Es wird mehr Monteure für Solaranlagen brauchen, wie eine neue Studie zeigt. (Symboibild)

Es wird mehr Monteure für Solaranlagen brauchen, wie eine neue Studie zeigt. (Symboibild)

Bild: © Bill Mead/Unsplash

Wie dramatisch ist der Fachkräftemangel in Deutschland? Eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag liest sich so, als gäbe es keinen umfassenden Mangel an Fachkräften, schreibt das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Das Ministerium hatte sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom vergangenen Dezember bezogen: Bei 118 von 144 Berufsgruppen gebe es laut Statistik mehr Arbeitslose als gemeldete Stellen.

Die Schlussfolgerung des Ministeriums: Es müsste in vielen Bereichen ausreichend Fachkräfte geben. Die Logik hat aus Sicht des IW aber gleich mehrere Haken: Zum einen widerspreche das den Erfahrungen der Unternehmen, die immer weniger passende Bewerbungen erhielten. "Die methodischen Annahmen entsprechen zudem nicht dem üblichen Vorgehen", so das arbeitgebernahe Forschungsinstitut.

Wichtig seien vor allem zwei Punkte:

1.     Die gemeldeten Stellen zeigten nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Nachfrage.

Bei den vom Ministerium berücksichtigten Stellen handele es sich nur um solche, die von den Unternehmen bei der BA gemeldet werden. Allerdings melden nicht alle Betriebe alle Stellen – gerade in Mangelberufen wie der Pflege gibt es oft deutlich mehr Nachfrage als Stellenausschreibungen, heißt es vonseiten des Instituts. Viele Unternehmen nutzen Online-Stellenportalen, dadurch ist der Anteil der gemeldeten Stellen in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken und liegt laut IAB-Stellenerhebung 2022 bei 44 Prozent. Nur etwa vier von zehn offenen Stellen tauchen in der BA-Statistik auf. Tatsächlich gebe es also mehr als doppelt so viele offene Stellen, so das IW.

 
2.    Arbeitslose und offene Stellen einer Berufsgruppe passten nicht immer zusammen.

In den Berufsgruppen werden aus statistischen Gründen Berufe mit ähnlicher fachlicher Ausrichtung, aber unterschiedlicher Qualifikation zusammengefasst, so die Forscher weiter. Beispielsweise seien Uhrmachergehilfen und Waffen- oder Maschinenbauingenieure in derselben Berufsgruppe ausgewiesen, auch wenn sie ganz unterschiedliche Tätigkeiten ausübten. "Bei der Berechnung von Fachkräftelücken ist es daher wichtig, nicht nur Berufsgruppen, sondern auch Berufe und ihr Qualifikationsniveau zu betrachten", schreibt das IW.

Für mehr als eine halbe Million Stellen fehlen passende Bewerber

Das Forschungsinstitut selbst errechnete für Dezember 2022 bundesweit eine Fachkräftelücke von 533.000 Stellen (ohne Helfertätigkeiten), für die es keine passend qualifizierten Bewerber gab. Grundlage dieser Berechnung war ein Vergleich von offenen Stellen und Arbeitslosen für jeden einzelnen Beruf.

"Dabei wird nicht nur die fachliche Ausrichtung berücksichtigt, sondern auch die Qualifikation der ausgeschriebenen Stelle und der konkreten Tätigkeit", heißt es. Nach IW-Berechnungen gab es im Dezember in 959 von etwa 1.300 Berufen mehr offene Stellen als Arbeitslose. In 107 von 144 Berufsgruppen bestehe demnach in mindestens einem der zugehörigen Berufe eine Fachkräftelücke. (jk)

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