Die Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe haben bei ihrem Innovationsprojekt zur Arbeitswelt unter anderem die Methode des Design Thinking angewandt (Schmuckbild).

Die Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe haben bei ihrem Innovationsprojekt zur Arbeitswelt unter anderem die Methode des Design Thinking angewandt (Schmuckbild).

Bild: © Redpixel/AdobeStock

Ob Digitalisierung, Fachkräftesicherung oder eine neue Arbeits- und Führungskultur: Der Veränderungsdruck in Wirtschaft und Gesellschaft ist spürbar. Alte Konzepte stoßen an ihre Grenzen. Es braucht neue Ideen, Haltungen und Lösungen für Unternehmen, Institutionen, Verwaltungen und ihre Beschäftigten. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA begleitet kommunale und private Unternehmen auf diesem Weg – mit Fachwissen, Praxiserfahrungen, einem breiten Netzwerk und mit konkreten Angeboten.

Die Initiative gibt es schon seit 2002, führte Fabian Langenbruch, Unterabteilungsleiter Digitalisierung und Arbeitswelt beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), aus. Sie wurde als gemeinsame Aktivität von Bund, Ländern, Sozialversicherungsträgern, Gewerkschaften, Stiftungen und Arbeitgebern gestartet und wird durch das BMAS gefördert. Kommunale Unternehmen können sich auf der INQA-Website zunächst informieren, mit Checklisten analysieren, wo sie stehen, und gegebenenfalls  Hilfe von unabhängigen, aber geprüften Beratern in Anspruch nehmen. Dabei werden die Kosten durch Fördermittel zum Großteil übernommen, erläuterte Anne Findeklee, Referentin HR Strategien, Transfer & betriebliche Praxis beim BMAS.

Beispiel LVB

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) sind dabei, mit INQA ein Projekt umzusetzen. Dabei geht es darum, wie das Arbeitsumfeld sowohl für mobiles Fahrpersonal als auch Angestellte am Büroarbeitsplatz durch technologische Neuerungen verbessert werden könnte. Nach einem langen Beobachtungs- und Befragungsprozess wurden zwölf sogenannte Personas entwickelt, anhand derer nun neue Ideen und Lösungen für die Arbeitswelt entwickelt werden.

Ein Schwerpunkt der INQA-Initiative in den nächsten Monaten wird das Thema Viel­falt am Ar­beits­platz sein. In diesem Zusammenhang werden auch vor­bild­li­che Pra­xis­bei­spie­le um die Viel­falts­di­men­si­on LSBTIQ vorgestellt. Das Thema Diversität steht auch bei Lots* Gesellschaft für verändernde Kommunikation mbH im Fokus. Die Agentur hat gemeinsam mit dem VKU Verlag und der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) erstmals eine umfassende Online-Befragung zu Diversität und Chancengleichheit in kommunalen Organisationen durchgeführt. „Wir hatten gemerkt, dass dazu keine fundierten Fakten vorlagen“, sagte Franziska Morgner, Geschäftsführerin von Lots*.

Diversity in der Verkehrsplanung

Von Dezember 2020 bis März 2021 wurden Führungskräfte, Manager und Personalverantwortliche in der Kommunalwirtschaft und -politik befragt. Untersucht wurden die Einstellungen zu Vielfalt und Chancengleichheit, die Erfahrungen mit der Umsetzung von Strategien und Maßnahmen zur Förderung von Diversität sowie die persönlichen Hintergründe und mögliche Diskriminierungserfahrungen. Dazu wurde eine detailreiche Studie erstellt.

Wie Gender und Diversity die Verkehrs­­planung beeinflussen, hat Lots*s in einem Projekt untersucht. Ein Ergebnis: Während sich die die Mobilitätsmuster von Frauen und Männern deutlich unterscheiden, nimmt die Verkehrsplanung längst überholte Geschlechterrollen als Basis. „Ein Grund dafür ist der Gender Data Gap im Verkehrssektor, also die ungleiche Datenlage zum Mobilitätsverhalten von Frauen und Männern und den sich daraus ergebenden Anforderungen an Mobilität“, heißt es in einem Blogbeitrag auf der Website von Lots*.  „Neben geschlechtsspezifischen Untersuchungen sind auch diversitätssensible Daten notwendig, die weitere Diskriminierungsmechanismen aufgrund von Herkunft, Rassismus, sexueller Orientierung und Behinderung berücksichtigen.“ Denn ein ÖPNV, der nach modernen Kriterien ausgerichtet ist, könnte das Leben für alle lebenswerter machen. (hp)



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