Münsters Kämmerer und Stadtwerke-Aufsichtsratschef Alfons Reinkemeier (CDU) schlägt dem Haupt- und Finanzausschuss sowie dem Ratsplenum für diesen Mittwoch die Rückkehr zu einer Doppelspitze in der 100-Prozent-Tochter vor, zudem eine klare Rangordnung sowie eine völlig neue Ressortaufteilung. Das geht aus einer Vorlage im Ratsinformationssystem der Stadt hervor.
Demnach hat bereits der Aufsichtsrat im November und Anfang diesen Monats entschieden, dass es nach dem Ende des Interimsmandats von Stefan Grützmacher nächsten Sommer erneut ein Geschäftsführungs-Duo geben soll. Die vorherigen gleichberechtigten Doppelspitzen Henning Müller-Tengelmann und Andreas Hoffknecht beziehungsweise dessen Nachfolger Dirk Wernicke hatten sich jeweils zuletzt auch in der Öffentlichkeit einen Dauerstreit geliefert. Hoffknechts Vertrag wurde 2009 nicht verlängert, und das folgende Duo wurde im September fristlos abberufen.
"Gegenseitige Kontrolle"
Doch die beauftragte Düsseldorfer Personalberatung LAB & Company überzeugte die Aufsichtsräte davon, dass "unter Abwägung von Kontroll- und Compliance-Aspekten" eine zweiköpfige Geschäftsführung "marktüblich und empfehlenswert" sei, "damit eine gegenseitige erste Kontrolle durch die Verteilung von Verantwortlichen bereits auf der Geschäftsführungsebene entsteht", so Kämmerer Reinkemeier.
Ein Energie-Chef als "Sprecher" sowie ein Verkehrs-Chef
Im Unterschied zur Lage bis September sollen die künftigen Geschäftsführer zudem:
- Erstens nicht mehr gleichberechtigt sein: Es soll einen "Sprecher" beziehungsweise "Vorsitzenden" der Geschäftsführung geben, die "zukünftig eine klare finale Entscheidungsfindung" ermögliche.
- Zweitens ihre Ressorts klarer voneinander abgegrenzt finden: Es wird nicht mehr zwischen kaufmännischem und technischem Ressort unterschieden, sondern zwischen "Energie" und "Verkehr". Der "Energie-Geschäftsführer" bekommt die Sprecher-/Vorsitzenden-Funktion, weil ihm mehr Mitarbeiter zugeordnet sein werden und er die "ergebnisrelevanteren" Geschäftsfelder verantwortet. Hierzu hat der Aufsichtsrat bereits eine "Geschäftsordnung für die Geschäftsführung" (GOGF) beschlossen. Zum Energieressort gehört die Münster Netz als große Netzgesellschaft mit zwei Geschäftsführern, Beschaffung & Vertrieb, Erzeugung, IT/Digitalisierung und Kaufmännisches beziehungsweise alle Shared Services. Das Duo an der Konzernspitze soll sich eine "Zentrale Stabsabteilung" teilen.
Das Auswahl-Procedere
Stimmt das Kommunalparlament am Mittwoch zu, wird der Vertreter der Stadt in der Gesellschafterversammlung die entsprechenden Beschlüsse fassen. LAB & Company beginnt dann unmittelbar mit der Suche nach dem Duo. Eine 13-köpfige Findungskommission ist bereits vom Aufsichtsrat mit Vertretern der Ratsfraktionen, der Arbeitnehmer und dem Personaldezernenten Wolfgang Heuer besetzt. Diesem Gremium soll LAB eine Auswahl präsentieren. Die finalen Entscheidungen sollen am 19. März im Aufsichtsrat und am 3. April im Rat fallen. (geo)



