Deutsche Millennials sind auf dem Sprung zu neuen Arbeitgebern – oder können sich vorstellen, ihren aktuellen Job zu verlassen: 61 Prozent der Befragten erklärten, offen für einen neuen Arbeitgeber zu sein. 21 Prozent suchen sogar aktiv nach einer neuen Stelle. Das zeigt die Studie "Karrierewege Millennials 2022" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young).
Bei den Frauen sind demnach 23 Prozent auf der Suche, bei den Männern 19 Prozent. Damit könnte die im englischsprachigen Raum als "Great Resignation“ bezeichnete Entwicklung langsam nach Deutschland schwappen.
Arbeitsklima entscheidend
Interessant war dabei, dass es den befragten Millennials bei der Jobwahl nicht vorrangig ums Geld ging. Das Klima zwischen Kolleginnen und Kollegen war den 18- bis 40-Jährigen bei einem neuen Job demnach wichtiger als das Gehalt oder die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf.
58 Prozent halten es für wichtig bis sehr wichtig. Bei den Befragten in Österreich (72 Prozent) und der Schweiz (70 Prozent) sei dieser Faktor sogar noch wichtiger, so die Studienautor*innen. Beim Gehalt und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gaben 50 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass ihnen dies sehr wichtig oder wichtig sei.
Neue Herausforderungen
Die Gründe für den geplanten Jobwechsel waren dagegen vielfältig: Unzufriedenheit mit dem aktuellen Gehalt (27 Prozent), die Suche nach neuen Herausforderungen (15 Prozent) und der Wunsch sich beruflich weiterzuentwickeln (14 Prozent).
"Angestellte, gerade jüngere Berufstätige, wollen sich heute häufiger ausprobieren", erklärt Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung, Personalleiter und Arbeitsdirektor von EY in Deutschland. "Auf dem Arbeitsmarkt sehen sie aktuell die Chance dazu, da es durch den Fachkräftemangel Vakanzen an qualifizierten Mitarbeitenden gibt."
Arbeitskultur als Argument
Das gelte für fast alle Branchen. Daher seien Firmen gut beraten, auf die individuelle Situation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzugehen und Flexibilität bei Entwicklungsmöglichkeiten, dem Arbeitsort und dem Privatleben zu bieten. "Und darüber hinaus bedeutet es für die Unternehmen, dass eine positive Atmosphäre und Arbeitskultur immens wichtig sind, um gute Mitarbeiter zu halten – und neue zu gewinnen", so Hinz weiter.
Vor allem Frauen ist der Studie zufolge das Arbeitsklima wichtig: 64 Prozent halten es für einen wichtigen bis sehr wichtigen Faktor. Bei den männlichen Millennials in Deutschland sind es 53 Prozent.
Gehalt war ausschlaggebend
"Hier zeichnet sich ein bemerkenswerter Wandel ab, denn fast die Hälfte (46 Prozent) aller Befragten gab an, dass für die Wahl ihres aktuellen Arbeitgebers noch das Gehalt ausschlaggebend gewesen sei", erläutert Hinz. Dahinter folgten das Arbeitsklima (34 Prozent) und der Standort des Büros (24 Prozent).
Um beim neuen Arbeitgeber auch motiviert zu bleiben, wünschten sich vor allem Frauen ein angenehmes Arbeitsumfeld: 46 Prozent der weiblichen Befragten gaben an, dass ihnen dies wichtig sei. Bei den Männern waren es dagegen 28 Prozent.
Persönliches Netzwerk
Einen neuen Job finden Millennials demnach vor allem über ihr persönliches Netzwerk. Dies gaben 20 Prozent der Befragten an. Bei den Frauen war der Anteil mit 22 Prozent etwas höher als bei den Männern. Hier waren es 19 Prozent.
Geht es um den Karriereplan, sind laut der Befragung vor allem Männer auf höhere Funktionen aus. 36 Prozent geben an, dies in den kommenden fünf Jahren mit einem Wechsel des Arbeitgebers erreichen zu wollen. Bei den Frauen sind es 20 Prozent.
Grad der Unterstützung
Ist eine neue Stelle gefunden, wünschen sich die Mitarbeitenden vor allem Förderung – und formulieren das auch gegenüber ihrem Arbeitgeber. 64 Prozent der Befragten reden mit ihren Vorgesetzten über ihre Karrierepläne. Bei den Männern sind es 71 Prozent, bei den Frauen dagegen mit 56 Prozent deutlich weniger.
Allerdings fühlen sich die weiblichen Befragten besser von ihren Vorgesetzten unterstützt: 28 Prozent der Frauen gaben den Grad der Unterstützung mit "voll und ganz" an – bei den Männern waren es dagegen 18 Prozent. (jk)



