In einer neuen Studie hielt sich die Mehrzahl der Befragten im Homeoffice für produktiver als beim Arbeiten im Büro. (Symbolbild)

In einer neuen Studie hielt sich die Mehrzahl der Befragten im Homeoffice für produktiver als beim Arbeiten im Büro. (Symbolbild)

Bild: © standsome worklifestyle/Unsplash

Seit Oktober 2022 gilt die neue Betriebsvereinbarung "Hybrides Arbeiten" an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm des Automobilherstellers Audi. Beschäftigte können seitdem ihren Arbeitsort frei wählen, eine Vorgabe an Präsenztagen entfällt, wie das Unternehmen mitteilt. Außerdem hat Audi das Desk-Sharing ausgebaut und Büroflächen neu gestaltet. Mitarbeitende erhalten zudem finanzielle Unterstützung, um ergonomisch mobil arbeiten zu können.

Audi-Mitarbeitende legen demnach gemeinsam mit ihrer Führungskraft individuell fest, an welchen Tagen sie ins Büro kommen und wann sie mobil arbeiten, sofern dies mit ihrer Arbeitsaufgabe vereinbar ist. Starre Vorgaben sieht das Regelwerk ausdrücklich nicht vor, heißt es. So hätten Mitarbeitende eine noch größere Freiheit, ein zur eigenen Lebenssituation passendes Arbeitsmodell zu finden und selbstbestimmt und flexibel zu arbeiten.

Neue Raumkonzepte in den Werken

Die neue Betriebsvereinbarung entwickelt dabei die seit 2016 bestehende Betriebsvereinbarung "Mobiles Arbeiten" weiter. "Wir hatten schon ein hohes Maß an Flexibilität, jetzt können Audianer_innen das Beste aus beiden Welten – mobiles Arbeiten und Büro – miteinander kombinieren", sagt Xavier Ros, Vorstand für Personal und Organisation bei Audi. "Die neue Betriebsvereinbarung ist für uns ein konsequenter Schritt auf unserem Weg hin zu einer hybriden Arbeitswelt.

"Natürlich denken wir dabei gleichzeitig an die Belegschaftsmitglieder, die aufgrund ihrer Tätigkeit nicht von zu Hause arbeiten können", schränken der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch (Ingolstadt) und sein Stellvertreter Rainer Schirmer (Neckarsulm) ein. "Hier erarbeiten wir gerade gemeinsam mit dem Unternehmen neue Raumkonzepte und flexiblere Arbeitsmodelle, um die Arbeitsbedingungen in den Werken zu verbessern."

Mehr Verantwortung für Teams

Wie positiv eine Flexibilisierung der Arbeitsmodelle wirkt, hat Audi zudem mit der Universität St. Gallen wissenschaftlich untersucht. Für die Studie hatten Unternehmen und Forscher mehr als 1500 Mitarbeitende aus über 100 Abteilungen befragt. Das zentrale Ergebnis war dabei, dass Teams, die gemeinsame Vereinbarungen ausgearbeitet hatten, ein klareres Verständnis über die hybride Zusammenarbeit entwickelten.

Gegenseitiges Vertrauen und Verbindlichkeit waren in diesen Teams deutlich ausgeprägter. "Zugehörigkeitsgefühl und Authentizität steigen, zusätzlich konnten wir einen positiven Effekt auf Perspektivenvielfalt und Chancengleichheit messen", sagt Projektleiterin Carina Behrends aus dem Diversity Management bei Audi.

Desk-Sharing ist freiwillig

Für die Zusammenarbeit in hybriden Teams verbessert Audi außerdem an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm die technischen und räumlichen Voraussetzungen. Sukzessive sollen in den kommenden Jahren neue Arbeitsumgebungen entstehen – einschließlich moderner Kreativräume, Besprechungsräume, Projektecken, Lounges oder Meetingbereiche für Kommunikation, Vernetzung und Zusammenarbeit.

Einen größeren Stellenwert räumt die Betriebsvereinbarung dem Desk-Sharing ein. Dieses ist für die Mitarbeitenden allerdings freiwillig. Anstelle von persönlichen Arbeitsplätzen teilen sich die teilnehmenden Mitarbeiter_innen die Räumlichkeiten flexibel auf. Den Raum oder Tisch, den sie benötigen, buchen sie demnach über ein digitales Tool.

Ausstattungspakete für IT und ergonomisches Büro

Audi stellt Mitarbeitenden, die mobil arbeiten können und am Desk-Sharing teilnehmen möchten, ein IT-Paket zur technischen Ausstattung für das mobile Arbeiten zur Verfügung, heißt es. Darüber hinaus erhalten diese Mitarbeitenden einen Gutschein im Wert von 500 Euro beziehungsweise temporär bis zum 30. Juni 2023 von bis zu 750 Euro, um sich ergonomische Büroausstattung für das mobile Arbeiten zu kaufen.

Auch für die Beschäftigten, die aufgrund ihrer Arbeitsaufgabe nicht hybrid arbeiten können, soll es spürbare Fortschritte geben – zum Beispiel für taktgebundene Mitarbeitende in der Produktion. Unternehmen und Betriebsrat arbeiten nach eigener Aussage an flexibleren Arbeitsmodellen in der Schicht, neuen Raumkonzepten für einen angenehmeren Aufenthalt, vielfältigeren Angeboten in der Gastronomie und einem leichteren Zugang zu digitalen Services. (jk)

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