Ein Stromkunde (Symbolbild) prüft seine Rechnung. Die Daten dafür wurden von einem Abrechnungsdienstleister erhoben. Die Insolvenz dieses Geschäftspartners hat jetzt den Stadtwerke Energie Verbund zum Verkauf seiner Strom- und Gaskunden gezwungen.

Ein Stromkunde (Symbolbild) prüft seine Rechnung. Die Daten dafür wurden von einem Abrechnungsdienstleister erhoben. Die Insolvenz dieses Geschäftspartners hat jetzt den Stadtwerke Energie Verbund zum Verkauf seiner Strom- und Gaskunden gezwungen.

Bild: © Petra-Bork/pixelio.de

Schlanke Strukturen und eine Auslagerung fast aller Geschäftstätigkeiten an Dienstleister: Das ist das Grundprinzip des Strom- und Gasprodukts "Kleine Racker" des Kamener Stadtwerke Energie Verbunds (SEV), mit mittlerweile 12.000 Strom- und Gaskunden bundesweit. Das spart Kosten, macht aber auch anfälliger. Die Insolvenz des Abrechnungsdienstleisters, laut ZfK-Informationen handelt es sich um die "bpd business process & decision GmbH aus Heidelberg" hat nun zu einem Notverkauf der Internetmarke an Lekker Energie geführt, die Tochter der Stadtwerke Krefeld übernimmt die Kunden zu denselben Konditionen wie bei der SEV. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Reaktionszeit war zu kurz

"Wir mussten sehr schnell das Risiko minimieren und eine nachhaltige Lösung für die Kunden finden", sagt Bernd Heitmann, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der SEV und Geschäftsführer der Stadtwerke Fröndenberg auf ZfK-Anfrage. Hinter der SEV stehen acht Stadtwerke aus Nordrhein-Westfalen. Nach der Insolvenz des Abrechnungsdienstleisters habe man sich in der kurzen Zeit ncht in der Lage gesehen, die Risiken abzuwenden, wird SEV-Geschäftsführer Jochen Grewe im "Hellweger Anzeiger" zitiert. Vor allem die Aussichten auf platzende Abrechnungen und den damit verbundenen Imageschaden dürften bei der Entscheidung eine zentrale Rolle gespielt haben.

"Investitionen haben sich amortisiert"

"Ich bedaure den Verkauf der Kunden des Kleinen Racker, damit fällt für uns als Stadtwerke Fröndenberg das Internet als bundesweiter Vertriebsweg zunächst weg", erklärt Heitmann. Der Einstieg in den bundesweiten Strom- und Gasvertrieb sei unter anderem eine Kompensationsstrategie gegen den Kundenschwund im Heimatmarkt gewesen. "Es ist kein einfaches Geschäft. Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, als seriöser Anbieter am Markt aufzutreten und haben auch nicht mit Boni gearbeitet", so der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung. Dennoch habe man mit dem Kleinen Racker in den vergangenen Jahren durchgängig Gewinne erwirtschaftet. "Unsere Investitionen haben sich amortisiert. Die SEV war und ist von der Finanz- und Liquiditätslage her stabil aufgestellt."

Zukunft des SEV ist noch offen

Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete die SEV ein Jahresergebnis von 0,53 Mio. Euro und einen Umsatz von 15,8 Mio. Euro, im Geschäftsjahr 2016 betrug das Jahresergebnis 1,16 Mio. Euro und der Umsatz  lag bei 17,4 Mio. Euro. "Die Stadtwerke Energie Verbund GmbH mit ihrer Marke Kleiner Racker ist eine Erfolgsgeschichte", versichert Geschäftsführer Jochen Grewe. Wie es mit dem SEV und seinen drei Mitarbeitern künftig weitergeht, ist laut Bernd Heitmann noch offen.

"Ich persönlich kann mir den Neuaufbau einer bundesweiten Strom- und Gasmarke vorstellen. Ich halte das Geschäft nach wie vor für interessant", so der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung. Dieses Thema werde man in Ruhe in den nächsten Monaten im Gesellschafterkreis abklären. Eigentümer des SEV sind neben Fröndenberg, die Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bönen-Bergkamen, die Stadtwerke Hamm, Ahlen, Wickede (Ruhr), Haltern am See, Herten und Emmerich. (hoe)

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