Die Unternehmensberatung PWC warnt in einer neuen Studie vor den Auswirkungen des Fachkräftemangels. (Symbolbild)

Die Unternehmensberatung PWC warnt in einer neuen Studie vor den Auswirkungen des Fachkräftemangels. (Symbolbild)

Bild: © Gina Sanders/AdobeStock

Seit Jahrzehnten wird am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zum Fachkräftemangel geforscht. Die IW-Fachkräftedatenbank basiert auf den Daten der Arbeitslosen- und Stellenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Sie zeigen: Im vergangenen Jahr gab es bundesweit im Schnitt rund 1.339.000 offene Stellen für qualifizierte Fachkräfte, aber nur 968.000 qualifizierte Arbeitslose. Rein rechnerisch fehlten dem Arbeitsmarkt somit mindestens 371.000 Fachkräfte. Erschwerend komme hinzu, dass Angebot und Nachfrage regional sehr häufig nicht übereinstimmen, heißt es in der IW-Mitteilung.

 

Deutlich größer werde laut dem Institut die Lücke, wenn die einzelnen Qualifikationen berücksichtigt würden: Ein Softwareentwickler kann nicht als Bauingenieur arbeiten und umgekehrt. Unter dieser Prämisse fehlen sogar 630.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Zum Vergleich: So viele Menschen leben in Stuttgart. Und das Problem wird nicht kleiner: In diesem Jahr verlassen netto 260.000 Beschäftigte altersbedingt mehr den Arbeitsmarkt als Jüngere nachrücken, Tendenz steigend.

Höhere Löhne würden nichts ändern

An dieser Lücke würden höhere Löhne allein nichts ändern. Laut IW-Pressemitteilung könnten diese weder kurzfristig dafür sorgen, dass benötigte Qualifikationen entstehen, noch mittelfristig Arbeitsbedingungen und Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt so verändern, dass ausreichend Mobilität entstünde. Stattdessen würden höhere Löhne in Branchen, in denen der Fachkräftemangel besonders groß ist, Dienstleistungen und Waren kurzfristig verteuern, mit drastischen Folgen.

Denn die Spielräume sind für die Unternehmen in den letzten Jahren empfindlich geschrumpft. Corona-Pandemie und steigende Preise in Folge des Krieges haben die Kosten erheblich nach oben gedrückt, ganz besonders in der Industrie, die stark vom Fachkräftemangel und den Energiekosten betroffen ist. Zudem droht dann eine Lohn-Preis-Spirale, die die Inflation in Deutschland weiter treiben würde.

Es braucht mehr qualifizierte Einwanderung

"Grundsätzlich gilt, dass Mangelberufe attraktiver werden müssen", sagt IW-Ökonom und Studienautor Alexander Burstedde. "Viele Berufe, gerade im Handwerk, müssen für junge Menschen zu einer echten Alternative werden. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Beruf und Privatleben gut miteinander zu verbinden." Allerdings reicht das inländische Potenzial nicht aus, so Burstedde: "Wir müssen qualifizierte Einwanderung fördern und in Zukunft mehr, nicht weniger arbeiten. Dafür braucht es auch mehr verlässliche Kinderbetreuung. Nur so lassen sich wichtige Zukunftsprojekte stemmen, nur so werden Ziele in der Digitalisierung und im Kampf gegen den Klimawandel erreicht."

Laut den Studienautoren Alexander Burstedde und Dirk Werner könnten weitere Maßnahmen sein:

  • Arbeitszeit und -ort an die Bedürfnisse von Eltern und Älteren anpassen.
  • Mehr Erzieher und Pfleger ausbilden und Studienplätze für Sozialarbeiter und Lehrer schaffen.
  • Arbeitsanreize im Steuer- und Transfersystem erhöhen, besonders für Teilzeitbeschäftigte und Ältere.
  • Renteneintrittsalter erhöhen und Frühverrentung minimieren.
  • Mehr Berufsorientierung und Weiterbildung im Lebensverlauf sowie deutlicher Ausbau von Teilqualifikationen.
  • 42 Stunden-Woche mit weniger Urlaubs- und Feiertagen (Vorbild Schweiz).
  • Flexiblere Löhne, die sich in beide Richtungen an Knappheiten ausrichten können.

Die komplette Analyse können Sie hier lesen. (gun)

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