Die vom bisherigen Konkurrenten Eon übernommene RWE-Tochter Innogy ordnet ihr Geschäft mit den Kommunen neu. Am 1. Oktober geht die "Innogy Westenergie GmbH" an den Start:
- Sie wird laut Innogy die größte der künftig neun Regionalgesellschaften von Eon –
- und zwar zwei Monate nach der Gründung unter der Führung der scheidenden Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen, Katherina Reiche (46).
- Unter anderem soll die Westenergie die Netzkonzessionsverträge und die Beteiligungen von Innogy an Stadtwerken bündeln.
- Außerdem werde der größte deutsche Verteilnetzbetreiber (VNB) Westnetz zu der neuen Gesellschaft gehören, teilte Innogy am Donnerstag mit. Westnetz verantwortet weiter Bau, Betrieb und Instandhaltung.
- Westenergie wird für die Netze und das kommunale Geschäft der neuen Eon in Nordrhein-Westfalen sowie Teilen von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zuständig sein. Über die Netze werden fünf Millionen Kunden mit Strom und etwa 450.000 Kunden mit Gas versorgt. Westenergie bringt in die neue Eon 9000 Mitarbeiter und mehr als sieben Milliarden Euro Außenumsatz ein.
- Zudem soll Westenergie auch die Verantwortung für Metering, Breitband und Netzservice übernehmen.
- Ein weiteres wichtiges Themenfeld wird laut Innogy die Entwicklung neuer Services und Produkte sein, um vor allem im nicht-regulierten Geschäft weiter zu wachsen.
- Die Neugründung wird – noch – aus dem Segment Netz & Infrastruktur der alten Innogy SE gesteuert, das Vorständin Hildegard Müller verantwortet. Sie schrieb: "Durch die Bündelung unseres kommunalen Geschäfts schaffen wir schnellere Entscheidungswege und stärken unsere Kundennähe noch weiter."
Künftiges Eon-Netzgeschäft wird städtischer
Die Zusammenarbeit mit den Kommunen ist für die Energiekonzerne von großer Bedeutung. Innogy, bisher eine RWE-Tochter, ist an mehr als 60 Stadtwerken beteiligt und hält 1700 Konzessionen, in denen Städte und Gemeinden den Versorgungsunternehmen gegen die entsprechende Abgabe die Nutzung von Straßen und anderen Flächen zum Erhalt leitungsgebundener Netze erlauben.
Eon-Chef Johannes Teyssen hatte nach der Genehmigung der Innogy-Übernahme durch die EU-Kommission gesagt, der erweiterte Konzern werde künftig erheblich mehr städtische Ballungsräume in seinem Netz haben und damit den Umbau der Energie-Infrastruktur maßgeblich mitgestalten.
Noch Geschäftsführung, später Vorstand
Innogy Westenergie erhält zum 1. Oktober eine vierköpfige Gründungsgeschäftsführung. Die Namen stehen seit einem finalen Aufsichtsrats-Beschluss vom 12. September fest und wurden jetzt von Innogy veröffentlicht:
- In der Aufbauphase führt Bernd Böddeling den Vorsitz der Geschäftsführung, bis an Neujahr 2020 Katherina Reiche übernimmt. Sie ist bis 31. Dezember dieses Jahres Hauptgeschäftsführerin des VKU. Böddeling wechselt dann in den Aufsichtsrat.
- Achim Schröder (53), der bisherige Westnetz-Geschäftsführer Energiewirtschaft/Finanzen, wird Geschäftsführer für Finanzen und Regulierung.
- Harald Heß (54), seit 2017 Chef der Eon-Konzerngesellschaft E-Kundenservice Netz, wird Geschäftsführer für Technik.
- Oliver Henrichs (53), bisher Leiter Tarif- und Mitbestimmungskoordination im Innogy-Konzern, Geschäftsführer für Personal sowie Arbeitsdirektor.
Innogy-Vorständin Müller formulierte den Anspruch an die künftige Regionalgesellschaft so, die kommunalen Kunden in den Mittelpunkt aller Aktivitäten zu stellen, für sie "die innovativsten und nachhaltigsten Lösungen (zu) entwickeln" und damit weiter zu wachsen. Für 2020 ist die Umwandlung in eine AG geplant, die Geschäftsführung wird dann zu einem Vorstand.
Kleinere Westnetz-Führungsriege
Die Geschäftsführung der Westnetz soll laut Innogy von vier auf drei Köpfe verkleinert werden:
- Jürgen Grönner und Stefan Küppers übernehmen alle Ressorts kommissarisch.
- Personalgeschäftsführer und Arbeitsdirektor Jürgen Wefers scheidet aus, die Position wird nicht wiederbesetzt. Diese Positionen wird es künftig nur noch bei der Westenergie geben.
- Das durch den Aufstieg Achim Schröders vakant werdende Finanzressort, genauer "Energiewirtschaft/Finanzen", soll wiederbesetzt werden. (dpa/geo)



