Familienfreundlichkeit bedeutet in einer alternden Gesellschaft nicht nur passende Angebote für junge Eltern, sondern auch für Mitarbeitende, die sich um ältere Angehörige kümmern.

Familienfreundlichkeit bedeutet in einer alternden Gesellschaft nicht nur passende Angebote für junge Eltern, sondern auch für Mitarbeitende, die sich um ältere Angehörige kümmern.

Bild: © highwaystarz/AdobeStock

Immer mehr Elternpaare wollen eine partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf leben und Väter fühlen sich ebenso wie Mütter für die Erziehung und das Wohlergehen der Kinder verantwortlich. Das bedeutet auch, dass sie von den Unternehmen mehr Flexibilität einfordern. Der Energieversorger Enercity aus Hannover und Hamburg Wasser haben die personalpolitischen Chancen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkannt – wir zeigen exemplarisch einige Angebote.

Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels kann eine familienfreundliche Ausrichtung strategisch zu einem harten Wettbewerbsvorteil werden, mit der Aussicht auf einen schnelleren Wiedereinstieg von Eltern, geringere Fehlzeiten und eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit. Die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein, bekommen Enercity und Hamburg Wasser im Austausch mit 8400 Unternehmen im Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie", in dem beide Unternehmen mittlerweile als erfolgreiche Praxisbeispiele vorgestellt werden. Unterstützt wird die Initiative vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Angebote für alle Hierarchieebenen

Bei Hamburg Wasser wird der größte Unternehmensbereich Netze – verantwortlich für gut 12.000 Kilometer Trinkwasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsleitungen – von Frauke Lucks und Cornelius Hünemeyer gemeinsam in Teilzeit geleitet. Beide betonen, dass sie so einer verantwortungsvollen Führungsposition besser gerecht würden und diese auch mit familiären Aufgaben vereinbaren könnten.

Ole Braukmann, Pressesprecher von Hamburg Wasser, bekräftigt: "Wir wissen, dass gerade unsere Mitarbeiter:innen mit familiären Verpflichtungen ein hohes Maß an Flexibilität benötigen."  Betriebliche Angebote wie Homeoffice, Teilzeit oder Elternzeit müssten für alle Hierarchieebenen – für Frauen und Männer – nutzbar sein. Da zu Hause dennoch nicht immer alles nach Plan läuft, unterstützt Hamburg Wasser über die Notfallbetreuung der Kindertagesstätte „Elbkinder“ und ein Eltern-Kind-Büro – ergänzt durch die Beratung des Viva Familienservice mit langfristigen Lösungen.

Aufgrund der Altersstruktur bei Hamburg Wasser rückt auch die Pflege von Angehörigen stärker in den Fokus: Unternehmensspezifische Pflegeratgeber, Schulungen und eine interne Beratungsstelle sollen in dieser schwierigen Lebensphase unterstützen und damit, so Braukman, könne man auch im Wettbewerb um Fachkräfte punkten.

Enercity will Rollenklischees aufbrechen

Der Energieversorger Enercity betont, Rollenklischees aufbrechen zu wollen, und wirbt deshalb mit aktiver Kommunikation für Väterangebote. Man unterstütze, dass die sogenannten Partnermonate von vielen Vätern als Elternzeit genutzt werden, und ermutige werdende Väter, gerne auch länger als ein oder zwei Monate Elternzeit zu beantragen.

In allen Lebensphasen wolle man Mitarbeiter:innen begleiten und böte flexible Arbeitszeitmodelle „mit Rückkehroption auf Vollzeit“ an. Unternehmen und Eltern sind oft gleichermaßen daran interessiert, nach der Geburt eines Kindes einen schnelleren Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen: In Kooperation mit dem pme Familienservice bietet Enercity eine Kinderkrippe mit zwölf festen Plätzen für Kinder von zwei bis 36 Monaten an.

Und das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf macht auch in Hannover nicht bei der Kinderbetreuung Halt: Nach Angaben von Enercity ist der Anteil der Beschäftigten mit Pflegeaufgaben in den vergangenen zehn Jahren um 26 Prozent gestiegen. Zur Entlastung gebe es seit 2018 das Beratungsangebot "Homecare-Eldercare“ und man suche ständig nach innovativen Lösungen: Für eine bezahlte Pflegezeit von bis zu sechs Monaten kann nun privat vorgesorgt und ein Wertguthaben auf einem Lebensarbeitszeitkonto angespart werden.

Viele Mitarbeitende mit Pflegeaufgaben

Enercity und Hamburg Wasser wurden erfolgreich im „Audit Beruf und Familie“ zertifiziert, mit dem auch „Erfolgsfaktor Familie“ vernetzt ist. Beide Unternehmen schaffen kreative Angebote für alle Lebensphasen – von der Geburt eines Kindes bis zur Pflege älterer Angehöriger – und beide haben erkannt, dass Männer und Frauen gleichermaßen einbezogen werden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

In der aktualisierten Ausgabe seines Nachschlagewerks „Checkheft“verweist das Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ auf weitere Studien: Für 91 Prozent der Beschäftigten ist die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens genauso wichtig wie das Gehalt , für 75 Prozent hängt die Wahl des Arbeitgebers davon ab, und auch 75 Prozent betonen, dass sie wegen der Familienfreundlichkeit sogar das Unternehmen wechseln würden. Und genau das können sich Arbeitger:innen heute nicht mehr leisten. (Boris Schlizio/hp)

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