Der Pool talentierter Frauen für die erste Führungsebene nimmt kaum zu.

Der Pool talentierter Frauen für die erste Führungsebene nimmt kaum zu.

Bild: © Annette Riedl/dpa

Von Elwine Happ-Frank

In öffentlichen Unternehmen ist das Ziel, wie hoch der Anteil der Frauen in Top-Führungspositionen der zweiten und dritten Ebene sein soll, mit einer Zunahme um 1,3 auf 28,2 Prozent nur leicht gestiegen. Die Transparenz bei Frauenrepräsentationszielen ist damit erheblich schlechter als bei börsennotierten Unternehmen.

Das stellt die jährlich erscheinende "Flex-Gov-Studie" fest, die Ulf Papenfuß, Professor an der Zeppelin-Uni Friedrichshafen, erstellt. Damit verletzen die öffentlichen Unternehmen auch gesetzliche Vorgaben. In Deutschland sind Unternehmen, die mit über 500 Arbeitnehmern der Mitbestimmung unterliegen, gesetzlich verpflichtet, Zielgrößen für den Frauenanteil auf der zweiten und dritten Führungsebene festzulegen und zu veröffentlichen.

Bei der Berichterstattung halten sich, in dem aktuell von der Zeppelin-Uni untersuchten Geschäftsjahr 2022, nahezu unverändert zum Vorjahr 40,5 Prozent der 190 analysierten öffentlichen Unternehmen mit über 500 Arbeitnehmer:innen nicht an die Gesetzesziele und veröffentlichen keine Zielgrößen.

Bedeutung für die Arbeitgeberattraktivität

"In der Debatte um gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen wird den öffentlichen Unternehmen aber eine zentrale Vorbildfunktion zugeschrieben", gibt Studienautor Papenfuß zu bedenken. "Die nach wie vor niedrigen Zielgrößen, orientiert an den in Politik und Gesellschaft formulierten Zielen, zeigen die Größe der Herausforderungen und auch die Schwierigkeiten, den Pool talentierter Frauen für die erste Führungsebene kontinuierlich zu vergrößern."

Gudrun Aschenbrenner, Mitglied des Vorstands der AKDB, Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern und Kooperationspartner der Studie, weist auf die Bedeutung für die Arbeitgeberattraktivität hin: "Es gehört heute zum Selbstverständnis von Frauen, insbesondere wenn sie sich für eine Führungsposition entscheiden, zu prüfen, wie es um die Gleichstellungspolitik eines Unternehmens bestellt ist."

"Um auf dem Bewerber:innenmarkt die qualifiziertesten Kräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen, stellt die transparente Darlegung des angestrebten Frauenanteils auf Führungsebenen ein wichtiges Merkmal der Unternehmenskultur dar, nach dem Arbeitskräfte ihre neuen potenziellen Arbeitgeber bewerten und auswählen", stellt Edmund Mastiaux, Geschäftsführer des zfm – Zentrum für Management- und Personalberatung, fest.

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