Gerade zur Adventszeit besonders schmerzliche: Stromabschaltungen. So wie hier im Zentrum der 14.000-Einwohner-Stadt Dorfen im oberbayerischen Kreis Erding sollte Lichterglanz für jeden Haushalt möglich sein.

Gerade zur Adventszeit besonders schmerzliche: Stromabschaltungen. So wie hier im Zentrum der 14.000-Einwohner-Stadt Dorfen im oberbayerischen Kreis Erding sollte Lichterglanz für jeden Haushalt möglich sein.

Bild: © Casus/Adobe Stock

Der Konflikt zwischen den Stadtwerken Dorfen (Bayern) und ihrem ehemaligen Alleingeschäftsführer Karl-Heinz Figl (55) hat sich Ende Februar nach drei Jahren ausgeweitet: Sein Amtsnachfolger Klaus Steiner schickte Figl kurz vor dem Höhepunkt des bayerischen Faschings eine weitere Entlassung als Kaufmännischem Leiter. Figl kündigte an, auch dagegen vorzugehen. Beide bestätigten der ZfK entsprechende Berichte in der Lokalpresse.

Die Stadtwerke Dorfen reagieren mit der dritten Kündigung Figls als Kaufmännischem Leiter darauf, dass vorigen September ein Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) München rechtskräftig geworden war, wonach mit Figls Entlassung als Geschäftsführer zum Jahreswechsel 2016/17 sein Arbeitsverhältnis als Kaufmännischer Leiter wiederauflebte und die ersten beiden vorsorglichen Kündigungen nichtig waren (Aktenzeichen 9 Sa 336/18; hier externer Link zum Tenor). Damals hatte das Bundesarbeitsgericht eine Nichtzulassungsbeschwerde des Versorgers verworfen (Aktenzeichen 9 AZN 531/19). Damit war das für Steiner "überraschende" LAG-Urteil vom Januar 2019 rechtskräftig geworden.

Doppelbesetzung

Der Versorger der 14.000-Einwohner-Stadt im Kreis Erding hat seitdem also einen freigestellten und unerwünschten Kaufmännischen Leiter und einen damals neu von Steiner eingestellten Nachfolger auf der Gehaltsliste. Auf die Frage, warum die neuerliche Kündigung erst fünf Monate nach dem entscheidenden höchstrichterlichen Spruch und über ein Jahr nach dem LAG-Urteil verschickt wurde, verwies Geschäftsführer Steiner auf die "Komplexität" des Falls. Figl sagte, er habe zuerst aus der Zeitung davon erfahren.

Es sei mehrmals eine gütliche Einigung versucht worden, fügte Steiner auf ZfK-Anfrage hinzu. Er machte aber Figl dafür verantwortlich, dass sie nicht zustandekam. Jetzt sei die absehbare neuerliche Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht München der Ort, um einen neuen Versuch zu starten.

"Berufliche Chancen beschädigt"

Figl hält sich für das Opfer einer Intrige aus den Reihen des Stadtrates und des Aufsichtsrates sowie einer der beiden Lokalzeitungen. Der Aufsichtsrat habe seinen Geschäftsführervertrag im November 2016 auf Basis einer anonymen Anzeige beendet. Die Staatsanwaltschaft Landshut hatte später schon die Vorermittlungen in der Sache eingestellt. Seine Klage gegen die Entlassung als Geschäftsführer verlor Figl beim Landgericht München, aber wie erwähnt klagte er sich erfolgreich als Kaufmännischer Leiter ein.

Er habe sich seither mehrmals im süddeutschen Raum beworben, sei aber bisher nicht zum Zuge gekommen, erklärte der 55-Jährige, der im Umfeld von Dorfen wohnt. Weil sie seine beruflichen Perspektiven beschädigt habe, habe er auch die Stadt Dorfen als Eignerin der Stadtwerke, die unter der Leitung von Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) den Aufsichtsrat dominiert, auf Schadenersatz verklagt. Gegen eine der beiden Lokalzeitungen hatte Figl in dem Zusammenhang 2018 zwei Zivilprozesse gewonnen und eine Rüge des Deutschen Presserates erwirkt. (geo)

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