verkehr". Zudem soll die Tochter Münster Netz von einer kleinen in eine große Netzgesellschaft umgewandelt werden. Das heißt, die Mitarbeiter und das Anlagevermögen des Netzbetriebs wandern in die Netzgesellschaft. Statt von derzeit einem Geschäftsführer soll die Tochter künftig von zweien geführt werden.
Ziel ist, dass sich das Stadtwerk schneller und strategischer weiterentwickeln kann. Dies hatte ein Dauerstreit behindert, den sich Müller-Tengelmann und dessen damaliger, gleichrangiger technischer Kollege Dirk Wernicke teilweise auch in der Öffentlichkeit geliefert hatte. Der Rat der Stadt hatte vor drei Monaten die Reißleine gezogen: Er entband Beide auf Empfehlung des Aufsichtsrats per sofort von ihren Mandaten. Interimsmäßig führt seitdem Stefan Grützmacher die Geschäfte.
Es wird in jedem Fall teuerWährend nun Wernicke mit dem Aufsichtsrat bereits einen Aufhebungsvertrag geschlossen haben soll, sind die Positionen von Müller-Tengelmann und dem Kontrollgremium offenbar noch weit auseinander. Beim Thema goldener Handschlag hat der Ex-Chef gute Karten (hier unter anderem zu seinen Einkünften bis 2016). Schließlich hatte der Aufsichtsrat dessen Fünfjahresvertrag erst im Februar verlängert – zu einer Zeit also, als dessen Streit mit Wernicke längst die Öffentlichkeit erreicht hatte. (geo)
Die Meldung wurde am 14. Dezember 2018 aktualisiert mit Angaben des Landgerichts und des Arbeitsgerichts Münster.



