Digital-Expertise bei Führungskräften hat ihren Preis, sagt eine aktuelle Studie. (Symbolbild)

Digital-Expertise bei Führungskräften hat ihren Preis, sagt eine aktuelle Studie. (Symbolbild)

Bild: © fotomek/AdobeStock

Dem aktuellen Markt fehlen die Fach- und Führungspersönlichkeiten: Die Nachfrage nach Unternehmenslenkern und Führungskräften mit Expertise für digitale Geschäftsmodelle und Innovation übersteige das Angebot inzwischen deutlich. Dies zeigt die aktuelle Studie "Gehaltsanalyse 2022" der Unternehmensberatung I-Potentials.

So habe sich der Markt für Führungskräfte mit Digital-Expertise demnach in einen Kandidat*innenmarkt gewandelt. Als immer wichtiger entpuppen sich dabei flexible Vergütungsoptionen, die einen zunehmend größeren Anteil der Gesamtvergütung ausmachen, heißt es. Denn diese hätten Vorteile - sowohl für Unternehmen als auch unternehmerisch denkende Führungskräfte.

Spitzengehälter über 500.000 Euro

Demnach stiegen die Gehälter auf der Führungsebene in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich mehr als 10 Prozent pro Jahr inklusive flexibler Vergütung. Lag die durchschnittliche Gesamtvergütung der analysierten C-Level-Kandidat*innen 2011 noch bei durchschnittlich 100.000 Euro, so betrug sie 2021 rund 260.000 Euro.

Besonders rasant gestiegen sind die Spitzengehälter – im Durchschnitt um 27,38 Prozent jährlich. Dadurch könne die jährliche Vergütung inzwischen bei weit über 500.000 Euro liegen.

Flexible Anteile machen den Unterschied

Flexible Vergütungsformen durch Boni und Unternehmensanteile spielten vor zehn Jahren noch eine deutlich kleinere Rolle, machen aber inzwischen einen zunehmenden Anteil der Vergütung aus. So stiegen die Fixgehälter seit 2011 durchschnittlich um 7,14 Prozent jährlich, die Boni um 9,04 Prozent jährlich und die Entlohnung durch Unternehmensanteile um 17,12 Prozent jährlich, heißt es weiter.

"Die Steigerung im variablen Anteil bringt insbesondere in dem engen und sehr unternehmerisch geprägten Digitalmarkt große Vorteile", sagt Martina Van Hettinga, Managing Partner, I-Potentials. "Kandidat*innen haben oft zahlreiche Optionen u.a. auch die eigene Gründung. Sie an der Unternehmensentwicklung über den variablen Anteil partizipieren zu lassen, erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Angebote deutlich."

Zusammensetzung der durchschnittlichen Vergütung von Führungskräften im Jahr 2021.Bild: © i-potentials

CEOs mit höchster Gesamtvergütung

Betrachtet man die verschiedenen C-Level-Positionen, so erhalten CEOs mit 200.000 bis 350.000 Euro im Median die höchste Gesamtvergütung. Der COO folgt mit 180.000 bis 280.000 Euro jährlich (Median).

Besonders hoch sei der Anteil an variablen Vergütungsbestandteilen bei allen C-Level-Positionen für Commercial-Themen – nicht selten machen Boni und Unternehmensanteile 50 Prozent der Vergütung dieser Kandidat*innen aus. "Die Höhe des Jahresgehalts richtet sich nach Branche, Position und insbesondere auch der Phase in der sich das Unternehmen befindet. Sprechen wir von einem Scale-Up, das expandiert und wächst, oder von einem Mittelständler in der Transformation?", so Van Hettinga.

Entwicklung der einzelnen Vergütungsbestandteile von 2011 bis 2021.Bild: © i-potentials

Unternehmen in der Peripherie müssen mehr zahlen

Bei der Analyse der Vergütungen in den Bundesländern fiel zudem auf, dass Unternehmen fernab der digitalen Hubs oft einen finanziellen Aufschlag zahlen – hauptsächlich in Form flexibler Optionen. Hessen (276.43 Euro jährlich) und Nordrhein-Westfalen (256.424 Euro jährlich) waren die Bundesländer mit dem höchsten durchschnittlichen Jahresgehalt für C-Level-Kandidat*innen. NRW war in der Studie auch das Bundesland, in dem die Vergütung mit durchschnittlich 16,9 Prozent pro Jahr seit 2011 am stärksten angestiegen ist.

Der Frauenanteil auf Vorstandsebene liegt im vorhandenen Datensatz bei 16 Prozent. Frauen, die es auf diese Position geschafft haben, verdienen im Durchschnitt fünf Prozent weniger als ihre männlichen Vorstandskollegen. Dies ist deutlich weniger als die statistische Lohnlücke über alle Berufsgruppen von 18 Prozent laut Statistischem Bundesamt.

Quotendruck lässt Gehälter sich annähern

"Ein positives Signal ist, dass der Frauenanteil in den zweiten und dritten Führungsebenen (VP- und Director-Level) mittlerweile immerhin über 20 Prozent liegt. Und angesichts des zunehmenden Quotendrucks sowie immer mehr Unternehmen, die aus eigenem Antrieb heraus verstärkt nach weiblichen Führungskräften für ihre Management-Teams suchen, werden sich die Gehälter von Männern und Frauen im Top-Level mit Sicherheit weiter annähern", prognostiziert Van Hettinga.

Jedoch sei der Weg immer noch lang und Unternehmen müssten jenseits der Quote Diversität auch als eine Vielfalt von Persönlichkeit und Haltung denken.

Future Leader sind gefragt

"Die Ereignisse der vergangenen drei Jahre haben den Markt für Talent branchen- und unternehmensphasenübergreifend nachhaltig in einen Kandidatenmarkt verwandelt. Gefragt sind in Zeiten des Umbruchs und der digitalen Transformation mehr denn je zuvor Future Leader, die ihr Ego hinten anstellen und stattdessen ganze Teams befähigen, sich nicht an den Erhalt des Status Quo zu klammern, sondern die Zukunft als Chance zu begreifen und unternehmerisch zu gestalten", erklärt Constanze Buchheim, Managing Partner, I-Potentials.

Allerdings dürften die Ergebnisse nicht auf alle Vorstandsgehälter verallgemeinert werden. Dennoch lasse sich sagen, dass langfristig nur Unternehmen erfolgreich sind, die unternehmerisch denkende Führungskräfte mit Digital-Expertise für sich begeistern, fassen die Studienautor*innen zusammen.

Gehaltsangaben von 664 Führungskräften

Für die Studie hat I-Potentials einen Datensatz mit 1122 einmaligen Personendatensätzen im Sinne der DSGVO anonymisiert ausgewertet. Die Angaben stammen aus Kandidat*innen-Umfragen aus den Jahren 2010 bis 2021. Darin sind Gehaltsangaben von 664 Führungskräften auf Geschäftsführer- und Vorstandsebene in die Auswertung eingeflossen. (jk)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper