Das Homeoffice verursacht bei Mitarbeitern Mehrkosten.

Das Homeoffice verursacht bei Mitarbeitern Mehrkosten.

Bild: © Jens Kalaene/dpa

Mehr Homeoffice könnte CO2-Emisisonen langfristig ansteigen lassen. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie im ifo-Schnelldienst, wie das Forschungsinstitut aus München mitteilt.

"Kurzfristig fahren die Menschen weniger oft in die Arbeit und die CO2-Emissionen sinken vorübergehend. Langfristig ziehen sie jedoch weiter von den teuren Innenstädten weg und nehmen längere Pendeldistanzen in Kauf", sagt ifo-Forscher Waldemar Marz. Zudem sinke der Anreiz, sich sparsamere Fahrzeuge anzuschaffen, wenn mehr im Homeoffice gearbeitet werde.

Höhere Gebäude-Emissionen

"Diese beiden Anpassungsprozesse gleichen die anfängliche CO2-Verringerung zu etwa 90 Prozent wieder aus", erläutert Marz. "Zieht man zusätzlich noch höhere Gebäude-Emissionen bei größerer Wohnfläche und niedrigere Passagierzahlen im öffentlichen Nahverkehr in Betracht, kehrt sich die häufig erhoffte Verringerung des CO2-Ausstoßes durch mehr Homeoffice-Tage auf lange Sicht in eine Erhöhung um."

Die Modellrechnungen beruhen auf Daten aus den USA. "Die Ergebnisse sind jedoch auch auf Europa übertragbar, da die meisten Unterschiede wie etwa Pro-Kopf-Einkommen, Fahrzeugpräferenzen oder Baulandpreise einen geringen Einfluss auf die vorwiegend prozentualen Ergebnisse haben", sagt Marz.

Pendeldistanzen vergrößern sich

Auf ZfK-Nachfrage räumt der Forscher jedoch ein, dass der ÖPNV in Europa eine größere Rolle spiele als in den USA und dass dieser Faktor in den Berechnungen nicht berücksichtigt wurde.

"Höhere ÖPNV-Zuschüsse tragen natürlich zur Reduktion von Emissionen bei und sind sinnvoll", erklärt Marz. Allerdings könne dies nicht verhindern, dass Pendeldistanzen sich vergrößern. Marz geht demnach davon aus, dass Homeoffice-bedingt die Fahrgastzahlen im ÖPNV sinken und dies langfristig zu höheren Ticketpreisen führt.

Flottenverbrauchsstandards beeinflussen die Wahl

"In jedem Fall sinkt der Anreiz, Geld für teurere aber sparsamere Autos auszugeben wenn man seltener zur Arbeit fährt", begründet der ifo-Mitarbeiter. "Empirische Arbeiten zeigen auch, dass Menschen Kraftstoffkosten und -verbrauch bei ihrer Fahrzeugwahl berücksichtigen."

Unterschiede zwischen den USA und Deutschland, was zum Beispiel die Wahl von eher größeren oder kleineren Autos oder was das Umweltbewusstsein betrifft, habe die Studie dagegen nicht berücksichtigt.

Telearbeit bis 50 Prozent

"Das könnte sein, dass das nochmal eine Rolle spiel", räumt Marz ein. "Wichtiger erscheint uns aber, dass Flottenverbrauchsstandards in beiden Ländern beziehungsweise Regionen die Wahl von schlechteren Autos verhindern."

In der Studie haben die Forscher den Anteil von Telearbeit von 0 Prozent bis 50 Prozent der Fahrten variiert. Dies entspreche dem langfristigen Durchschnitt für alle Arbeitnehmer.

Größere Wohnfläche im Umland

"Bei 50 Prozent Homeoffice sinken die Emissionen kurzfristig um 23 Prozent", so Marz. "Von diesen 23 Prozent werden aber 84 Prozent durch die beiden Anpassungseffekte wieder 'aufgefressen'. Dadurch bleibt eine Reduktion um 3.5 Prozentpunkte übrig".

Stiegen dann noch die Gebäudeemissionen an, weil durch den Umzug ins Umland die Wohnfläche langfristig anwächst, könnten sich die CO2-Emissionen deshalb insgesamt erhöhen. (jk)

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